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50 Jahre Reusstal-Sanierung Das Vorzeigeprojekt feiert Jubiläum

Nach zahlreichen Hochwassern rangen Naturschutz, Landwirtschaft und Energie um die Zukunft des Reusstals. Am Ende sind Schutzgebiete, ein neues Kraftwerk, eine modernisierte Landwirtschaft und die erste Landwirtschaftszone der Schweiz entstanden.

Gemütlich fliesst die Reuss bei Rottenschwil AG durch die sommerliche Landschaft. Vögel zwitschern, am Ufer stehen an diesem Morgen Fischer und hoffen auf einen Fang. Nur ein paar Minuten zu Fuss gegen Norden liegt eines der bekanntesten Vogelschutzgebiete der Schweiz, der Flachsee.

Landschaft mit Fluss, Bäumen und Bergen im Hintergrund.
Legende: Natur zwischen Dörfern: Der Flachsee bietet Raum für seltene Vögel und Wassertiere. SRF/Stefan Ulrich

Vogelschutzgebiet, Flusslandschaft, Natur – dass das Aargauer Reusstal heute so aussieht, ist nicht selbstverständlich. Über Jahrhunderte haben die Menschen im Tal unter dem Fluss gelitten, unter den Hochwassern und Krankheiten. Darum wurde gehandelt: Bereits 1415 ist die erste Flusskorrektur dokumentiert, heisst es in den Unterlagen der Stiftung Reusstal, die die Erhaltung des Reusstals als Natur- und Kulturlandschaft zum Ziel hat.

Das Aargauer Reusstal oberhalb von Bremgarten

Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Flussabschnitte der Reuss oberhalb von Bremgarten AG begradigt. Im 19. Jahrhundert folgten umfangreiche Kanalisierungen, Dammbauten und Begradigungen. Trotzdem kam es weiterhin zu schweren Hochwassern. «Nach dem Riesenhochwasser 1953 kam von bäuerlicher Seite die Forderung, dass jetzt etwas gehen muss», erzählt Richard Maurer. Er war damals der neue Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau.

Grüne Wiesenlandschaft mit Bäumen und Hügeln im Hintergrund.
Legende: Mit der Reusstalsanierung entstand nicht nur der Flachsee, sondern auch der Nebenarm der Stillen Reuss bei Rottenschwil. SRF/Clara Schneider

Ein neues Sanierungsprojekt sollte die Situation im Reusstal verbessern. Aber wie? Richard Maurer erinnert sich an die Konflikte rund um das Projekt. Es habe zwei Gruppen von Konflikten gegeben: die Differenzen zwischen dem Naturschutz und der Landwirtschaft und jene zwischen dem Naturschutz und der Energiegewinnung.

Ruhiger Fluss mit Bäumen und Hügeln im Hintergrund bei klarem Himmel.
Legende: Die Reuss bei Rottenschwil: Für die Sanierung mussten die verschiedenen Interessen berücksichtigt werden: Landwirtschaft, Energiegewinnung und Naturschutz. SRF/Clara Schneider

Bei der Energiefrage ging es um das Kraftwerk Bremgarten-Zufikon. Sollte das alte Kraftwerk abgebaut oder ersetzt werden? «Diese Frage hat den Naturschutz komplett gespalten», sagt Richard Maurer. Die eine Seite wollte erreichen, dass die Reuss frei fliessen könne, für die Energielieferung reichten in Zukunft Atomkraftwerke, wurde argumentiert. Die andere Seite war überzeugt, dass die Natur vom Kraftwerk profitieren könne.

Stahlbrücke über ruhigen Fluss, spiegelndes Wasser.
Legende: Bei der Sanierung musste die alte Eisenbrücke bei Rottenschwil angehoben werden. Auch heute herrscht hier Einbahnverkehr. SRF/Barbara Mathys

Für den ehemaligen kantonalen Abteilungsleiter Richard Maurer ist klar: «Es hätte keinen Flachsee gegeben, der Flachsee ist unabdingbar verknüpft mit dem Aufstau durch das Kraftwerk.» Und so kam es dann auch: Das alte Kraftwerk wurde ersetzt durch ein neues, und ein besonderes Naturschutzgebiet entstand, unter anderem mit dem Flachsee oder dem Nebenfluss der Stillen Reuss.

Grosser Stein mit Inschrift am Flussufer.
Legende: Ein Gedenkstein erinnert an das Projekt Reusstal-Sanierung, das 50 Jahre Jubiläum feiert. SRF/Barbara Mathys

Das Aargauer Reusstal, die sogenannte Reusstalsanierung, ein Kompromiss zwischen sehr unterschiedlichen Interessen. Dass das geklappt hat, sei einem «absolut genialen Schachzug» der Regierung zu verdanken, ist Maurer überzeugt. Die Projektleitung, in der alle Kontrahenten vertreten gewesen sind, habe ausschliesslich einstimmige Beschlüsse fassen dürfen: «Das heisst: Man hat sich bei jedem Konflikt zusammenraufen müssen, diskutieren, verhandeln, bis ein Kompromiss auf dem Tisch gelegen ist.»

Der Aufwand hat sich gelohnt, ist Richard Maurer, ehemaliger Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau, überzeugt. Im Jahr 1979 hätten die Umweltminister aller europäischen Länder auf einer Exkursion das Aargauer Reusstal besucht: «Nicht wegen der Landwirtschaft oder wegen des Naturschutzes oder wegen des Kraftwerks oder wegen des Wasserbaus, sondern wegen der Art und Weise der Zusammenarbeit.»

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Regionaljournal Aargau Solothurn, 27.5.2026, 17:30 Uhr ; 

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