Zum Inhalt springen

Header

Alte Gotthard-Passstrasse, Tremola genannt, im Morgenrot.
Legende: Mythos Gotthard: Symbol für die Schweizer Unabhängig- und Zusammengehörigkeit. Keystone
Inhalt

2. Gotthard-Röhre Immer wieder der Gotthard

Der Abstimmungskampf für die zweite Gotthardröhre ist eröffnet, am 28. Februar entscheiden die Bürger an der Urne. Es dürfte eine lange und emotionale Debatte werden – ganz ähnlich jener vor rund 20 Jahren: Auch damals, bei der Alpeninitiative, spielte der Mythos Gotthard eine wichtige Rolle.

Nach der Annahme der Alpeninitiative am 20. Februar 1994 liess es sich der Urner Landammann Hansruedi Stalder nicht nehmen, seiner Freude mittels eines Tänzchens zur inoffiziellen Urner Nationalhymne «Zogä am Bogä» Ausdruck zu verleihen. Dem lüpfigen Tanz des Regierungspräsidenten von der CVP war ein monatelanger und gehässiger Abstimmungskampf vorausgegangen.

Ogi im Kampf gegen die Urner

Beide Seiten kämpften mit Schreckensszenarien und Einschüchterungsversuchen. So warnte der damalige Verkehrsminister Adolf Ogi in der Abstimmungssendung «Arena» die Urner und speziell ihrem Wortführer Landammann Stadler ganz direkt. Stadler und sein Kanton übernähmen «eine grosse Verantwortung gegenüber dem Rest der Schweiz», falls die Initiative vom Volk angenommen werde, sagte Ogi.

Umgekehrt malten die Initianten das Schreckensbild einer Verkehrslawine an die Wand, welche die Alpen überrollt. So sprach Andreas Weissen von der Alpeninitiative von einem drohenden Anschwellen der «Transitflut». Schliesslich gebe es gemäss dem gültigen Abkommen mit der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) keinerlei Begrenzung der Anzahl Fahrten von 28-Tonnen-Lastwagen durch die Schweiz.

Drohung aus Deutschland

Der Bundesrat wiederum warnte vor Strafmassnahmen seitens Brüssels: Die Annahme der Initiative hätte «schlimme Folgen für die Schweiz», prophezeite Ogi. Tatsächlich schaltete sich auch das Ausland in den Abstimmungskampf über die Verlagerung der Lastwagen von der Strasse auf die Schiene ein. So drohte die EG der Schweiz mit einem Lastwagenverbot auf europäischen Strassen. «Wir können keinen europäischen Egoismus akzeptieren», warnte der damalige deutsche Verkehrsminister Matthias Wissmann von der CDU.

Im Abstimmungskampf vor 20 Jahren standen auch immer wieder der Gotthard und seine sagenumwobene Geschichte im Mittelpunkt. Die Initianten der Alpeninitiative führten sogar ein Theaterstück in der Schöllenenschlucht auf, in dem sich – angelehnt an die Teufelssage – Luzifer rächt, indem er die Lastwagenlawine losschickt.

Immer wieder der Gotthard

Auch im aktuellen Abstimmungskampf, mehr als 20 Jahre nach der Alpeninitiative, dreht sich alles um das mächtige Alpenmassiv. So steht neben Kostenargumenten und der drohenden Abschottung des Tessins während der Sanierungsarbeiten wieder der mythische Berg im Mittelpunkt.

«Der Gotthard ist ein Symbol unserer Unabhängigkeit», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard zum Auftakt des bundesrätlichen Abstimmungskampfes für eine zweite Gotthard-Strassenröhre. Die Befürworter betonen zudem seine Kraft als Symbol der Zusammengehörigkeit der Eidgenossenschaft.

Und das Böse kommt im aktuellen Abstimmungskampf zur Sanierung des Gotthardtunnels wieder von aussen – einmal mehr in Form von europäischen Lastwagen. In einem Werbefilm gegen die Vorlage betont die Alpeninitiative das «gefährliche und falsche Signal» an die EU, falls eine zweite Röhre gebaut wird. In der EU würde dies so verstanden, dass die Schweiz auf die Strasse setze und es deshalb keinen Grund gebe, den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern.

Wer hat Grund fürs Freudentänzchen?

Für die Befürworter ihrerseits ist gerade der derzeitige Zustand des Gotthardtunnels das Gefährliche. Durch den Gegenverkehr im Tunnel komme es immer wieder zu schlimmen, mitunter tödlichen Unfällen. Nur eine zweite Röhre schaffe hier mehr Sicherheit, betonte Verkehrsministerin Leuthard.

Was ist nun gefährlicher? Der Gegenverkehr für die Verkehrsteilnehmer oder die Lastwagenlawine für die Luft und die heimische Bevölkerung? Der Abstimmungskampf um die zweite Gotthardröhre hat gerade erst begonnen, es werden noch einige hitzige Wortgefechte folgen bis Ende Februar. Völlig offen ist, ob am Abend des Abstimmungssonntags Bundesrätin Leuthard oder doch wieder die Anhänger der Alpeninitiative Grund für ein Freudentänzchen haben werden.

Pragmatischere Töne

Box aufklappen Box zuklappen
Pragmatischere Töne

«Es geht auch um den Zusammenhalt des Landes», sagt die Berner Politikwissenschaftlerin Karin Ingold zum Abstimmungskampf für die zweite Gotthardröhre. Die Hauptrolle spielten aber der Umweltschutz (bei den Gegnern) und die Sicherheit (bei den Befürwortern). Hören Sie das Interview mit Ingold hier.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Berner  (Markus Berner)
    Ein 15km langer Tunnel als Baustellenprovisorium - das wäre sicher Weltrekord - Weltrekord in Schildbürgerei.
  • Kommentar von S. Meier  (SM)
    Ein schönes Foto.
    1. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      Ja das ist es. Aber wenn der Gotthard Tunnel zu geht wird auf dem Foto nur noch endloser Stau zu sehen sein.
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Nun was mich betrifft, so darf der Urner weiter tanzen. Diese Vorlage müssen wir ablehnen. 1994 wurde klar entschieden, daran hält man sich nun. - Jetzt kommen wieder die typischen Angstmacher-Kampagnen und bearbeiten den Stimmbürger, aber da sind diese bei mir schon längst abgeblitzt.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Das Problem ist der Schwerverkehr. Eine Verlagerung auf die Schiene liegt in weiter Ferne. Schuld daran sind die neoliberalen Politiker mit der Lastwagenlobby im Rücken.
    2. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Albert Planta: Wenn jemand daran Schuld ist, so ist das der/die Bürger. Er und sie hat damals bestimmt und gilt es sich nun daran zu halten.