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Schweizer Beteiligung an französischen Spionage-Satelliten
Aus Echo der Zeit vom 16.03.2021.
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Abkommen im Ständerat Schweiz will sich Zugang zu besseren Satellitenbildern sichern

Der Ständerat ist der Meinung, dass die Schweiz auf das französische Satellitensystem zugreifen können soll. Am Dienstag hat der Rat einem entsprechenden bilateralen Abkommen zugestimmt.

Russische Truppen besetzen 2014 die Ostukraine. Lange ist nicht klar, was auf dem Terrain vor sich geht – die Informationslage ist dünn. Nicht zuletzt dieses Ereignis habe gezeigt, dass die Schweiz verlässliche Bilder aus der Luft benötige, sagt Robert Diethelm, stellvertretender Chef für internationale Beziehungen Verteidigung im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Die Schweizer Nachrichtendienste und die Armee bräuchten verlässliche Bilder aus der Luft, so Diethelm. «Satelliten zeigen ein Bild der Realität, das nicht manipuliert worden ist und auf das man schnell Zugriff hat.»

Schutz vor Manipulation

Bislang kauft die Schweiz bei privaten Satellitenanbietern Bilder ein, wenn sie sich eine Übersicht über Vorgänge am Boden machen will. Durchschnittlich bezieht sie ein bis zwei Bilder pro Woche. Kostenpunkt jeweils mehrere Tausend Franken. Die Beteiligung am französischen Satellitensystem kostet rund 100 Millionen Franken, um während mindestens zehn Jahren Bilder beziehen zu können.

Eine Beteiligung habe Vorteile, sagt Diethelm: «Die Auflösung ist hoch, die Systeme sind tag- und nachtfähig. Und wir können bei der Programmierung der Satelliten mitwirken.» So erhielte die Schweiz täglich neue Bilder und hätte eine grössere Gewähr, dass die Daten nicht manipuliert seien.

Frankreich baut aktuell ein neues Satellitensystem auf. Zwei Satelliten sind bereits in der Umlaufbahn – der dritte soll dieses Jahr hinzukommen.

Heute kann eigentlich jeder jeden beobachten.
Autor: Felix HuberDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Während Jahrzehnten besassen nur eine Handvoll Staaten Aufklärungssatelliten – allen voran die USA und Russland. Inzwischen haben Dutzende Staaten weltweit Spionage-Satelliten. So könne heute eigentlich jeder jeden beobachten, sagt Felix Huber, Direktor Raumflugbetrieb und Professor am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, «natürlich aber nicht mit derselben Auflösung wie ein grosser Satellit».

Für grosse Satelliten nehmen Staaten Milliardenbeträge in die Hand und verschaffen sich durch die technische Leistungsfähigkeit der Satelliten einen Informationsvorteil. Zentrales Kriterium ist die Auflösung der Bilder. Sie ist in der Regel ein gut gehütetes Staatsgeheimnis.

Technologie nun bezahlbar

Das französische Satellitensystem, an dem sich die Schweiz beteiligen will, hat eine Auflösung von unter 30 Zentimetern. Diethelm, der für die Schweiz den Vertrag ausgearbeitet hat, erklärt: «Das Aufklärungssystem hat eine gute Auflösung, die Qualität ist aber nicht so gut, dass Gesichtserkennungen möglich wären.» Überprüfen lässt sich diese Aussage nicht.

Die USA dürften hingegen wesentlich detailliertere Aufnahmen haben: Ein Satellitenbild, das der ehemalige US-Präsident Donald Trump auf Twitter verbreitet hat, lässt erahnen, wo die USA stehen: Aus mehreren Hundert Kilometern Entfernung können US-Satelliten Bilder mit einer Auflösung von mindestens zehn Zentimetern machen. Sie können also aus dem All beinahe das Rangabzeichen eines Soldaten erkennen.

