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Schweiz Ammann-Gruppe parkierte eine Viertelmilliarde in Steuerparadies

Bis 2009 lagen 263,5 Mio. Fr. des Firmenvermögens der Ammann-Gruppe steuerbegünstigt im Offshore-Paradies Jersey. Ein Jahr vor der Wahl des Ex-Konzernchefs Johann Schneider-Ammann in den Bundesrat floss das Geld in die Schweiz zurück. Die Steuerbehörden haben eine interne Untersuchung eingeleitet.

Legende: Video Ammann-Gruppe: Millionen in Steuerparadiesen abspielen. Laufzeit 23:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 29.01.2014.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern hat auf Recherchen der «Rundschau» reagiert und eine Untersuchung eingeleitet: «Wir haben jetzt diese Hinweise erhalten, dass in den letzten Jahren vielleicht etwas nicht optimal oder nicht richtig gelaufen ist. Jetzt schauen wir intern sämtliche Unterlagen nochmals an», sagt Bruno Knüsel, Chef der Steuerverwaltung.

Steuerdokumente, die der «Rundschau» vorliegen, zeigen: Die Ammann-Gruppe lagerte von 1996 an auf Jersey 150 Millionen Franken ihres Firmenvermögens in der Tochterfirma Jerfin Limited, die zur Steueroptimierung gegründet wurde.

Ein weiterer Teil des Firmenvermögens lag in einer Tochterfirma in Luxemburg. 2007 wurde die Gesellschaft in Luxemburg aufgelöst und das Vermögen der Luxemburger Firma in die Jerfin Limited nach Jersey überführt. Per 31.12.2008 betrug das Vermögen der Jerfin Limited 263.5 Millionen Franken. Experten gehen davon aus, dass die Ammann-Gruppe über all die Jahre mehrere Millionen Steuern eingespart hat.

Ammann-Portrait
Legende: Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat heute keine Beziehungen mehr mit der Ammann-Gruppe. Keystone

War alles legal?

Ein Experte vermutet in der «Rundschau» aufgrund der Dokumente, dass es sich bei der Jerfin Limited um eine Briefkastenfirma gehandelt hat, weil das Vermögen gar nicht in Jersey verwaltet wurde. Wäre dies der Fall, hätten Vermögenserträge in der Schweiz versteuert werden müssen.

Die Steuerverwaltung prüfe nun Bankverbindungen, Mietverträge, Arbeitsverträge und Handelsregisterauszüge der heute liquidierten Gesellschaft in Jersey. Eine Überprüfung in Jersey vor Ort sei allerdings nicht möglich, sagt der Berner Steuerchef Knüsel: «Wir sind darauf angewiesen, was die Unternehmen uns geben. Was wir nicht machen können, ist nachschauen, was im Ausland stattfindet».

Schneider-Ammann war Konzernchef und VR-Präsident

Als die Jerfin Limited gegründet wurde, war der heutige Bundesrat Johann Schneider-Ammann oberster Konzernleiter der Ammann-Gruppe. Aus den vorliegenden Steuerdokumenten geht hervor: Ein Jahr vor Schneider-Ammanns Wahl in die Exekutive – im Herbst 2010 – wurde das Geld in die Schweiz zurückgeführt.

Hierfür wurde eigens eine Tochterfirma in Bern gegründet, die Afinsa AG. Die Jerfin Limited auf Jersey wurde Mitte Juli 2009 liquidiert. In der Folge wurden die 263,5 Millionen Franken in die Afinsa AG nach Bern überwiesen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat heute keine Beziehungen mehr mit der Ammann-Gruppe. Er ist an dem Unternehmen auch nicht mehr finanziell beteiligt.

Steuerprivileg auch in Bern

Die Ammann-Gruppe hatte 2009 mit den Berner Steuerbehörden für die Afinsa AG ein Domizilprivileg ausgehandelt. Damit profitiert die Ammann-Gruppe auch im Kanton Bern von einer günstigeren Besteuerung.

Das Privileg hat offenbar auch heute noch seine Gültigkeit. Die Steuerbehörde des Kantons Bern untersucht nun auch die Afinsa-Konstruktion: «Wir werden die ganzen Dossiers aller irgendwie beteiligten Firmen anschauen», sagt Knüsel.

