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Michael Hermann: «Dass derart viele Menschen den Kontakt abgebrochen haben, hat uns erstaunt»
Aus Schweiz aktuell vom 23.07.2021.
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Umgang mit Corona Wieso sorgt die Pandemie für derart viele Konflikte?

Impfen oder nicht? Maske oder nicht? Der Coronastreit in der Gesellschaft geht bis in die Familien hinein. 62 Prozent der Befragten im aktuellen SRG-Corona-Monitor, eine Spezialauswertung für die Sendung «Schweiz aktuell», berichten über Streit im privaten Umfeld. Wieso birgt ausgerechnet eine Pandemie ein so grosses Konfliktpotenzial? Soziologin Katja Rost ordnet ein.

Katja Rost

Katja Rost

Soziologin

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Katja Rost ist Professorin für Soziologie und Privatdozentin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Wirtschafts- und Organisationssoziologie, der digitalen Soziologie, sozialer Netzwerke und Diversität.

SRF News: Wieso sorgt die Coronakrise für derart viele Konflikte?

Katja Rost: Weil die Pandemie unsere sozialen Regeln und Normen verändert hat. Beim Umgang mit diesen neuen Normen spaltet sich die Gesellschaft – oder auch die Familie. Ein aktuelles Thema ist das Impfen. Lässt man sich impfen fürs Kollektivgut oder denkt man, dass man kein Versuchskaninchen sein und seine Freiheitsrechte behalten will?

Vor allem die Nicht-Geimpften haben laut der Umfrage ihre Kontakte zu anderen Menschen abgebrochen. Wieso?

Ich vermute, dass hier die Impfgegner gemeint sind. Die Impfgegner sind quasi allein auf weiter Flur, aber untereinander sehr gut vernetzt. Es ist eine sehr wütende Gruppe. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass sie im Recht sind. Diese Gruppe wird vom anderen Teil der Gesellschaft natürlich gemassregelt und sanktioniert. Der Rest sagt: Wegen euch dauert die Pandemie jetzt noch länger! Wegen euch können wir die Herdenimmunität, also ein Kollektivgut, nicht erreichen! Es ist dann ein normaler Mechanismus, dass sich die Gruppe der Impfgegner abgrenzt, um die eigene Position noch stärker zu verdeutlichen.

Ok, man hat hier unterschiedliche Ansichten, aber man mag sich trotzdem. Und man spricht nicht darüber.

Das Virus treibt ganze Familien auseinander: Was sind Strategien im privaten Umfeld, um solche Konflikte zu lösen?

Am besten ist es, nicht darüber zu reden. Politik gehört vielleicht an den Stammtisch, aber nicht an den Familientisch. Politische Themen sind in einer Familie immer schwierig. Man wird sich nie einig, wenn einer SVP wählt und der andere SP. Man sollte deshalb zum Schluss kommen: Ok, man hat hier unterschiedliche Ansichten, aber man mag sich trotzdem. Und man spricht nicht darüber.

Wie soll die Gesellschaft mit diesen Problemen umgehen?

Eine Gesellschaft muss das aushalten. Und sie wird das aushalten. Solche Probleme kommen immer wieder vor. Eine Gesellschaft ringt um Antworten. Am Ende ist es ein Kampf zwischen Freiheitsrechten und einer Gemeinschaft mit Regeln. Das ist ein Kampf, den die Menschheit führt, seit sie Menschheit ist. Das unterscheidet uns vom Tier.

Werden diese Konflikte längerfristig bestehen bleiben?

Die Corona-Konflikte werden mit der Pandemie verschwinden. Die aktuellen Konflikte werden verdrängt von neuen Konflikten, die gerade dringlicher sind. Zum Beispiel wird das Thema Klima wieder an Bedeutung gewinnen.

Die Pandemie verändert unsere Gesellschaft weniger, als man denkt.
Autor:

Wie verändert die Pandemie unsere Gesellschaft?

Die Pandemie verändert unsere Gesellschaft weniger, als man denkt. Gewisse Gesellschaftstrends, die wir vorher schon hatten, wurden beschleunigt: zum Beispiel Homeoffice oder die Lokalisierung (regionale Produktion, weniger Reisen). Es zeigte sich auch in der Schweiz, dass der Katastrophenschutz verbessert werden muss. Und es ist notwendig, dass in einer Gesellschaft jeder die auferlegten Massnahmen mittragen kann. Hier besteht sicherlich noch Regelungsbedarf.

Das Gespräch führte Benedikt Widmer.

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101 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eines ist sischer, die Pandemie betrifft die ganze Welt!
    Wir sitzen also alle im selben "Boot"!
    Da muss jeder Mensch Verantwortung für sich und sein Verhalten in der Gesellschaft übernehmen, anpassen!
  • Kommentar von Monique Furrer  (Fumo)
    Bei allem Respekt, aber die Aussage: «Die Impfgegner sind eine sehr wütende Gruppe.» ist weder objektiv noch faktisch!
    Was ist das für ein Journalismus?!? Genau so werden Konflikte geschürt! Sehr schade!
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Genausogut könnte man sagen, die Durchimpfungs-Befürworter sind eine sehr kaltblütige Gruppe. Da dürften diese dann zu Recht einwenden, die Durchimpfungs-Skeptiker seien genauso kaltblütig, einfach im Umgang mit den Corona-Opfern. Wir sehen es ja hier, die unterschiedlichsten Charaktere auf beiden Seiten, auf Twitter & Co ist es dann einfach mangels Präsenz vom Community-Desk noch ein, zwei Zacken krasser. Rotpunkte gegen Grünpunkte, wobei die ersteren zuerst gewesen sind.
    2. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Es ist doch hier wie überall: Die Unterschiede innerhalb der Individuen einer Gruppe sind viel grösser als die Unterschiede zwischen Gruppen. Frau Rost sollte man fragen, warum das in Zeiten der Inklusion gerade hier nicht eingesehen wird, sondern im Gegenteil die Ausgrenzung bis in die Bundes-Pressekonferenzen zelebriert, indem entspannt darüber gefachsimpelt wird, was jetzt mit diesen 'Impfgegnern' anzufangen sei. Meine These: Man versteht die eigenen Prinzipien nicht, daher noch interessant.
    3. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      Herr furrer ich teile zu hundert Prozent ihre Meinung. Die gute Dame kann wohl weder auf Analysen oder Erfahrungen zurückgreifen. Und behauptet dennoch es sei eine wütende Gruppe. Versöhnliche Töne geht anders
    4. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      Es wird mit dieser Behauptung und Unterstellungen versucht Impfgegner in ein schlechtes Licht zu rücken . Unmögliche Aussage
  • Kommentar von Alex Burch  (albaschi)
    Ich bin überrascht, wie subjektiv und oberflächlich die Ausführungen von einer Soziologin sind. Solches Schwarz-Weiss-Denken sollte doch genau von dieser Disziplin vermieden werden. Hier wäre es doch die Aufgabe, das gesamte Spektrum anzuschauen und zu verstehen.
    Darum sollte man meiner Meinung nach auch unbedingt zusammen reden und einander zuhören, damit wir rasch wieder zusammen leben können ohne "neue Normen", die Frau Rost nebenbei erwähnt.
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Für sie wäre das sicher spannend, mal was Neues zum untersuchen. Aber Spass beiseite, ihr letzter Beitrag hier war besser.