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Grüner Strom «Am Ende zahlt immer der Stromkonsument»

Legende: Audio «Sicher ist: Es wird teurer» abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
1:52 min, aus HeuteMorgen vom 11.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Gesetzespaket mit dem Namen Energiestrategie 2050 reicht nicht, damit die Schweiz den Atomausstieg schafft. Es braucht eine zweite Etappe. Die bisherigen Pläne – Stichwort Lenkungsabgabe – sind im Parlament gescheitert.
  • Jetzt präsentiert das Bundesamt für Energie (BFE) in einem Bericht neue Ideen, woher der Strom nach 2020 kommen soll.
  • Das Ganze könnte die Stromkonsumenten bis zu 1,5 Milliarden Franken pro Jahr kosten.

Die Schweizer Bevölkerung bezahlt jedes Jahr zehn Milliarden Franken für ihren Strom. In etwa drei Jahren könnte das Anzapfen der Steckdose aber bis zu 1,5 Milliarden mehr kosten.

Genug Strom zu jeder Zeit sei halt nicht kostenlos, sagt Beat Goldstein vom Bundesamt für Energie. «Am Schluss wird immer der Stromkonsument dafür bezahlen müssen, um sicherzustellen, dass die Stromproduktion da ist.»

Dass der Konsument für die Finanzierung verantwortilich ist, wird auch in einem neuen Bericht des BFE klar. Darin wird die Frage neu ausgeleuchtet, woher der Strom in Zukunft kommen soll. Grob zusammengefasst, skizziert das Amt drei Dinge, die möglich und machbar wären.

  • Auktionen: Der Staat schreibt eine gewisse Menge Strom aus – Strom aus Sonnenenergie etwa. Wer am günstigsten offeriert, darf liefern.
  • Quoten: Allen Stromlieferanten wird eine fixe Quote vorgegeben, die sie an erneuerbaren Energien liefern müssen.
  • Kapazitätsreserven: Damit es immer genug Strom gibt, müssen die Kraftwerke immer «Strom»-Reserven bereithalten – und bekommen dafür Geld.

Teuer würden wohl vor allem die Quoten – sie könnten die Konsumenten bis zu 1,5 Milliarden Franken jährlich kosten. Billiger dürften Stromauktionen sein, auch sie haben aber eine Schattenseite. «Sie bedeuten einen gewissen Aufwand», so Beat Goldstein vom BFE. Teure Bürokratie also.

Symbolbild: Zerveilasee bei Vals im Kanton Graubünden.
Legende: Das Parlament entscheidet, wie viel Geld es in Zukunft für die Betreiber von Stauseen gibt. Keystone

Die dritte Idee: Damit es jederzeit genug Strom gibt, müssten Kraftwerke «Strom»-Reserven bilden. Auch das würden sich die Stromkonzerne natürlich bezahlen lassen. «Die bekommen dann Geld dafür, um bereit zu sein, falls notwendig eine Leistung zu erbringen», sagt Goldstein.

Der Atomausstieg sei vollständig zu schaffen, wenn man diese und weitere Ideen klug kombiniere. Wie genau, muss nun die Politik entscheiden. Die Diskussion in der Parlamentskommission hat in diesen Tagen begonnen – vor allem auch darüber, wie viel die Stromkonsumenten bezahlen sollen.

40 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Was gibt es noch zu diskutieren, welche Stromgewinnungsart zukünftig nur noch produziert werden "darf"? Wo doch eines seit Jahrzehnten klar ist: Atomstrom ist für die gesamte Welt "tod-sicher" und die weltweite Radioaktivität enorm anstieg und weiter ansteigt, Natur, Tier und damit auch die Menschen zusätzlich als letztem Glied in der Nahrungskette gesundheitlich schädigt (Krebs ud Co) und zerstört....(Würde man die Radioaktivität in Farbe erkennen, würde die Menschheit endlich erwachen......)!
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  • Kommentar von gabi bossert (goba)
    Teurer heisst eigentlich, < realere > Preissteigerung. Das die AKW Rechnung unter dem Strich nie wirklich stimmen konnte wusste eigentlich Jeder, aber bequem und angenehm war' s eben schon. Steigen wir um in eine sinnvolle erneuerbare Energiewende, dann werden wir natürlich unsere Vergangenheitsschulden nicht so schnell los. Die günstige atomare Stromversorgung wird noch weitere Generationen sehr viel kosten, nebst den Gefahren, die gerne bagatellisiert werden.
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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    15% Preiserhöhung ist eigentlich wenig und ohne weiters verkraftbar. 15% lassen sich auch ohne weiteres einsparen durch Effizienzverbesserungen. Eigentlich ist das eine sehr gute Nachricht und die Überschrift müsste heissen "Kaum Preiserhöhungen wegen grünem Strom".
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