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Zu viele Städte im Aargauer Paralment? Die Westaargauer Stadt Zofingen hat 9 Sitze im Grossen Rat
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 20.10.2020.
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Aargauer Wahlen 2020 Es hat zu viele Städter im neuen Aargauer Parlament

Aarau, Baden und vor allem Zofingen sind im neu gewählten Grossen Rat übervertreten, wie eine Auswertung zeigt.

Der Aargau kennt kein grosses Zentrum. Doch die Kleinstädte spielen in der Politik eine wichtige Rolle. Eine zu wichtige Rolle? Die 140 Sitze im Aargauer Kantonsparlament sind besetzt. Nach den Wahlen am Wochenende zeigt sich jetzt: Im «Kanton der Regionen» haben vor allem die Kleinstädte eine sehr starke Präsenz. Sie sind zum Teil massiv übervertreten im neu gewählten Parlament.

So stellt die Kantonshauptstadt Aarau allein 10 Grossrätinnen und Grossräte. Die Ostaargauer Zentren Baden und Wettingen stellen je 7. Und die Westaargauer Stadt Zofingen hat 9 Sitze im Parlament. Das entspricht rund 6.5 Prozent der «Stimmkraft» im Grossen Rat. Allerdings stellt Zofingen mit seinen knapp 12'000 Einwohnerinnen und Einwohnern nur gut 1.7 Prozent der Bevölkerung.

So sind die Zentren im Grossen Rat vertreten

Gemeinde
Einwohnerzahl (31.12.2019)
Anteil Kantonsbevölkerung
Sitze
Stimmenanteil
Aarau21'5583.14%107.14%
Baden19'4842.84%75.00%
Brugg11'1351.62%42.86%
Lenzburg10'7691.57%42.86%
Rheinfelden13'5031.97%21.43%
Wohlen16'5222.41%53.57%
Wettingen20'7963.03%75.00%
Zofingen11'7331.71%96.42%

Insgesamt kommen die Zentrumsgemeinden und Städte Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Bremgarten, Rheinfelden, Wohlen, Wettingen und Zofingen gemäss einer Auswertung von SRF und Smartvote auf 50 Sitze im Parlament – das entspricht einem Anteil von knapp 36 Prozent. Diese Gemeinden stellen aber nur 20 Prozent der Kantonsbevölkerung.

Die Städte haben damit eigentlich zu viel Macht. Nicht vertreten ist dagegen die Bevölkerung aus einigen grösseren Agglomerationsgemeinden. Oftringen – direkt neben Zofingen – hat fast 14'000 Einwohnerinnen und Einwohner, aber keinen einzigen Sitz im Grossen Rat. Spreitenbach im Limmattal hat über 12'000 Einwohnerinnen und Einwohner und ebenfalls keinen Sitz.

Ist die Landbevölkerung nicht vertreten?

Klar: Oftringen und Spreitenbach haben einen relativ hohen Ausländeranteil – Menschen, die hier wohnen, aber kein Stimm- und Wahlrecht haben. Die Agglomerationsgemeinde Möhlin im Fricktal (11'000 Einwohner) ist mit 3 Sitzen hingegen gut vertreten. Es bleibt aber die Feststellung, dass kleine und mittlere Gemeinden ohne Zentrumsfunktion untervertreten sind.

Das birgt durchaus politischen Zündstoff: Denn die Städte «ticken» in der Tendenz progressiver oder linker als die kleinen und mittleren Gemeinden «auf dem Land». Die Bevölkerungsstruktur des Kantons wird in diesem Parlament also nur zum Teil abgebildet.

Unterschiede je nach Wahlkreis

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Die Wahlkreise im Aargau entsprechen den Bezirken. Eher ländlich geprägte Bezirke wie Kulm, Muri, Laufenburg oder Zurzach weisen dabei eine «fairere» Verteilung der Sitze zwischen Zentrumsgemeinden und Dörfern auf. Was wohl daran liegt, dass in diesen Bezirken starke Zentrumsgemeinden fehlen. Im Bezirk Laufenburg fällt auf, dass die Zentrumsgemeinde Frick sogar untervertreten ist im Gegensatz zur Nachbargemeinde Gipf-Oberfrick.

Allerdings: Mit rund 35 Prozent der Stimmen können die Städte keine politischen Alleingänge vollführen, ihre Themen nicht einfach «durchdrücken». So bleibt das Aargauer Parlament trotz städtischer Übervertretung insgesamt von Vertreterinnen und Vertretern der eher kleinen und mittleren Gemeinden geprägt.

Und natürlich gibt es auch «Ausreisser» bei diesen kleinen Gemeinden. Thalheim im idyllischen Schenkenbergertal zum Beispiel stellt 2 Grossräte. Dabei zählt die Gemeinde gerade einmal gut 800 Einwohnerinnen und Einwohner.

SRF1, Regionaljournal Aargau Solothurn, 19.10.2020, 17:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Viele Stimmbürger*innen wählen ihre Grossrats-Kandidat*innen unabhängig von der Parteizugehörigkeit und der Qualität aus ihrer Gemeinde. Darum dominieren die Kandidat*innen aus bevölkerungsreichen Gemeinden, also meist aus den Städten.

    Dasselbe passiert bei den Regierungsratswahlen auf regionaler Ebene. Der Ost-Aargau, unterstützt von der grossen katholischen Wählerschaft im Fricktal, Freiamt und Zurzach stellt die meisten Regierungsräte.
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  • Kommentar von Susanne Küng  (suku)
    Es ist nicht in Ordnung, dass Leute, die bereits ein Amt (z.B. Stadtamman, Stadtrat oder Gemeinderat) innehaben gleichzeitig auch noch im Grossen Rat politisieren. Ich sehe da einen Interessenkonflikt.
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  • Kommentar von Krebs Alfred  (A.Santiago)
    Da haben die ländlichen Stimmbürger nicht abgestimmt oder die eher Städtischen Kandidaten gewählt. Nicht jammern.
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