Zum Inhalt springen

Header

Video
Warum verschwinden Akten beim Bundesarchiv?
Aus 10vor10 vom 18.02.2020.
abspielen
Inhalt

Akten im Bundesarchiv Heikle Dokumente verschwinden besonders häufig

In der riesigen Fülle an Dokumenten im Bundesarchiv fehlt von derzeit 72 Dossiers jede Spur.

Ein Dossier aus dem Bundesarchiv mit dem Namen «Crypto AG» war bis heute unauffindbar gewesen. Jetzt ist es im Bundesarchiv wieder aufgetaucht. Das dünne Dossier wurde bei der Rückgabe falsch eingeordnet. Bei der Menge an Dokumenten, die aneinandergereiht 60 Kilometer Länge erreichen, kann dies bedeuten, dass einzelne Unterlagen kaum oder nur durch Zufall wiedergefunden werden.

Doch noch immer fehlen 72 andere Dossiers. Simon Meyer, Sprecher des Bundesarchivs, bestätigt diese Zahl, stellt sie aber in Relation mit rund fünf Millionen archivierten Dossiers. Eine Liste mit den fehlenden Dokumenten hat die «Rundschau» im Zuge der Recherchen um die Crypto AG erhalten.

Bei den unauffindbaren Dokumente handelt es sich um verschiedenste Verwaltungsunterlagen. Es fehlen aber auch einige heikle Dossiers zu Terrorismus, Linksextremismus oder den Nachrichtendiensten.

Bundesarchiv als sicherer Hort

«Es gibt zwar eine riesige Menge Akten, die nach wie vor im Bundesarchiv liegen. Dass aber gerade essenzielle Bundesordner fehlen, ist in diesem Bereich kein Zufall», meint Jakob Tanner, emeritierter Professor für Geschichte.

Mit «diesem Bereich» meint der Historiker Staatsschutz, Bundespolizei und Geheimdienste. «Die Schweiz ist da im Spannungsfeld von grossen Mächten eingebunden», sagt Tanner. Das neutrale Selbstbild der Schweiz befinde sich nicht selten im Konflikt dazu.

Video
Jakob Tanner: «Trotz funktionierendem Archivwesen fehlen in gewissen Bereichen immer wieder Akten.»
Aus News-Clip vom 18.02.2020.
abspielen

Darum sei die Versuchung gross, brisante Informationen zurückzuhalten. Die Bundesverwaltung würde dabei bereits archivierte Dossiers ausleihen und bei sich zurückhalten. Dort sind sie «geschützt» und Historikerinnen und Medienschaffende können diese Akten nicht mehr im Bundesarchiv einsehen.

Dokumente wurden auch schon vernichtet

In Extremfällen werden Akten vor ihrer Archivierung sogar physisch vernichtet. So geschehen Ende der 1990er Jahre, als der ehemalige Nachrichtendienstchef Peter Regli Akten vernichten liess, welche die militärische und nachrichtendienstliche Kooperation zwischen der Schweiz und dem Apartheit-Regime in Südafrika belegten.

«Die Dokumente sind jetzt einfach nicht mehr hier», sagt Tanner nicht ohne Reue. Diese Dokumente hätten dem Bundesarchiv übergeben werden sollen.

In einem anderen Fall wollte der Bundesrat das Fichen-Archiv vernichten, doch durch die Intervention des Bundesarchivars konnte das verhindert werden.

Strafrechtlichen Vergehen?

Der Basler Antikorruptionsexperte und Strafrechtler Mark Pieth erklärt, dass beim Verschwindenlassen von Akten verschiedene Vergehen infrage kommen. Dazu gehörten Verstösse gegen das Archivierungsgesetz, aber auch Amtsmissbrauch, Urkundenunterdrückung, Decken von Spionage oder Begünstigung. Das sind alles strafrechtlich relevante Vergehen.

Nichtsdestotrotz: «Wir haben ein funktionierendes Archivwesen in der Schweiz», schätzt Tanner. Dass aber regelmässig Akten verschwinden, bringe die Forschungsfreiheit in Gefahr. Dem könnte dadurch entgegengewirkt werden, dass die Akten nur im Bundesarchiv einsehbar wären. Die ordentliche Schutzfrist für Unterlagen im Bundesarchiv beträgt 30 Jahre.

«10vor10», 18.02.2020, 21.50 Uhr; frol

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Heikle Dokumente verschwinden besonders häufig. Es fehlen aber auch einige heikle Dossiers zu Terrorismus, Linksextremismus oder den Nachrichtendiensten. Wie ist es möglich, dass bei solch delikaten Unterlagen so gleichgültig gearbeitet wird. Würde sagen "Geschlampt" Finde das unerhört. Alle Involvierten mit der Crypto AG oder davon gewusst haben, wollen von nichts wissen, jeder schiebt den schwarzen Peter dem anderen zu. Der NDB hat eine Verantwortung der sie nicht nachkommt. Einfach Pfui!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Aus den CIA-Dokumenten soll hervorgehen, dass der Militärische Nachrichtendienst (MND) seit den »frühen Neunzigern« Kenntnis gehabt habe, und die Aktion gedeckt haben soll. Ebenso sollen auch »Schlüsselpersonen« in der CH-Regierung von den Vorgängen gewusst und jahrelang eine NATO-Geheimdienstoperation gedeckt haben. Das würde klar gegen die Doktrin der Schweizer-Neutralität verstossen und die einzige Handelswährung der Schweiz - Diplomatisches Vertrauen - beschädigen. Zeit für #DrainTheSwamp
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Was soll dieses Unwort 'drain the swamp???
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Im Fall Tinner / Atombombenbau / Bundesanwaltschaft sind auch Akten verschwunden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen