Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Wird die Schweiz zur Betonwüste? abspielen. Laufzeit 09:28 Minuten.
Aus Rundschau vom 23.01.2019.
Inhalt

Kampf um Boden Kantone horten zu viel Bauland

Viele Kantone haben sich zu viel Bauland für die Zukunft gesichert. Eine Umfrage der Rundschau zeigt: Sie verlieren wegen des aktuellen Raumplanungsgesetzes mindestens 2000 Hektar Bauland.

Viele Kantone haben in der Vergangenheit zu viel Bauland eingezont. Die Folge: es wird jetzt zurückgezont. Dies zeigt eine Umfrage der «Rundschau» bei den kantonalen Raumplanern.

Schweizweit planen die Kantone infolge des Raumplanungsgesetzes RPG mindestens 2000 Hektar Bauland wieder zu Landwirtschaftsland zu machen. Diese Fläche entspricht der Hälfte des Zugersees.

Spitzenreiter ist der Kanton Wallis mit 1000 Hektar zu viel eingezontem Bauland. Es folgen Waadt mit 400 Hektar und Jura mit 200 bis 250 Hektar. Die Kantone haben bis 1. Mai Zeit, ihre revidierten Richtpläne beim Bund einzureichen.

Das Raumplanungsgesetz (RPG) schreibt den Kantonen vor, dass sie nur Baulandreserven für den Bedarf der nächsten 15 Jahre haben dürfen. Zu grosse Bauzonen müssen verkleinert werden.

So wird die Schweiz zersiedelt

So wird die Schweiz zersiedelt

Wie hat sich Ihre Gemeinde seit 1980 verändert? Eine interaktive Reise durch die «Hüsli-Schweiz»

«Es reicht nicht»

Die Jungen Grünen, die zurzeit an vorderster Front mit der Zersiedelungs-Initiative gegen die Verbauung kämpfen, begrüssen die Rückzonungen. Damit würden zwar einige Fehler der Vergangenheit korrigiert, sagt Maja Haus, Co-Präsidentin der Jungen Grünen gegenüber der Rundschau.

Trotzdem fordern die Jungen Grünen weitere Massnahmen gegen die Zersiedelung.

In der Schweiz wird täglich eine Fläche von acht Fussballfeldern überbaut.
Autor: Maja HausCo-Präsidentin der Jungen Grünen

Die Initiative sei wegen des RPG nicht überflüssig, sondern eine notwendige Ergänzung, um die Zersiedelung wirksam zu stoppen. «Das RPG setzt keine Obergrenze. Man zont für den Bedarf der nächsten 15 Jahre ein. Und wenn ein Teil dieses Landes überbaut ist, ist neuer Bedarf da – und man darf wieder neu einzonen. Das Gesetz kann die Zersiedelung also nicht wirksam bremsen.»

Abstimmung am 10. Februar

«In der Schweiz wird täglich eine Fläche von acht Fussballfeldern überbaut. Das zerschneidet oder zerstört schöne Landschaften und wertvolles Kulturland», so Maja Haus.

Neue Bauzonen sollen laut der Initiative nur noch geschaffen werden dürfen, wenn an einem anderen Ort eine gleich grosse Fläche ausgezont wird – also unverbaut bleibt. Zugleich sollen fürs Bauen ausserhalb der Bauzonen strengere Regeln gelten.

«Falscher Zeitpunkt»

Die Jungen Grünen halten an neuen Massnahmen fest, obwohl die Umsetzung des RPG erst angelaufen ist. Das stösst auf Kritik.

Die Zersiedelungs-Initiative komme zum falschen Zeitpunkt, sagt Lukas Bühlmann, Direktor von Espace Suisse, dem Schweizer Verband für Raumplanung und Umweltfragen. «Es ist schon viel gelaufen, die Kantone haben mit Hochdruck gearbeitet. Klar, es gibt Vollzugsdefizite – aber die Umsetzung des RPG läuft.»

Fläche von über 16 Fussballfeldern auszonen

Viele Gemeinden ringen zurzeit mit den Vorgaben des RPG. Vitznau am Vierwaldstättersee etwa muss auf Geheiss des Kantons über 12 Hektar auszonen – eine Fläche von mehr als 16 Fussballfeldern.

«Das ist eine höchst emotionale Angelegenheit. Bei Auszonungen geht es um den Verlust von Eigentum», sagt der parteilose Gemeindepräsident Herbert Imbach. Man akzeptiere die Auflagen des Kantons – die Gemeinde brauche aber auch Möglichkeiten, sich sinnvoll weiterzuentwickeln.

Legende: Video Herbert Imbach: «Auszonungen sind immer emotional» abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.01.2019.

Die Zersiedelungs-Initiative würde mit vagen Vorgaben neue Unsicherheit schaffen, so Gemeindepräsident Imbach.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Die Haltung des Gemeindepräsidenten von Vitznau am Vierwaldstättersee ist sehr kurzfristig. Vitznau hat das Glück, an einem der berühmtesten Aussichtsberge Europas mit einer für Touristen faszinierenden Zahnradbahn zu sein. Ich glaube nicht, dass die Touristen bis zum Rigi Kulm durch Einfamilienhaussiedlungen tuckern wollen. Da wir ja offenbar Arbeitskräftemangel haben, wäre der nächsten Generation besser gedient, wenn wir ihr nicht die letzten Quadratmeter für Arbeitsplätze zubetonieren würden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Die Kantone führen die Bevölkerung an der Nase herum. Wie lange geht es wohl noch bis der letzte Bewohner merkt was da alles schief läuft? " Für Geld tun wir alles." so heisst das Motto der Regierungen (Wirtschaft inbegriffen)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Wenn wir unser Kulturland –insbesondere im Mittelland - erhalten wollen, sind wir darauf angewiesen, bei wachsender Bev.- und Arbeitsplätzen und zunehmendem Wohnflächenanspruch, die Besiedlung zu verdichten. Es ist der Preis für jahrzehntelanges Laissez-faire bei der Zuwanderungspolitik.

    Was tun, wenn man weder Zersiedelung noch Verdichtung will? Sich gegen Einzonungen und übermässige Verdichtung auf allen Staatsebenen wehren, masslose Zuwanderung bekämpfen und Flächenverbrauch besteuern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen