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Der Pole Stanislaw Wosk arbeitet seit 13 Jahren für die Köhlis im Berner Seeland
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 20.04.2021.
abspielen. Laufzeit 05:27 Minuten.
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Arbeiter dürfen einreisen Spargelproduzenten setzen wieder auf Erntehelfer aus Osteuropa

Die Hilfskräfte aus Osteuropa sind zurück. Die Produzenten sind froh, denn mit dem Gastropersonal gab es im letzten Jahr Probleme.

Bei kühlem aber sonnigen Wetter arbeiten die polnischen Erntehelfer auf den Feldern des Spargelhofs Köhli in Kallnach im Berner Seeland, einem der zehn grössten Spargelproduzenten der Schweiz.

Eine Maschine hilft ihnen, die Folien, unter denen die Spargeln wachsen, zu heben. Wenn sie darunter eine reife Spargelspitze sehen, stechen sie diese aus. Derzeit sind elf Helfer da. Stanislaw Wosk ist einer von ihnen: «Ich komme seit 2009 nach Kallnach.» Letztes Jahr konnte er nicht kommen.

Dass es in diesem Jahr geklappt hat, ist einer Ausnahme des Bundes zu verdanken. Weil Polen auf der Risikoliste des Bundesamtes für Gesundheit steht, müsste Stanislaw Wosk zehn Tage in Quarantäne, wenn er in die Schweiz einreist. Das hätte er aber nicht gemacht, weil er in dieser Zeit keinen Lohn erhalten hätte. Der Bundesrat hat Erntehelferinnen und -helfer jedoch als systemrelevant eingestuft, weshalb die Quarantäne für diese nun wegfällt.

Um den Test bezahlen zu können, musste ich einen Tag arbeiten.
Autor: Stanislaw WoskErntehelfer aus Polen

Die Helfer müssen sich jedoch vor der Abreise in ihrem Heimatland testen lassen. Das hat Stanislaw Wosk 50 Franken gekostet – so viel wie er normalerweise an einem Tag verdient. Für ihn lohnt es sich trotzdem, denn in seinen drei Monaten in der Schweiz verdient er mit rund 7000 Franken doppelt so viel wie zu Hause auf dem Bau.

So viele Anfragen wie noch nie

In diesem Jahr wollten besonders viele in der Schweiz arbeiten. Der Chef von Stanisalw Wosk, Ronny Köhli, erzählt, er habe so viele Anfragen wie noch nie erhalten. Nicht nur aus Polen seien Anrufen gekommen, auch aus Rumänien und Bulgarien. «Die Leute haben dort wohl keine Arbeit und wollten darum kommen», so Köhli.

Der Spargelproduzent muss seine Erntehelferinnen und -helfer sieben Tage nach der Anreise testen lassen. So verlangt es der Bund. «Die Diskussion wird sein, ob das die Krankenkasse zahlt oder wir», sagt Köhli. Das kann schnell mehrere Tausend Franken kosten.

Die Krux mit dem Testen

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Die Erntehelferinnen und -helfer, die aus Risikoländer in die Schweiz einreisen, müssen sich sieben Tage nach ihrer Ankunft nochmals auf das Corona-Virus testen lassen. So steht es in der Bundesverordnung, heisst es bei der bernischen Gesundheitsdirektion. Die Art der Tests spiele keine Rolle. Allerdings kann man im Kanton Bern einen Gratistest nur bei Symptomen oder Kontakt mit einer infizierten Person machen.

Selbsttests in der Apotheke gibt es nur mit einer Krankenkassenkarte. Diese fehlt den Hilfskräften in der Landwirtschaft. Sie sind zwar ab dem ersten Tag versichert, die Karte trifft aber manchmal erst noch mehreren Wochen ein, heisst es beim Berner Bauernverband. Die Kosten für die Corona-Tests muss also der Bauer bezahlen – und hoffen, dass er dies von der Krankenkasse zurückerstattet bekommt. Denn ein professioneller Test kostet rund 150 Franken und bei einer Belegschaft von über zehn Angestellten wird das teuer. Aus diesem Grund dürften viele Landwirtinnen auch darauf verzichten, die Hilfskräfte regelmässig erneut testen zu lassen.

Um die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können, hat Ronny Köhli seinen Hof umgebaut und für rund 300'000 Franken ein Container-Dorf erstellt. Geplant war das schon vorher, Corona hat es beschleunigt.