Zurück zur Schweiz: Für sie wäre die Beteiligung am französischen System ein grosser Schritt nach vorne, meint Diethelm. «Bildaufklärung war schon immer wichtig. In der Vergangenheit war sie teuer und nicht erreichbar.» Doch jetzt sei die Technologie für die Schweiz greifbar. Nach dem Ständerat muss nun der Nationalrat über das Geschäft befinden.

Echo der Zeit, 16.03.2021, 18:00 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Hanselmann  (kinkiri)
    Dabei geht es um drei Sateliten, der mittlere kreist recht tief und ist offiziell zum Zweck "Identikation" gebaut. Es darf sich jeder selbt überlegen, ob man damit Nummernschilder und Personen per Video erfassen kann oder was damit gemeint sein könnte? Oder man schaut sich den Film Staatsfeind Nr.1 an, der den Stand der Technik von 1996 zeigt. Brauchen wir das wirklich?
  • Kommentar von Alex Hanselmann  (kinkiri)
    Eine kleine Bemerkung zur Auflösung. Nachdem Trump unabsichtlich den Stand der Technik verriet (siehe Satellit USA-224), würde kein Profi ernsthaft annehmen, dass die (Video-)Auflösung 10 cm überschreitet. Das von Trump veröffentliche Satellitenbild von 2019 scheint vom Satellit USA-224 zu stammen und hat 10cm Auflösung. Dieser umkreist die Erde etwas höher als CSO 1/2/3 und da USA-224 ein Jahrzehnt älter ist, hat er wohl weniger Bandbreite. Letzteres ist oft das Nadelöhr bei Spionagesatelliten.
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Zitat: "Bislang kauft die Schweiz bei privaten Satellitenanbietern Bilder ein, wenn sie sich eine Übersicht über Vorgänge am Boden machen will. Durchschnittlich bezieht sie ein bis zwei Bilder pro Woche. Kostenpunkt jeweils mehrere Tausend Franken."
    Wenn 1 Bild CHF 3000 kostet, könnte die Schweiz mit CHF 100 Mio. weiterhin 33'333 Bilder kaufen. 2 Bilder pro Woche ergeben eine Zeitdauer von 320 Jahren und man bliibe erst noch anbieterunabhängig. Auch die Technologie wird sich weiterentwickeln!..
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Genau dieselbe Rechnung machte ich gerade auch, noch bevor ich ihren Kommentar las. Das rechnet sich hinten und vorne nicht. Aber wahrscheinlich wittert man die Chance, in der Flut der Corona-Ausgaben gut auch 100 Mio. verbuddeln zu können...
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Sie könnten auch den Abschnitt lesen, wo die Vorteile genannt werden. Das bisherige Vorgehen mag für unkritische Aufgaben ausreichend sein aber nicht für staatliche Aufklärung.
    3. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      @Koller: Ich habe die "Vorteile" gelesen. Diese sind gewiss nicht CHF 100'000'000 wert.
      Und dann würde ich mich noch interessieren, was der Schweizer "Geheimdienst" für die Schweiz relevante Schlüsse aus Satellitenbilder z. B. aus der Ukraine etc. ziehen könnte.
    4. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      100 Mio. für 10 Jahre plus Mitwirkungsrecht bei der Programmierung sind nun wirklich kein grosser Betrag. Damit lassen sich die Bedürfnisse im Katastrophenschutz, der int. humanitären Hilfe, der Lagebeurteilung von Krisen etc. besser bedienen. Aktuelle Daten und schneller Zugriff darauf sind wichtig auch im Hinblick darauf, dass sich die Lage schnell ändern kann.
    5. Antwort von Alex Hanselmann  (kinkiri)
      @Michel Koller: Dafür brauchen sie kaum Satelliten mit Video und gefühlter 3cm Auflösung.
    6. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      In der Bildaufklärung sind solch hohe Auflösungen sinnvoll. Man kauft ein Gesamtpaket, wo bspw. auch die Nachtfähigkeit enthalten ist und nicht bloss mit dem Argument der Auflösung.