Zum Inhalt springen

Header

Audio
Alte E-Bike-Akkus: Die brandgefährliche Altlast im Keller
Aus Espresso vom 22.01.2020.
abspielen. Laufzeit 06:27 Minuten.
Inhalt

Alte E-Bike-Akkus Die brandgefährliche Altlast im Keller

Bislang kommen viel weniger ausgediente E-Bike-Akkus ins Recycling zurück als angenommen. Woran liegt das?

E-Bikes sind in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte: Über eine halbe Million E-Bikes rollen unterdessen durch die Schweiz. Gemessen an den hohen Verkaufszahlen sei der Rücklauf an ausgedienten Akkus aber noch viel zu gering, sagt Dieter Offenthaler, Geschäftsleiter der Recycling-Firma Batrec bei Spiez – bislang das einzige Unternehmen in der Schweiz, das im grossen Stil Batterien rezykliert. Rund 30 bis 40 Tonnen gebrauchte E-Bike-Akkus kommen pro Jahr ins Recycling. Angesichts des E-Bike-Booms hatte man mit 130 Tonnen pro Jahr gerechnet, schreibt das «Swiss Recycling Magazin».

Längere Lebensdauer…

Experten sehen vor allem zwei Gründe für den verhältnismässig geringen Rücklauf. Erstens: «Die Lebensdauer dieser Batterien ist deutlich höher, als wir ursprünglich angenommen haben. Wir gehen davon aus, dass viele E-Bikes unregelmässig und nur sehr wenig genutzt werden», sagt Max Zulliger, Geschäftsleiter der Organisation Inobat.

Diese ist im Auftrag des Bundes für das Batterie-Recycling verantwortlich, beziehungsweise zuständig für das Einkassieren, Verwalten und Verteilen der vorgezogenen Entsorgungsgebühr.

… oder zu lange zu Hause gelagert

Zweiter Grund für den geringen Rücklauf: Einige Leute lassen ihre ausgedienten E-Bike-Akkus, aber auch andere Geräte wie alte Laptops oder Handys, zuhause im Schrank oder in der Garage liegen. Keine gute Idee, denn die sogenannten Lithium-Ionen-Akkus können brandgefährlich werden – im wahrsten Sinne – wenn sie beschädigt werden und noch nicht ganz entladen sind. Dann kann sich Strom mit Batterieflüssigkeit mischen und es kann im schlimmsten Fall zu einem Feuer oder gar einer kleinen Explosion kommen.

Deshalb empfehlen Fachleute, E-Bike-Akkus, aber auch ausgediente Computer oder Handys, lieber früher als später im Fachhandel oder an einer Sammelstelle abzugeben. Der Handel hat eine Rücknahmepflicht und muss die Geräte gratis entgegennehmen und entsorgen.

Autobranche sucht noch nach einer Lösung

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Hier ist das Problem noch nicht so akut wie bei den E-Bikes, da noch weit weniger Elektroautos unterwegs sind als E-Bikes. Die Autobranche rechnet aber damit, dass sie spätestens in 10 bis 15 Jahren ein funktionsfähiges Recyclingsystem für eine grosse Zahl ausgedienter Elektroauto-Akkus bereit haben muss.

Es gebe noch einige offene Fragen, vor allem bezüglich der Finanzierung des Recyclings, sagt Andreas Burgener, Direktor des Verbandes «Auto Schweiz». Heute werden ausgediente Akkus von Elektroautos jeweils noch vom Händler ausgetauscht und vom Hersteller repariert, wenn das möglich ist. Dann werden sie zum Teil wieder in Occasionsautos eingesetzt. Eine andere Möglichkeit: «Die alten Akkus können als Stromspeicher genutzt werden», sagt Daniel Christen, Geschäftsleiter der Stiftung «Autorecycling Schweiz». Zum Beispiel, um den überschüssigen Strom der hauseigenen Solaranlage zu speichern.

Notfall-Abhol-Service bei brenzligen Situationen

Dass ein solcher Akku zu einer potenziellen Gefahr geworden ist, merkt man, wenn er aufgebläht ist. Spätestens dann gehört er schleunigst und sicher entsorgt. Weil Inobat mit einer zunehmenden Zahl an brenzligen Situationen rechnet, hat sie eine Notfallorganisation aufgebaut. Diese ist seit Dezember rund um die Uhr erreichbar, berät die Anrufer oder rückt mit Spezialbehältern aus, wenn das Brandrisiko schon zu gross geworden ist. Das sei bis jetzt erst vereinzelt der Fall gewesen, sagen die beteiligten Unternehmen auf Anfrage von «Espresso». Zum Beispiel musste man zu einem Veloverkäufer ausrücken oder zu einer Sammelstelle, wo sich solch gefährlich aufgeblähten Akkus befanden. Man rechnet aber mit deutlich mehr Einsätzen in Zukunft.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Maria Kaiser  (Klarsicht)
    Wir leben schon in einer seltsam abstrusen Welt, E-Bikes fahren und dann aber Tennisspielen oder Fitnesscenter buchen. Die betagteren Hausfrauen damit gefährden weil sie diese Maschine nicht in den Griff bekommen. Mit E- Trottines die Fussgänger und Restverkehr auf Trab halten. Brandgefahren als Folge von falscher Lagerung in Kauf nehmen, von der Entsorgung nach einigen Jahren abgesehen. Sind wir so schwach geworden , dass wir das gute leichte Velo nicht mehr mit Muskelkraft voran bringen ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Mein Ladegerät bietet die Möglichkeit 80, 90, oder 100% zu laden. Meistens lade ich nur 80%, was bei sparsamer Fahrweise für 100 Kilometer reicht. Außerdem liegt die Anfangs-Kapazität bei 1600 wh. Bis der ausgetauscht wird, werden im Normalfall noch viele Jahre vergehen.:))
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    18650er Li-on Zellen, die auch in den meisten E-Bikes verbaut werden, halten bei entsprechender "Pflege" um Faktoren länger als die garantierten 500 Ladezyklen. Wer nur im Bereich 10-90% lädt, verlängert das Leben der Batterie auf 1500 Ladezyklen. Bei 20-80% sind es bereits 3500 Ladezyklen.
    Gilt übrigens auch für Smartphones.
    Schade ist, dass die Hersteller keine alten E-Bike Batterien günstig mit neuen Zellen auffrischen. Die verkaufen lieber teure Neuakkus oder E-Bikes.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus SchweizLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen