Zum Inhalt springen

Header

Audio
Wurden zu viele Spitäler geschlossen?
Aus Rendez-vous vom 24.03.2020.
abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
Inhalt

Anzahl Betten im Krisenfall Kommt es zum Umdenken bei der Spitalplanung?

Zu viele Betten und zu hohe Kosten, hiess es stets in den letzten Jahren in der Schweiz. Doch dann kam das Coronavirus. Plötzlich geht es darum, dass für den Notfall zu wenig Kapazitäten bereitstehen.

Im Baselbiet und in Frauenfeld werden Bettenhäuser nicht wie geplant abgerissen, sondern für die Behandlung von Corona-Patienten reaktiviert. Auch Zürich nimmt eine leergeräumte Intensivstation wieder in Betrieb.

Das zeige, dass man Betten nicht leichtfertig abbauen und Regionalspitäler nicht einfach schliessen sollte, sagt SP-Nationalrätin Barbara Gysi: «Man hat in den letzten Jahren viel Bettenkapazität abgebaut. Bei Spitälern, die jetzt vor Schliessungen und vor grossem Abbau stehen, müssen wir genau hinschauen. Jetzt sind wir wirklich froh um jedes Bett, das wir haben.»

Grosse Kliniken sind im Notfall flexibler

Muss die Schweizer Spitalplanung angesichts der Coronakrise tatsächlich angepasst und die Debatte über die Anzahl Betten und Spitäler neu geführt werden? «Nein», findet Gesundheitsökonom Tilman Slembeck.

Gerade in Krisenzeiten würden sich grosse Spitäler bewähren und eine Bündelung der Kräfte Sinn ergeben: «Die jetzige Situation spricht für effiziente und relativ grosse Spitalstrukturen.» Wenn man grosse Einheiten zur Verfügung habe, könne man schnell Notfallkapazitäten schaffen. Ein grosses Spital habe etwa Flexibilität bei der Umnutzung von Räumen oder bei der Personalplanung.

Mehr Betten bringen nichts ohne Personal

Auch Michael Jordi von der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz warnt davor, die momentane Krise als Massstab für den Dauerbetrieb zu nehmen: «Wir können nicht eine Normalversorgung mit der Hälfte des Betriebs auf Vorhalteleistung betreiben und warten, bis die Krise kommt.»

Vorsorglich erhaltene Spitalbetten verstauben zu lassen sei auch aus Sicht der Bevölkerung nicht sinnvoll, sagt Jordi. «Die Betten allein sind kein Versorgungskonzept, sondern man braucht insbesondere qualifiziertes Personal auf allen Stufen, die die Pflege dann übernehmen können.»

Einig sind sich alle nur in einem Punkt: Wenn die Corona-Krise überstanden ist, braucht es eine Manöverkritik und eine Überprüfung der Schweizer Gesundheitsversorgung.

Die Fronten in der Debatte um Spitalschliessungen dürften dann nicht neu sein. Neu aber dürfte sein, dass die Debatte um die Spitalplanung mit Fragen des Bevölkerungsschutzes und des Krisenmanagements vermischt wird.

Rendez-vous, 24.03.2020, 12:30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Umdenken vor allem auch bei den schrecklichen Fehlern der leeren Lager mit medizinischen Material. Es geht absolut nicht, dass Masken und Desinfektionsmaterial für die Bevölkerung nicht,vorhanden ist. Wenn man lesen muss, dass sogar Hebammen völlig
    auf dem Trockenen sitzen. Da muss man schon von einem Skandal sprechen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
    Ein Umdenken im Gesundheitswesen der Schweiz sollte dringend sofort beginnen.
    Als mein Schwiegersohn vor 4 Jahren vergebens eine Praktikumsstelle im Pflegebereich suchte, habe ich begriffen, wie schlecht es um das Ausbildungspotenzial bei uns steht.

    Ausgebildete Pflegefachfrauen suchen seit Jahren 60% -Stellen in Heimen oder Spitälern.
    Vergebens, es wurden zu 100% arbeitende ausländische Arbeitskräfte bevorzugt.

    Diesem Treiben muss sofort ein Ende gesetzt werden.

    Genug gejammert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
      Gemäss SECO (www.job-room.ch/home/company) sind 4'000 arbeitslose Gesundheitsfachleute sofort zu haben!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Albrecht  (notabene)
    Ich denke, dass wir uns wohl dazu durchringen müssen, dass das Gesundheitswesen nicht eine staatliche oder gar private, oder noch viel schlimmer eine Wirtschaftliche Sache ist. Solange es politischer Unfähigkeit, privater Willkür und Profitinteressen unterworfen ist werden wir notgedrungen immer mehr Krankheit sehen. Wir brauchen dringendst eine soziale und vernünftige Neuordnung auf vielen Ebenen. Wenn der Corona Virus zu etwas nütze ist, dann dazu dies zu begreifen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen