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Die Tücken von Chat-Diensten im Geschäftsleben
Aus Echo der Zeit vom 30.06.2019.
abspielen. Laufzeit 02:47 Minuten.
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Arbeitgeber muss zurückkrebsen WhatsApp-Lästereien sind kein Kündigungsgrund

Eine Angestellte machte ihren Chef im Privat-Chat auf dem Firmen-Handy schlecht. Die Kündigung deshalb war rechtswidrig.

Es war im Juni vor zwei Jahren, als der Geschäftsführer einer Zürcher Firma aus dem Dienstleistungssektor die Geschäfts-Handys seiner Angestellten einforderte. Es sollte routinemässig kontrolliert werden, dass auf den Geräten keine privaten Apps installiert waren.

Auf dem Handy seiner Assistentin entdeckte der Geschäftsführer den weit verbreiteten Chat-Dienst WhatsApp. Er las die privaten Nachrichten der Frau und entdeckte, dass sie in einem Chat mit einer anderen Mitarbeiterin ehrverletzende Aussagen über ihn gemacht hatte.

Ausserdem hatte die Frau der Mitarbeiterin Geschäftsgeheimnisse verraten, eine weitere Mitarbeiterin massiv gemobbt und einmal eine Krankheit vorgetäuscht. All dies war in den WhatsApp-Chats ersichtlich.

Fristlose Kündigung war rechtswidrig

Der Geschäftsführer kopierte die Chats als Beweismittel – und entliess seine Assistentin fristlos, denn sie habe die arbeitsvertragliche Treuepflicht massiv verletzt und gar strafbare Handlungen begangen. Die Frau wehrte sich gegen die fristlose Kündigung. Sie hat nun vor Zürcher Obergericht Recht bekommen.

Im Urteil, das heute veröffentlicht wurde, heisst es, der Arbeitgeber habe sich seine Beweise für die fristlose Kündigung rechtswidrig beschafft. Der Geschäftsführer argumentierte zwar, er habe die Chats nur gelesen, weil er herausfinden wollte, ob es sich um geschäftliche oder private Nachrichten handelte – aber dies liess das Gericht nicht gelten.

Der Geschäftsführer habe gar kein Recht gehabt, die privaten Nachrichten der Frau zu lesen, denn schliesslich habe es keinen konkreten Verdacht gegen sie gegeben.

Chef verletzte Geheimsphäre der Mitarbeiterin

Zwar habe die Frau mit der WhatsApp-Installation auf dem Geschäfts-Handy und den privaten Chats wohl die Anstellungsbedingungen der Firma verletzt, so das Gericht. Aber um das zu sanktionieren, hätte der Chef die App einfach vom Gerät löschen können. Indem er aber die Nachrichten las, habe er die Geheimsphäre seiner Mitarbeiterin verletzt, und zwar in «nicht zu unterschätzender Weise».

Das Recht der Frau auf Geheimsphäre sei im vorliegenden Fall klar höher zu werten als das Interesse des Arbeitgebers auf Wahrheitsfindung. Das Obergericht bestätigt deshalb das Urteil des Zürcher Arbeitsgerichts: Die fristlose Kündigung war ungerechtfertigt. Die Frau, die im Chat Geschäftsgeheimnisse verraten und ihren Chef und eine Mitarbeiterin schlecht geredet hatte, bekommt nun eine Lohnnachzahlung und eine Entschädigung – ihren Job ist sie aber los.

SIM-Karte entfernt – trotzdem aufgeflogen

Die Angestellte entfernte zwar als Vorsichtsmassnahme die SIM-Karte, bevor sie das Handy zur Kontrolle dem Arbeitgeber übergab. Sie wusste aber nicht, dass der Whatsapp-Chat auf dem Handy gespeichert war – und nicht auf der Karte. Er verschwand somit nicht und das Unternehmen konnte nachlesen, mit welch saftigen Fluchwörtern die junge Frau über den Chef herzog. (sda)

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller  (HPMüller)
    Eigentlich ist der Titel falsch.Künden hätte der Chef jederzeit dürfen,dazu braucht es in der Schweiz in der Privatwirtschaft keinen expliziten Grund.Und die Dummheit privat über ein Geschäftsnatel zu chatten und das noch negativ,ist sicher Grund genug.Er hätte einfach nicht fristlos künden dürfen.Und dass das Mobbing nicht aufgefallen ist bis zum Lesen der Nachrichten ist ein Armutszeugnis für die Firma.Vielleicht sollten sie nicht nur bei der Rechtsberatung über die Bücher,sondern auch beim HR
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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Ich hätte mich zuerst von einem Juristen beraten lassen, wie man mit dieser Person umgehen könnte. Gekündigt hatte ich ihr sicher, und sie zusätzlich wegen übler Nachrede angezeigt.
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  • Kommentar von Adrian Nydegger  (Adrian Nydegger)
    Unfassbar, wiedermal schützt die Justiz einen Täter und argumentiert verfahrenstechnisch und prozessual. Was Recht und was Unrecht ist scheint in der Rechtsprechung je länger je mehr irrelevant zu sein. Natürlich hat sich der Arbeitgeber hier auch nicht juristisch korrekt verhalten. Dass nun aber dieses Fehlverhalten dazu führt, dass die ursprüngliche Delinquentin straffrei und ohne Konsequenzen davon kommt, ist sehr störend.
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    1. Antwort von Hans-Peter Grüter  (HP Grueter)
      Naja, Täter.. Jeder der über seinen Vorgesetzten mit Kolleginnen motzt ist grad ein Täter??
      Haltet mal den Ball flach...
      Grad schlau war die "Täterin" tatsächlich auch nicht.
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