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Foto-Chip kaputt: Die Abzocke der Datenretter
Aus Kassensturz vom 21.05.2019.
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Alle Fotos weg Datenrettung: Albtraum nach Traumferien

Fotochip kaputt, Daten weg. Doch Vorsicht bei Datenrettern: Nicht alle sind seriös und helfen in einer Notsituation.

Alexandra Balestreri ist Hobby-Fotografin; eine gute obendrein. «Fotos sind für mich nicht bloss Bilder. Es sind eingefangene Erinnerungen», sagt sie. Ihre Fotoalben sind dicke Wälzer.

Ein Schock, als ihr Fotochip letztes Jahr den Geist aufgibt. «Datenfehler» heisst es lapidar im Display. Ein Auslesen der Fotos ist nicht mehr möglich. Sie ist da gerade mit ihrem Mann in den Neuseeland-Ferien. Drei Wochen Ferien-Erinnerungen, 1500 Fotos – weg!

Monatelanges Vertrösten

Zu Hause sucht Alexandra Balestreri einen Spezialisten, der ihre Fotos rettet. Sie googelt – und das Angebot an Datenrettungsspezialisten sprengt fast ihren Computer. Sie entscheidet sich für die Caredo AG, mit Abgabestelle in Basel. «Meine Idee war: Wenn ich schnell hin müsste, dann bin ich rasch da.» Ausserdem machte die Homepage einen professionellen Eindruck. Caredo verspricht dort, man helfe sofort.

Den Fotochip schickt sie ein. Die Rechnung von fast 460 Franken bezahlt sie im Voraus. Dann passiert nichts. Nach ein paar Wochen beschleicht Alexandra Balestreri ein mulmiges Gefühl. Sie fragt nach – und wird vertröstet. Es sei komplex, heisst es bei der Caredo. «Nach ein paar Monaten dachte ich schon: Hmm, stimmt das alles so?», erinnert sie sich. Nach ganzen fünf Monaten die schlechte Nachricht: Die Daten könnten nicht gerettet werden. Ein Albtraum.

Datenverlust: Was tun?

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Grundsätzlich nicht in Panik verfallen und Kurzschlussentscheide treffen. Sich bewusst fragen:

  • Wie vertraulich sind die mutmasslich verlorenen Daten?
  • Wie wichtig sind die Daten?
  • Wie schnell brauche ich die Daten wieder?

Der erste Datenrettungsversuch bietet die grösstmögliche Wahrscheinlichkeit auf eine erfolgreiche Datenrettung.

Rasche, erste Analyse

Für Kurt Stockinger, stellvertretender Leiter des Datalabs der ZHAW Winterthur, viel zu viel Zeit: «Eine monatelange Abklärung bei einem Fotochip ist sehr lang», sagt er. Man wisse nach einer ersten Analyse rasch, ob eine Datenrettung klappe oder nicht.

Mehr Schein als Sein

Bei Caredo AG ist nicht nur die versprochene Soforthilfe mehr Schein als Sein: Die Adresse in Basel ist eine Abgabestelle in einem Copyshop. Geschäftsräume hat die Caredo dort keine. Anrufe auf die 061-Telefonnummer werden umgeleitet nach Liechtenstein. Festplatten, USB-Sticks oder Fotochips an den Hauptsitz in Schaanwald (FL) geschickt. Ob sie dort repariert oder an einen weiteren Standort weitergeleitet werden, ist nicht ersichtlich.

Klar ist: Viele Datenfehler brauchen gar keine grosse Reparatur. «Sie sind mit einer Software relativ leicht behebbar – auch zu Hause», sagt Yves Eng vom Datenretter Kroll Ontrack. Diese Software gebe es oft schon für unter hundert Franken. Physische Beschädigungen an Chips oder Festplatten benötigen hingegen den Spezialisten. Da kann eine Datenrettung schnell mal mehrere tausend Franken kosten, ja nach Dringlichkeit und Zeitaufwand.

Wie finde ich den richtigen Datenretter?

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  • Kontaktieren sie den IT-Spezialisten Ihres Vertrauens. Oft kann dieser einfache Fälle selbst lösen – rasch und kostengünstig. Bei schwierigeren Fällen kennt er allenfalls einen geeigneten Datenrettungsspezialisten.
  • Schauen Sie auf der Webseite nach oder rufen Sie die Hotline des vom Datenverlust betroffenen Geräteherstellers an. Oft verweisen diese auf seriöse Datenrettungsfirmen.
  • Fragen Sie in Ihrem Umfeld (Verwandte, Kollegen, IT-Verantwortlicher am Arbeitsplatz) nach, ob jemand einen Spezialisten kennt.
  • Eine seriöse und verbindliche Aussage zur Datenrettung und Kosten kann ein Datenretter erst nach einer physischen Analyse machen. Telefon-Analysen sind unseriös. Erste Analysen sollten in der Regel kostenlos sein.
  • Achten Sie auf versteckte Kostenfallen und Zusatzkosten.
  • Wählen Sie einen Datenretter, welcher Partnerschaften und Kooperationen mit bekannten IT-Unternehmen, Verkaufsläden, Versicherungen usw. hat.
  • Global tätige Datenretter haben gegenüber kleineren Anbietern oft mehr Möglichkeiten und Ressourcen, Daten erfolgreich zu retten.
  • Prüfen Sie, ob die Geräte- oder Herstellergarantie durch die Datenrettung beeinträchtigt wird. Zum Beispiel werden bei Festplatten Siegel entfernt, um ins Innere vorzudringen. Es gibt Datenretter, die haben Kooperationen mit Herstellern, so dass die Garantie trotz Datenrettung gewährt bleibt.
  • Schauen Sie, wo die Daten bearbeitet werden. Ist es Ihnen wichtig, dass die Daten in der Schweiz bleiben, verlangen Sie vom Datenretter dafür eine schriftliche Zusage.
  • Eine grosse Referenz- und Logoliste sollte für einmal eher misstrauisch machen. Firmen und Organisationen werden in aller Regel nicht gerne mit einem Datenverlust in Verbindung gebracht. Drum da eher Vorsicht.

Erstellt mit Informationen von Datenretter «Kroll Ontrack».

Vom Chip keine Spur

Angela Balestreri hat inzwischen die Hälfte ihres Geldes retour bekommen, so wie vertraglich vereinbart. Mehr als ein Jahr nachdem sie den Chip eingeschickt und bezahlt hat. Allerdings erst, als «Kassensturz» sich einschaltet. Fragen zum Fall hat die Caredo AG bis heute keine beantwortet. Und den Fotochip haben die «Datenretter» immer noch nicht zurückgeschickt.

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