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Affäre Maudet Der Sheriff und die Räuber

Eine Festnahme wirft ein neues Licht auf die Affäre Maudet: Floss Geld aus der Unterwelt in die Kampagnen des «Sheriffs von Genf»?

Seinen vierzigsten Geburtstag liess sich Pierre Maudet grösstenteils von Freunden offerieren. Ihre Bar, in der gefeiert wurde, heisst Escobar – wie der Drogenboss. Die Betreibergesellschaft nennt sich Medellin – wie das Drogenkartell. Bisher hielt man die Namen für einen Scherz. Doch Recherchen der Rundschau zeigen: Inzwischen sitzt einer der beiden Barbetreiber, ein dreissigjähriger Geschäftsmann, im Gefängnis – und die Vorwürfe wiegen schwer.

Ermittlung wegen Beteiligung an Raub

Laut Staatsanwaltschaft soll er an einem der grössten Raubüberfälle der letzten Jahre beteiligt gewesen sein. Beim Überfall auf einen Geldtransporter in Chavornay (VD) wurden im Februar 2018 zwischen 10 und 20 Millionen Franken erbeutet. Die Rundschau hat in Frankreich einen Insider gefunden, der die Unterwelt und auch den Beschuldigten kennt. Er sagt über den Barbetreiber: «Er hat gute Kontakte zur Crème der lokalen Banditen und in der Region Lyon.» Der Mann verfüge über exzellente Informationen für grosse Raubüberfälle auf Wechselstuben, Banken und Geldtransporter aber auch über Private mit viel Bargeld. Diese Informationen habe er an die Banden weitergegeben. Dafür habe er seinen Teil der Beute erhalten.

Letzten Herbst erzählte der Barbetreiber gegenüber der Rundschau, dass er Pierre Maudet und dessen Politik unterstützt habe: Mit Geschenken und Spenden. Zu den Motiven für die Spenden erklärte er freimütig: «Der Sinn war, dass das helfen würde, wenn man morgen einen Service oder etwas von Maudet braucht.» In seiner Strafanzeige belastete er sich letztes Jahr selbst, indem er gestand, dass er Maudet 5000 Franken hatte zukommen lassen, via eine Firma des zweiten Barbetreibers.

Pierre Maudet an einer Party umgeben von edel gekleideten Personen.
Legende: Das Feiern dürfte ihnen vergangen sein: Pierre Maudet und der Barbetreiber Antoine Daher (links), der viel Geld in Maudets Wahlkampf investiert und seine Reise nach Abu Dhabi organisiert hat. Facebook

Bei diesem zweiten Barbetreiber handelt es sich um Antoine Daher, jenen Geschäftsmann mit libanesischen Wurzeln, der für Pierre Maudet die Luxusreise nach Abu Dhabi organisiert hatte und der zum Kampagnenauftakt von Maudet für eine Wählerbefragung mindestens 29'000 Franken auftrieb – darunter möglicherweise auch Geld eines Verbrechers, wie sich jetzt zeigt. Die Rundschau konnte die wesentlichen Geldflüsse, die der Barbetreiber schilderte, aus anderer Quelle rekonstruieren.

Pierre Maudet dementiert

Pierre Maudet bestreitet, dass er den Barbetreiber vor dem Strafverfahren kannte und schreibt als Antwort, der Mann habe bei der Anhörung durch die Genfer Staatsanwaltschaft zugegeben, falsche Angaben gemacht zu haben. «Manche seiner Angaben sind schlicht falsch und andere unglaubwürdig.» Belege für diese Aussagen blieb Maudet schuldig. Für Pierre Maudet und den Barbetreiber gilt die Unschuldsvermutung, die laufenden Strafverfahren haben noch zu keiner Anklageerhebung geführt.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Klingt nach einer guten Vorlage für eine mittelmässige Ganoven-Serie des RTS oder SRF. Ansonsten: Tja, Genf halt. Die Leute haben es in der Hand, was für eine Regierung sie sich, dem Kanton und der Restschweiz zumuten wollen. Gut ist jetzt eine Gesetztesrevision im Gange, die sich genau den Politikern annimmt, welche offenbar jedes Scham- und Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Amt und dessen Würde verloren haben, und nicht freiwillig zurücktreten wollen. Diese Lücke wird jetzt geschlossen.
  • Kommentar von Ruedi Hammer  (Ruedi Hammer)
    Ausser der gesetzestreue Bürger, muss sich nun wirklich niemand vor unserer Justiz fürchten! Das Kantonsgericht Basel-Landschaft beschäftigt nur schon für die rechtliche Würdigung eines Videobeweises (Kickboxer) einen von zwei Präsidenten während 15 Monaten zu rund 30 Prozent!
  • Kommentar von David Rothen  (EinGrünerundmehr)
    Ahhh die FDP!
    1. Antwort von Adrian Flükiger  (Ädu)
      @Rothen: Genau, am 20. Oktober unbedingt daran denken, diese verfilzte Partei kollektiv abzustrafen!