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Gemeinden wie Pratteln werden urbaner, neue Bedürfnisse entstehen
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 12.07.2021.
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Agglomerationen im Wandel Mit jungen Familien und Studis werden auch Agglos rot-grün

Stadtnahe Agglo-Gemeinden sind zuletzt stark gewachsen – damit änderten sich auch politische Einstellungen. So auch in Pratteln im Kanton Baselland.

Jahrelang wurde Pratteln bürgerlich regiert. Doch seit den letzten Wahlen ist das vorbei. Sowohl der Gemeinde- als auch der Einwohnerrat haben jetzt eine rot-grüne Mehrheit. Das hat viel mit der Entwicklung von Pratteln zu tun, es widerspiegelt aber auch einen nationalen Trend, wie Politgeograf Michael Hermann erklärt: «Wir beobachten das vor allem in der Deutschschweiz, insbesondere rund um die grossen Städte.»

Das war nicht immer so. In den Nuller- und Zehnerjahren tickte die Agglomeration konservativ. 2014 zum Beispiel sagte die Agglo Ja zur Masseneinwanderungsinitiative der SVP. «Das war eine Art Abwehrreaktion», sagt Hermann, eine Reaktion auf die zunehmende Verstädterung der Agglomeration.

Michael Hermann

Michael Hermann

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Michael Hermann ist Geograf und Politikwissenschaftler. Er ist Leiter der Forschungsstelle Sotomo und lehrt am Geografischen und am Politikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich.

In den letzten Jahren aber habe der Trend gedreht. Vor allem in stadtnahen Agglomerationsgemeinden der Deutschschweiz würden jetzt die Mehrheiten kippen. Zum Beispiel in Muri bei Bern oder eben in Pratteln bei Basel.

Wir beobachten das vor allem in der Deutschschweiz, insbesondere rund um die grossen Städte.
Autor: Michael Herrmann Politgeograf

Grund dafür sei unter anderem, dass die Menschen vermehrt auch urbane Bedürfnisse hätten. Veränderungen, die sich auch in Pratteln zeigen.

Legende: Pratteln wächst – darüber freut sich Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP). SRF/Georg Halter

Niedrige Steuern seien zum Beispiel für junge Familien weniger wichtig als ein attraktiver öffentlicher Raum, mehr Ökologie oder Investitionen in Tagesstrukturen. Anliegen, die stärker von Rot-grün vertreten werden als von den bürgerlichen Parteien.

Drei Tower in Downtown Pratteln

Doch in Pratteln gibt es noch einen weiteren Grund für den politischen Machtwechsel. Und dieser hat mit der Entwicklung der Gemeinde zu tun in den letzten Jahren. Die Gemeinde verändert sich rasant. Sichtbare Zeugen der Veränderung und des Wachstums sind mehrere Hochhäuser. Sie heissen Ceres Tower, Aquila Tower oder Helvetia Tower.

Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) ist stolz darauf und sagt, Pratteln sei auf ein gewisses Wachstum angewiesen, um die Finanzen in den Griff zu kriegen: «Wir haben drei Möglichkeiten: Wir erhöhen die Steuern, wir sparen oder wir wachsen.»

Allerdings sind nicht alle im Dorf mit dem Wachstum einverstanden. In Pratteln macht sich eine zunehmende Wachstumsskepsis bemerkbar. An vorderster Front ist dabei die ehemalige parteilose Gemeinderätin Denise Stöckli. Mit der Aktionsgruppe «Aapacke» hat sie eben erst mitgeholfen, die Verlängerung der Tramlinie nach Salina Raurica zu bodigen.

In diesem Entwicklungsgebiet am Rand von Pratteln plant die Gemeinde ein neues Quartier für 2500 Menschen. Für die Kritiker um Denise Stöckli ist das zu viel Wachstum am falschen Ort.

Legende: Denise Stöckli kämpft für den Erhalt der Naturflächen in Pratteln. SRF/Georg Halter

Sie hofft, dass das Gebiet nach dem Nein zum Tram grün bleibt und, dass sich die Gemeinde auf andere Werte besinnt: «Pratteln ist kein Bauerndorf mehr, das ist richtig so. Aber auch Wachstum hat ein Ende. Man sieht das auch in der Natur. Kein Baum wächst in den Himmel.»

Wegen hoher Mieten: Auch Studis ziehen in Agglo

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Zur Wachstumsskepsis und dem nationalen Trend in der Agglomeration in Richtung Rot-grün, dürfte auch noch eine Rolle spielen, dass Menschen aus den Städten mit ihren hohen Mieten in die Agglomeration ziehen und ihr urbanes Denken mitnehmen.

Auch dieses Phänomen beobachtet Pratteln. Allein in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Studierenden in Pratteln verdreifacht.

Denise Stöckli ist nicht allein mit ihrer Meinung. Wer sich im Dorf umhört, trifft auf viele Menschen, denen es zu schnell geht mit der Entwicklung von Pratteln. Denn neben Salina Raurica gibt es gleich mehrere ehemalige Industrieareale, welche in den nächsten Jahren umgenutzt werden sollen. Gemeindepräsident Stephan Burgunder hört diese kritischen Stimmen auch. Er verspricht darum, diese Stimmen ernst zu nehmen und den Leuten noch besser zu erklären, was wann geplant ist.

Regionaljournal Basel, 30.07.2021, 17:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Degen  (Haudegen)
    Pratteln war bereits vor 50 Jahren kein Bauerndorf mehr. Damals war es eine Industriegemeinde (Buss, STIA, Schindler, Firestone, Rohner....). Nach dem Niedergang der Industrie hat sich aus Pratteln eine Dienstleistungsgemeinde entwickelt.
  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Eigentlich müsste sich der FDP Gemeindepräsi nicht freuen. Denn seine Abwahl ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Tendenz rot grün zeigt. Viele Gemeinde freuen sich des Wachstums, natürlich den Einnahmen wegen. Doch es hat leider viele Nachteile, das Rot Grün etwas nachdenklicher machen sollte, als nur politische Interessen.
    1. Antwort von Nora Zollberger  (norzo)
      @Caroselli 5:58: Ich kenne Pratteln nicht. Aber ein guter Gemeindepräsi freut sich, wenn es den Menschen in der Gemeinde gut geht. Wenn seine Exekutivpolitik im Sinne der Bevölkerung dazu beiträgt, wird er wiedergewählt. Hingegen wenn seine Politik den Bedürfnissen der Bevölkerung widerspricht, dann findet die Gemeinde jemand anderen. So ist Demokratie gemeint. "Nicht freuen" ist dann angesagt, wenn die Anliegen der Bevölkerung ignoriert werden, ohne dass sie das korrigieren kann.
  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    "Wir erhöhen die Steuern, wir sparen oder wir wachsen."
    "In diesem Entwicklungsgebiet am Rand von Pratteln plant die Gemeinde ein neues Quartier für 2500 Menschen."
    Doch, ich bin tief beeindruckt wie rot- grün diese Agglo wird....
    1. Antwort von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
      das ist ganz klar, herr strub. rot/grün nimmt immer "van den andern."
    2. Antwort von Nora Zollberger  (norzo)
      @Rittermann 8:12: Ach so, d.h. die Banken, die Rohstoff-Konzerne, die globalen Textil- und Lebensmittel-Industrien, Chemie-Multis, Waffen- und Kriegsindustrie... alles rot-grün?