Atomausstiegs-Initiative Angst um Arbeitsplätze? AKW-Standortgemeinden sagen wuchtig Nein

Die Standortgemeinden von Atomkraftwerken haben die Atomausstiegs-Initiative sehr deutlich abgelehnt. Auch andere Gemeinden in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken halten überdurchschnittlich stark an der Atomenergie fest.

Ortsschilder von Leibstadt und Mühleberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die AKW-Standortgemeinden fürchten wohl um Arbeitsplätze und Steuererleichterungen. Keystone

Döttingen (AG) als Standortgemeinde des AKW Beznau lehnte die Initiative mit einem Nein-Stimmenanteil von 82,6 Prozent ab, in Leibstadt (AG) waren sogar 89,7 Prozent dagegen. Der Kanton Aargau selber verwarf die Initiative mit rund 63 Prozent Nein-Stimmen.

Auch die Nachbargemeinden von Döttingen und Leibstadt zeigten sich an der Urne atomkraftfreundlich und schickten die Initiative mit Nein-Stimmenanteilen zwischen 72,6 (Endingen) und 84,6 Prozent (Leuggern) bachab.

Phänomen ist schon bekannt

Die Gemeinde Däniken (SO) als Standortgemeinde des AKW Gösgen erteilte der Ausstiegsinitiative mit 78,2 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr. Umliegende Gemeinden stimmten ebenfalls mit Nein-Stimmenanteilen, die deutlich über dem Solothurner Mittel von 60,5 lagen, gegen die Vorlage.

In Mühleberg (BE), wo das AKW 2019 abgeschaltet wird, betrug der Anteil der Nein-Stimmen 72,6 Prozent. Über dem kantonalen Nein-Stimmenanteil von 56,2 Prozent lagen auch jene in den umliegenden Gemeinden Frauenkappelen (58,9 Prozent), Wileroltigen (73,2) und Radelfingen (59,4).

Dieses Phänomen konnte schon bei früheren Abstimmungen, bei denen es um die Schweizer AKW ging, beobachtet werden. Die Ablehnung von Anti-AKW-Initiativen hat vielfach wirtschaftliche Gründe, sind doch viele Einwohner als Angestellte oder Angehörige von Angestellten mit den Kraftwerken verbunden.

Vertrauen in die AKW-Betreiber

Kommt dazu, dass die Standortgemeinden vom Steuersegen, den ihnen die AKW bescheren, profitieren. Allerdings gab es zuletzt auch Jahre, in denen einzelne AKW keinen Gewinn machten und die Gemeinden leer ausgingen.

Zu den wirtschaftlichen Gründen kommen psychologische. Anwohner leben seit Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft von Kernkraftwerken und haben offenbar Vertrauen in die Betreiber und den Betrieb.