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Präimplantationsdiagnostik Ständerat gibt Widerstand gegen Chromosomen-Tests auf

Künstlich erzeugte Embryos sollen auf bestimmte Krankheiten wie Trisomie 21 untersucht werden dürfen, bevor sie eingepflanzt werden. Das entschied der Nationalrat im Juni. Der Ständerat war bisher dagegen, beugte sich nun aber noch einmal über das Geschäft – und schwenkte wider Erwarten ein.

Laborantin mit Haube und Munschutz hält ein Röhrchen mit rosa Flüssigkeit in die Kamera.
Legende: Die Untersuchung des ungeborenen Kindes im Mutterleib ist in der Schweiz bereits heute erlaubt. Keystone

Darf ein in vitro gezeugter Embryo untersucht werden, bevor er in den Mutterleib eingepflanzt wird? Mit dieser heiklen Frage beschäftigte sich zu Beginn der Herbstsession der Ständerat. Und er hat mit 27 zu 18 Stimmen überraschend entschieden: Ja, solche Tests dürfen gemacht werden. Und zwar im grossen Stil.

Legende: Video Anita Fetz (SP/BS): «Schwangerschaft auf Probe» abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.09.2014.

Der Tourismus zwecks Präimplantationsdiagnostik (PID) war nur eines der Argumente dafür. Denn heute weichen viele Paare für künstliche Befruchtungen zum Beispiel in belgische oder britische Kliniken aus, wo solche Untersuchungen erlaubt sind.

Auch medizinische Gründe sprechen laut der Mehrheit der Ratsmitglieder für das Zulassen des so genannten Aneuploidie-Screenings. Dabei werden Embryos vor der Einpflanzung darauf untersucht, ob zusätzliche Chromosomen vorhanden sind oder welche fehlen. Nach Ansicht der Befürworter könnten viele Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden, wenn der Embryo schon vor der Einpflanzung untersucht würde.

Weniger enge Grenzen als der Bundesrat

Vor einem halben Jahr noch hatte der Ständerat viel restriktiver entschieden. Die genetische Untersuchung von Embryos im Rahmen der künstlichen Befruchtung und die Auswahl eines gesunden Embryos sollte nur erblich vorbelasteten Paaren erlaubt werden, entschied er damals. So wollte es auch der Bundesrat.

Dies mitunter, um der Auswahl bestimmter Eigenschaften beim Kind keinen Vorschub zu leisten. Der Nationalrat hatte sich in der Sommersession ebenfalls grundsätzlich für die PID ausgesprochen, ist aber bei der Liberalisierung deutlich weiter gegangen als der Bundesrat. Der Ständerat ist ihm nun weitgehend gefolgt.

Inkohärenz: Tests im Mutterleib sind erlaubt

Am Fötus im Mutterleib sind heute im Rahmen der Pränataldiagnostik weitergehende Untersuchungen erlaubt, als dies nun für die Untersuchungen am Embryo vorgesehen ist. Tauchen bei Untersuchungen während der Schwangerschaft Probleme mit dem Ungeborenen auf, können sich die betroffenen Eltern eine Abtreibung überlegen.

Legende: Video Ivo Bischofberger (CVP/AI): Welches Leben ist lebenswert? abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.09.2014.

Dass bei der PID weniger Tests möglich sein sollen, begründete Bundesrat Alain Berset damit, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für eine weitere Ausdehnung nicht gegeben sei. Eine Selektion der Embryonen vor der Einpflanzung sei heikel.

Schon heute sei der Anspruch auf ein gesundes Kind verbreitet. Die Rede war auch von «Nachwuchsoptimierung» und der Diskriminierung Behinderter und ihrer Eltern, wenn sich ein behindertes Kind mit einem einfachen Test «vermeiden» lasse.

Trisomie-21-Test bei künstlichen Befruchtungen

Der Ständerat ist nun von seiner restriktiveren Linie abgewichen. Eine Minderheit wollte wie der Bundesrat zwar dabei bleiben, dass nur jene Paare auf diese Tests zurückgreifen dürfen, bei welchen eine Veranlagung für schwere Erbkrankheiten bekannt ist.

Statt rund 6000 wären das nur 50 bis 100 Fälle pro Jahr gewesen. Eine Mehrheit beschloss nun aber, dass alle Paare, die die Voraussetzungen für eine künstliche Befruchtung erfüllen, Aneuploidie-Screenings durchführen lassen dürfen.

Die Befürworter verwiesen unter anderem auf die Empfehlung der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin. Diese hatte solche Screenings gutgeheissen. Vor allem aber schien es ihnen paradox, ein Embryo in die Gebärmutter einzupflanzen, um es dann später wegen einer Chromosomenstörung abzutreiben.

Bessere Chancen auf ein Kind durch Zwölfer-Regel

Mit dem heute geltenden Fortpflanzungsmedizingesetz dürfen bei einer künstlichen Befruchtung maximal drei Embryonen pro Zyklus in vitro entwickelt werden. Neu sollen bei PID-Verfahren nicht nur drei, sondern maximal zwölf Embryonen entwickelt werden dürfen. Der Nationalrat hingegen beschloss, überhaupt keine Zahl festzuschreiben.

Künftig soll es zudem erlaubt sein, Embryonen zu Fortpflanzungszwecken zur Aufbewahrung einzufrieren. Die beiden letztgenannten Neuerungen – die Möglichkeit, Embryonen aufzubewahren sowie die Zwölfer-Regel bei der PID – erfordern eine Änderung der Bundesverfassung über Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich. Es wird also auch eine Volksabstimmung nötig sein, damit die Änderungen in Kraft treten können. Die Vorlage geht nun wieder an den Nationalrat.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von C. Häner, Basel
    Solche Kommentare können nur solche abgeben, welche nicht davon betroffen sind. Eine künstliche Befruchtung ist ein langer und sehr beschwerlicher Weg und zudem mit enormen Kosten verbunden. Die PID erhöht die Schwangerschaftsrate und das einfrieren von Embryos vermindert Mehrlingsschwangerschaften. Wir haben es 4x durchgemacht und sind nun stolze Eltern von unserem absoluten Wunschkind. Es war ein langer Weg...
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  • Kommentar von Peter S., Bern
    Bedenklich...wo bleibt die Ethik? Selbstverwirklichung über Ethik/Moral zu stellen, dürfte so etwas wie der Anfang vom Ende sein. Finde ich verwerflich und widerlich. Es sollte überhaupt rein gar nichts "in vitro" o.ä. gemacht werden dürfen, so erübrigen sich auch gleich sämtliche Folgefragen. Hat man aus der Natur noch zu wenig gelernt? z.B. die Folgen von Gen-Mais sind verheerend, aber werden weitgehend tot geschwiegen. Was wird hier alles tot geschwiegen oder nicht beachtet?
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    1. Antwort von Maria Keller, Schwammendingen
      Ethik ist kein absolutes Mass, es gibt keinen Ethik-o-Meter, sondern sie ist subjektiv empfunden. Desweiteren ist noch lange nicht alles was unethisch ist, auch verboten.
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    2. Antwort von Fanny Adams, Winterthur
      Was sind denn die Folgen von "Gen-Mais"? Insbesondere auch, wie sieht Mais ohne Gene aus?
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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    Herr Escher, mit in vitro gezeugtem Embryo wird der Arzt bereits zum Schöpfer. Die Natur soll's richten ohne menschlichen Eingriff. Die Seele wählt den Körper zu ihrer Weiterentwicklung, nicht Mann/Frau.
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