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Adoptionen aus Sri Lanka: Betroffene erhalten Unterstützung
Aus Rendez-vous vom 14.12.2020.
abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
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Adoptionen aus Sri Lanka Bundesrat bedauert Behördenfehler bei sri-lankischen Babys

Leid durch Schweizer Ämter: Die Justizministerin will Opfern illegaler Adoptionen bei der Suche nach den Eltern helfen.

Um die 700 Schweizer Ehepaare adoptierten in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Baby aus Sri Lanka.

Sie wurden teils mit gefälschten Papieren oder unvollständigen Dokumenten zur Adoption freigegeben, aus Heimen und Spitälern gestohlen oder sogar auf einer «Baby-Farm» extra für die Eltern aus Europa gezeugt. Spätestens Ende 1981 waren die Behörden von Bund und Kantonen im Bild, stoppten aber die Adoptionsvorgänge nicht.

Leid kann nicht rückgängig gemacht werden

Justizministerin Karin Keller-Sutter sagte dazu heute vor den Medien: «Das sind klare und aus heutiger Sicht unverständliche Versäumnisse und Verfehlungen der eidgenössischen und der kantonalen Behörden. Der Bundesrat anerkennt, dass diese Versäumnisse und Verfehlungen bei den Betroffenen viel Leid verursacht haben, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.»

Das sind klare und aus heutiger Sicht unverständliche Versäumnisse und Verfehlungen der eidgenössischen und der kantonalen Behörden.
Autor: Karin Keller-SutterJustizministerin

Bedauern im Namen des Bundesrats

Sie habe letzte Woche zwei betroffene Frauen getroffen und gehört, wie wichtig es für diese wäre, die leibliche Mutter zu kennen und welches Leid sie und all die anderen Adoptierten auf diesem Weg erfahren hätten: «Dafür spreche ich den Betroffenen und ihren Familien heute im Namen des Bundesrates ausdrücklich unser Bedauern aus.»

Es bleibt aber nicht nur dabei: Betroffene sollen bei der Suche ihrer leiblichen Eltern unterstützt werden. Bereits hatte die kantonale Konferenz der Justizdirektorinnen und -direktoren ihre Mitglieder aufgerufen, für die Herausgabe von Adoptionsdokumenten keine Gebühren zu verlangen.

Keller-Sutter spricht Adoptionen aus Indien an

Der Bundesrat will internationale Adoptionen weiter aufarbeiten. So wurden laut Bundesrätin Keller-Sutter dreimal mehr Kinder aus Indien adoptiert als aus Sri Lanka. Eine Expertengruppe soll zudem die heutige Adoptionspraxis umfassend analysieren – und wenn nötig – auch Gesetzesänderungen vorschlagen, so Keller Sutter: «Es geht darum, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. In Zukunft muss immer das Wohl des Kindes im Zentrum einer internationalen Adoption stehen.»

Ein «erster Meilenstein»

Sehr zufrieden damit ist Sarah Ramani Ineichen. Sie ist Gründerin und Präsidentin des Vereins «Back to the roots», der diesen Stein ins Rollen gebracht hatte: «Für uns ist es ein sehr grosser und wichtiger Tag, ein erster Meilenstein. Es bedeutet uns viel, dass die Schweiz als erstes Land das geschehene Unrecht gegenüber uns adoptierten Personen und unseren Familien aus Sri Lanka anerkennt.»

Es bedeutet uns viel, dass die Schweiz als erstes Land das geschehene Unrecht gegenüber uns adoptierten Personen und unseren Familien aus Sri Lanka anerkennt.
Autor: Sarah Ramani IneichenGründerin und Präsidentin des Vereins «Back to the roots»

Ramani Ineichen hofft, dass nun auch andere Länder nachziehen und ihre Adoptionen aufarbeiten. Denn nicht nur Schweizer Eltern erhielten Babys aus Sri Lanka. Das Geschäft mit dem Kinderwunsch war ein internationales.

Rendez-vous, 14.12.2020, 12:30 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Georg Walter  (Wort)
    Frau Keller-Sutter habe "gehört, wie wichtig es für diese wäre, die leibliche Mutter zu kennen und welches Leid sie und all die anderen Adoptierten auf diesem Weg erfahren hätten". Das betrifft Adoption aus dem Ausland vor 30-40 Jahren. Mir kommt das schwule Vorzeigepaar aus der Schweiz in den Sinn, das ein Leihmutter-Kind aus den USA heimbrachte. Die Medien waren voll Lob. Muss vielleicht auch eine Bundesrätin in 30 Jahren Bedauern äussern?
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  • Kommentar von Luis Frei  (LFrei)
    Obwohl diese Realität in der Adoption so offensichtlich war, wurde die Problematik nie gründlich behandelt. Viel verheerender ist die Realität mit Flüchtlingen aller Altersklassen, die in die Schweiz eingeschleppt werden, dabei spielen Bundesbehörden eine zentrale Rolle und nehmen unter dem Siegel "humanitär" an dieser ungesetzlichen Migration oder Menschenschlepperei teil. Unsere Gemeinde machte da mit und baute eine sehr teure, grosse Baracke um die eingeschleppten Menschen zu verwalten.
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  • Kommentar von Patrik Christmann  (Politik für die Schweizer)
    Es wurden ausländische Kinder entführt und illegal in die Schweiz gebracht. Meine Erwartung wäre, dass die Täter (Adoptiveltern und Helfer und Helfershelfer) strafrechtlich verfolgt werden. Zusätzlich ist auf dem zivilrechtlichen Weg zu prüfen, ob der Schweiz ein finanzieller Schaden durch die illegale Migration entstanden ist und dieser durch die Täter erstattet werden muss. Wer illegale Migration betreibt, soll für die Kosten aufkommen und nicht der Steuerzahler.
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