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Anpassung der Tarife ÖV-Preise sollen ab Dezember um 3.9 Prozent steigen

  • Ab Dezember 2026 kosten Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr.
  • Der Strategierat der Alliance Swisspass hat eine Tarifanpassung um durchschnittlich 3.9 Prozent beschlossen.
  • Betroffen sind national gültige Billette und Abonnemente.

Allerdings werden nicht alle Preise im gleichen Ausmass erhöht, wie die Alliance Swisspass mitteilte. Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien sollen demnach gar nicht oder nur geringfügig teurer werden.

Preiserhöhungen sind für Kundinnen und Kunden ein sensibles Thema. Deshalb hat die Branche den Schritt sorgfältig geprüft.
Autor: Marco Lüthi Strategieratspräsident Alliance Swisspass

Der Preis für das Generalabonnement steigt etwas stärker als jener für Einzelbillette. Das Halbtax-Abo verteuert sich um fünf Franken. Der Bonus der Guthaben-Pakete beim Halbtax Plus bleibt unverändert. Anpassungen soll es hingegen bei Tickets für Velos und Hunde geben.

Stimmen zur Tariferhöhung im ÖV

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Jeanne Rose Miche, Eventmanagerin aus Bolligen BE, sagt zur Erhöhung der Tarife im öffentlichen Verkehr: «Ich finde es megaschade, denn ich finde, es sollte jeder mit dem öffentlichen Verkehr fahren können, und ich selber brauche den jeden Tag. Ich bin Studentin und darum macht die Preiserhöhung nicht so viel Spass.»

Raphael Daneffel, Dialoger aus Zürich, meint: «Ich finde es überrissen, also ich finde es viel zu teuer. Es ist jetzt schon grenzwertig für viele Leute.»

Ob sich der öffentliche Verkehr mit dieser erneuten Preiserhöhung am Ende ins eigene Fleisch schneidet, wird sich zeigen.

Dazu Jeanne Rose Miche: «Ich denke, ich würde mehr das Velo benützen, wenn die Preise steigen, ja.»

Und Raphael Daneffel hält fest: «Ja, zwangsläufig muss ich noch Zugfahren, denn das Benzin wird auch ja immer teurer. Aber es ist einfach schwierig langsam mit den Preisen, weil alles teurer wird, und wir haben es langsam satt.»

Detaillierte Preise werden später kommuniziert

Wie die ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 geltenden Preise im Detail aussehen werden, soll im Laufe des Frühjahrs bekannt werden. Die Alliance Swisspass begründet die Tarifanpassung mit steigenden Kosten, aber auch mit politischen Entscheiden.

Zu Letzteren führt sie an, dass das Parlament mit dem Entlastungspaket ab 2027 die Rückvergütung der Mineralölsteuer gestrichen hat. Ebenso gebe es Abstriche bei der Finanzierung des regionalen Personenverkehrs.

Fahrräder und Koffer in einem Zugabteil.
Legende: Der Preis für Velos im ÖV soll ab Dezember 2026 teurer werden. Keystone / Christian Beutler

Der Kreditrahmen für den regionalen Personenverkehr liege deshalb deutlich unter dem angemeldeten Bedarf der Branche für die beiden Jahre 2027 und 2028. «Im Entlastungspaket 2027 haben wir zusätzliche finanzielle Mittel erhalten, aber nicht in dem Umfang, dass wir die Kostensteigerung abfangen können», sagt Strategieratspräsident Marco Lüthi.

Erste Erhöhung seit 2023

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Die letzte schweizweite Tariferhöhung ist drei Jahre her. Zuvor waren die Preise des öffentlichen Verkehrs auf nationaler Ebene sieben Jahre lang stabil geblieben. Per Ende 2023 stiegen die Billettpreise um durchschnittlich 3.7 Prozent. Vor der Intervention des Preisüberwachers hatte Alliance Swisspass eine Erhöhung um 4.3 Prozent vorgesehen. Umstritten war damals in erster Linie der Preis des Generalabonnements. Schliesslich handelte der Preisüberwacher beim 2.-Klasse-GA eine Tariferhöhung um 3.5 statt wie zunächst angekündigt 5.7 Prozent aus. (sda)

Höhere Preise zur Sicherung von Angebot und Qualität

«Preiserhöhungen sind für Kundinnen und Kunden ein sensibles Thema», liess sich Lüthi im Communiqué zitieren. Deshalb habe die Branche den Schritt sehr sorgfältig geprüft. Höhere Preise seien aber nötig, um das Angebot, die Qualität und die Investitionen langfristig zu sichern. «Und das geht nur durch eine entsprechende Mitfinanzierung durch die Nutzenden», sagt Lüthi.

Einmal mehr werden die treuen Kunden bestraft – etwa GA-Benutzerinnen und -Benutzer.
Autor: Bastian Bommer Ressortleiter bei Pro Bahn

Die ÖV-Branche investiere in moderne Fahrzeuge, in die Infrastruktur und auch in den Service, hiess es. Wer in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sei, profitiere von dichteren Takten und neuen Angeboten.

Blick auf vielfältige Bahnschienen mit Stadt im Hintergrund.
Legende: Ein Grund für die Erhöhung der Billetpreise sind laut Strategierat der Alliance Swisspass Investitionen in die Infrastruktur der Bahn. Keystone / Gaetan Bally

Pro Bahn und Preisüberwacher überrascht von Teuerung

Die Interessengemeinschaft der Bahnkundinnen und Bahnkunden, Pro Bahn, zeigt sich auf Anfrage «schockiert». «Für uns kommt dieser Preisanstieg absolut unerwartet», sagt Bastian Bommer von Pro Bahn. Das Ziel sei eigentlich gewesen, Neukundinnen und -kunden zu gewinnen. «Und diese gewinnt man sicher nicht durch höhere Preise.»

«Einmal mehr werden die treuen Kunden bestraft», sagt Bommer – etwa GA-Benutzerinnen und ‑Benutzer. Damit würden mehr Personen vom GA auf regionale Abos fürs Pendeln umsteigen – und sich dann bei jeder Freizeitreise überlegen, ob sie nicht doch mit dem Auto besser fahren. Das sei mit den Klimazielen der Schweiz nicht vereinbar, so Bommer.

Der Preisüberwacher Stefan Meierhans seinerseits hatte von den konkreten Plänen der Branche keine Kenntnis, wie seine Medienstelle mitteilte. Er werde «selbstverständlich seinem gesetzlichen Auftrag nachkommen und die Beschlussvorlage des Strategierats prüfen».

Neben den nationalen ÖV-Preisen dürften auch die regionalen Tarifverbünde ihre Preise anpassen. Laut Alliance Swisspass etwa in derselben Grössenordnung wie im nationalen Verkehr. Die Billetpreise dürften also flächendeckend um durchschnittlich fast vier Prozent wachsen.

SRF 4 News, 31.3.2026, 11 Uhr ; 

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