Container
Legende: An den Bauernhof von Köhlis sind Container angebaut, in denen die Erntehelfer leben. SRF

Statt im Massenschlag schlafen die Hilfskräfte nun zu zweit in einem Zimmer. Wer das Zimmer teilt, arbeitet auch auf dem Feld zusammen. Gegessen und geduscht wird gestaffelt. Alles, damit es möglichst keine Ansteckungen gibt.

Container
Legende: Die Räume sind auch in polnisch angeschrieben – so auch die geltenden Regeln. Putzen müssen die Arbeiter selbst. SRF

Ronny Köhli ist trotz Aufwand froh, dass seine teilweise langjährigen Erntehelfer aus Osteuropa da sind. «Unser Erntepersonal ist unser grösstes Kapital. Ohne sie könnten wir keine Spargeln verkaufen.»

Im letzten Jahr konnten nicht alle seine Hilfskräfte einreisen, weshalb er auf Schweizerinnen und Schweizer zurückgreifen musste. Köche, Serviceangestellte, Kosmetikerinnen oder Coiffeusen halfen aus.

Video
Aus dem Archiv: Wegen Corona vom Gasthof auf das Spargelfeld
Aus Schweiz aktuell vom 14.04.2020.
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Diese hätten gute Arbeit geleistet, aber auch für gewisse Probleme gesorgt: «Es ist nicht so, dass sie nicht auch hart arbeiten würden. Aber hier ist man nebst der harten Arbeit dem Wetter ausgesetzt. Und als die Läden wieder öffneten, waren sie weg und unser kleines Stammteam stand allein da – mitten in der Hochsaison.»

Das sollte in diesem Jahr nicht passieren, sofern es keinen Coronafall gibt: «Im Worst Case müssen wir den Betrieb zu tun. Ich hoffe es nicht und wir wollen es gar nicht so weit kommen lassen», sagt Köhli.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 20.04.2021 06:31 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Meier  (Danimeier)
    Aber unsere Vertreter wollen diese Woche bezüglich dem Rahmenabkommen und dem Lohnschutz diskutieren. Derweilen bei uns tausende Billigarbeiter 12h/Tag, sechs Tage die Woche schuften zu Minimallöhnem. Aus der Region für die Region mit tausenden Menschen nicht so aus der Region sollte ein Slogan eine Geossverteilers eigentlich heissen.
  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Weitgereister)
    Wieso bekommen eigentlich diese Billigarbeiter eine Arbeitsbewilligung wenn es in der Schweiz momentan ca. 170‘000 Arbeitslose gibt?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Hans-Ulrich Rechsteiner: Viele dieser Hilfskräfte sind im Heimatland selber im Agrarsektor tätig und sind sich somit gewohnt, harte Arbeit zu erledigen. Ich denke, dass dies auf den grossen Teil dieser 170‘000 Schweizer Arbeitslosen nicht zutrifft.
    2. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      Weil man sich hier diese hohen Löhne, die man laut Gesetz bezahlen muss, als Unternehmen in dieser Branche einfach nicht leisten kann natürlich!
      Die Schweiz ist eine Hohpreis- und Hohlohninsel. Man braucht mit einer neuen Idee schon am Anfang richtig Kapital, um überhaupt die GmbH zu gründen und die Eintragung zu ermöglichen. Keine gute Ausgangslage für junge Leute. Man bezahlt für Admin und Staat ohne auch nur einen Rappen davon ins Produkt gesteckt zu haben.
  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Da schwatzt uns Ritter seit Monaten vor, es gehe um den Selbstversorgungsgrad, dafür sei Gift und Gülle das kleinere Übel. Dabei funktioniert die von ihm vertreteneLandwirtschaft bei geschlossenen Grenzen Gar nicht! Kein Kraftfutter, kein Gift, kein Treibstoff, und auch keine Arbeitskräfte.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andreas Diethelm: Wir sind inzwischen auf 8.7 Millionen Menschen angewachsen. Diese Menschen wollen gut, viel und günstig essen. Der Food Waste-Anteil der Privathaushalte ist ca. 30%. Die Menschen brauchen Ressourcen und Infrastruktur wie Wohnungen, Schulhäuser, Spitäler, Strassen, Freizeiteinrichtungen, etc. Wer da noch an Selbstversorgung glaubt, verschliesst die Augen vor den Tatsachen.