Schneider-Amman vor Baumaschinen im Jahre 2004
Legende: Bild von 2004: Schneider-Ammann führte die Baumaschinen-Firma seit 1989 bis zu seiner Wahl in den Bundesrat 2010. Keystone

Stellungnahme der Ammann-Gruppe

Die Ammann-Gruppe hält gegenüber der «Rundschau» schriftlich fest: «Diese Gesellschaften waren zu jedem Zeitpunkt offen deklariert und konform mit den schweizerischen und den lokal geltenden Gesetzgebungen. Die Frage der steuerlichen Ansässigkeit wurde von den Steuerbehörden thematisiert, unseres Wissens geprüft und geregelt.»

Zum Steuerkonstrukt auf Jersey erklärt die Ammann-Gruppe weiter: «Es wurden vor Ort operative und verwaltungsrätliche Tätigkeiten ausgeübt. Die Substanz war stets in einem Ausmass vorhanden, dass der Standort als Steuerdomizil anerkannte wurde.» Zudem sei es die Pflicht der Unternehmensleitung zu sparen, um das Geld den unternehmerischen Zwecken zukommen zu lassen – und für das Unternehmen seien auch die Steuern Kosten.

Die Überführung des Vermögens von Jersey nach Bern sei «aus einer Neubeurteilung der geschäftlichen Bedürfnisse, aber auch aufgrund der veränderten Einstellungen der Gesellschaft gegenüber solchen – wenn auch legalen – Finanzeinheiten im Ausland» geschehen. Auch dieser freiwillige Schritt sei Gegenstand von Absprachen mit den zuständigen Steuerbehörden gewesen. «Die Afinsa AG ist eine von den Steuerbehörden akzeptierte Domizilgesellschaft mit Sitz in Bern», schreibt die Ammann-Gruppe.

Schliesslich betont die Ammann-Gruppe, es seien nie irgendwelche Mittel oder Erträge aus diesen Gesellschaften privat abgeführt worden.

Stellungnahme von Schneider-Ammann

Bundesrat Johann Schneider-Ammann liess der «Rundschau» eine schriftliche Stellungnahme zukommen: «Ich habe die Ammann-Gruppe seit 1989 bis zu meiner Wahl in den Bundesrat geführt. Die Ammann-Gruppe war schon damals zu über 90 Prozent in internationalen Märkten tätig.

Das internationale Geschäft hat der Firma ermöglicht auch in der Schweiz stets ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Die Finanzgesellschaften dienten dazu, die finanzielle Unabhängigkeit der Ammann-Gruppe langfristig sicherzustellen.

Die zuständigen Steuerverwaltungen und die Prüfgesellschaften waren jederzeit und vollständig informiert. Alle Gesetze wurden eingehalten. Alle Erträge aus diesen Finanzgesellschaften kamen dem Unternehmen zu Gute.

Die Rückführung in eine Schweizerische Finanzgesellschaft geschah wiederum in voller Transparenz gegenüber den Steuerbehörden. Ich habe diese Rückführung eingeleitet und abgeschlossen.»

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129 Kommentare

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  • Kommentar von oliver steiner, turtmann
    Wenn man um die finanzielle unabhãngigkeit eines unternehmens fürchtet, sollte man es auf einer überschaubaren ebene belassen. Ansonsten ein übelster abzocker. Selber im geld schwimmen und gegen mindestlöhne sein. Wie alle bürgerlichen.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bundey
    Ein alltägl.Beweis mehr,wieso unsre Vorfahren den Evolutionsweg des H.sapiens(!)nicht mitgegangen sind."Der Mensch ist etwas,das überwunden werden soll"(Nietzsche)So weit wirds nie kommen,denn das Wesen Mensch verhindert die Einsicht,Teil des ges.Systems zu sein.Dies die Voraussetzung natürl.Eintracht ALLER Kreaturen auf Erden.Leider eine Illusion!Wieso also sollen Benachteiligte nicht zur selben Waffe greifen?Im Kleinen zu Beginn,aber nicht minder wohltuend.Ungerechter wird die Welt so nicht!
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  • Kommentar von Peter Rüfenacht, Thun
    Ich möchte ja niemandem was unterstellen. Ich hatte bei diesem Beitrag eher das Gefühl, dass da seitens Steuerbehörde nicht sehr viel (wann überhaupt) passiert, denn der Chef der Steuerbehörde machte mir nicht den Eindruck, dass er gegen den BR vorgehen möchte.Wer weis wie gut die sich kennen - jetzt wo wir ja auch offiziell wissen, dass die Schweiz mit seinen Beamten Korrupt ist... Und ehrlich: erfahren wir die Wahrheit falls es tatsächlich zu einer interner Untersuchung kommt? Bin gespannt.
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