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Auf nationaler Ebene soll es mehr Walk-in-Impfungen geben
Aus HeuteMorgen vom 29.07.2021.
abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
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Angst vor Ansteckung Unsicher trotz Impfung: Wie finden wir zurück ins Sozialleben?

«Ich habe grosse Angst und verlasse kaum das Haus, bestelle mein Essen online und arbeite nur im Homeoffice», «Restaurant-Innenräume bereiten mir noch immer Mühe, aber ich beisse auf die Zähne» oder auch «Am 1. August geht's zum grossen Brunch, aber freuen kann ich mich immer noch nicht richtig», schreibt die SRF-Community auf einen Aufruf hin.

Die Userinnen und User fühlen sich in der neuen «Freiheit» trotz doppelter Impfung noch nicht wohl in Menschenmengen und Treffen in Innenräumen bedeuten Stress für sie. Doch wie soll man mit den eigenen Ängsten oder unsicheren Personen im eigenen Umfeld umgehen? Ein Experte gibt Tipps.

Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Dozent für Psychologie Universität Freiburg

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Peter Wilhelm doziert an der Universität Freiburg und ist am Lehrstuhl für klinische Psychologie und Psychotherapie tätig. Im Rahmen seiner Forschung hat er sich unter anderem mit dem Verhalten und Erleben während der Corona-Pandemie befasst.

SRF News: Einige Menschen meiden trotz Impfung soziale Anlässe oder fühlen sich dort unwohl. Wie kommt es dazu?

Peter Wilhelm: Viele verunsichert, dass sich die Delta-Variante verbreitet und in den letzten Wochen die Neuinfektionen überall wieder ansteigen. In England oder Spanien sind die Infektionszahlen wieder sehr hoch und dies, obwohl die Impfquoten ähnlich wie in der Schweiz sind. Das wirkt bedrohlich und nährt die Angst vor einer neuen Infektionswelle sowie einer Infektion trotz Impfung.

Allerdings scheinen die Impfstoffe auch gegen die Delta-Variante sehr gut zu schützen. Deshalb sind Sorgen nicht angebracht, wenn man vollständig geimpft ist. Menschen, die eher vorsichtig oder ängstlich sind, werden durch Nachrichten über Virusvarianten und steigende Zahlen verunsichert. Sie machen sich Sorgen und vermeiden deshalb soziale Anlässe.

Es ist wichtig, Verunsicherten mit Verständnis zu begegnen, das Thema anzusprechen und zuzuhören.
Autor: Peter Wilhelm Dozent für Psychologie, Universität Freiburg

Wie soll man sich gegenüber unsicheren Personen verhalten, damit sich alle wohlfühlen?

Wenn sich Menschen unsicher fühlen, Sorgen und Ängste haben, neigen sie dazu sich zurückzuziehen und entsprechende Situationen zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, ihnen mit Verständnis zu begegnen, das Thema anzusprechen und zuzuhören. Manchmal hilft es, seriöse Information zu geben.

Gerade Kontakte mit neuen Personen können verängstigen, beispielsweise bei einem Date. Wie geht man mit dieser Situation am besten um?

Gerade das Kennenlernen von neuen Personen, sei es nun im Arbeitsumfeld oder bei Dates, ist aufregend und kann auch mit Stress behaftet sein. Für Personen, die sich davor fürchten, dass sie sich infizieren könnten, stellt das eine zusätzliche Belastung dar. Eine gute Strategie ist, erst einmal davon auszugehen, dass die andere Person unsicher sein könnte und den Treffpunkt so zu wählen, dass sie sich auch dann wohlfühlen kann. Also sich beispielsweise draussen zum Spazieren zu treffen statt in einer Bar. Zudem ist es gut, über den Umgang mit der Pandemie zu sprechen. Am besten hört man zu, ohne zu widersprechen und die andere Meinung zu bewerten.

Wie können sich unsichere Personen wieder ans gesellschaftliche Leben herantasten?

Wichtig ist, dass man soziale Situationen nicht meidet. Wenn einem das schwerfällt, sollte man schrittweise vorgehen, und beispielsweise damit beginnen, Freunde draussen zu treffen. Mit deren Unterstützung kann man dann eine Situation aufsuchen, die mehr Mühe macht, wie zum Beispiel ins Kino zu gehen. Wenn Unterstützung fehlt oder man sich nicht mehr traut Menschen zu treffen, dann ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen und mit einer Psychologin oder einem Psychologen Kontakt aufzunehmen.

Das Gespräch führte Marc Tschirren.

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Welche Situationen verunsichern Sie aktuell besonders? Wie gehen Sie mit unsicheren Personen um? Sagen Sie es uns in den Kommentaren.

Radio SRF1, 28.06.2021, 07:03 Uhr;

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86 Kommentare

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  • Kommentar von Christopher Gärtner  (Christopher Gärtner)
    Ich empfinde es als sehr angenehm diesen Zwang nicht mehr aufgedrückt zu bekommen jeden Abend und jedes Wochenende unterwegs sein zu müssen und wenn man mal 2 Wochen zuhause war wird man schief angeschaut…
    Darf gerne so bleiben wie jetzt
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Die Angstmacherei muss endlich ein Ende haben. Es wird immer neue Varianten geben aber nan kann sich schützen. Gefahr gebannt. Zeit die Maskenpflicht in Läden aufzuheben. Wer nicht geimpft ist, kann weiterhin eigenverantwortlich Maske tragen aber die Mehrheit der Bevölkerung darf nicht mehr wegen Impfmuffeln drangsaliert werden.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Indem ich mich bemühe möglichst nur in meiner (sehr grossen) geimpften Community bewege reduziere ich die Gefahr auf das absolute Minimum. Ich bin mir sicher, dass es immer mehr Menschen gibt, die diesen Komfort schätzen.
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      W. Gerber ja dies ist so. Man sah dies im Fernsehen bei der Zirkus KNIE Eröffnung in Rapperswil. Es wurden nur Geimpfte und getestete an die Vorführung hinein gelassen. Diejenigen die dies konnten fühlten sich sichtlich wohl, sogar praktisch alle ohne Maske, dies sagten einige nach der Vorstellung. Selber mag ich allen diesen Komfort gönnen, auch für den Zirkus, der nun endlich wieder Vorstellungen durchführen kann. Allgemein finde ich aber, dass Angst eher ein schlechter Ratgeber ist.