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Evelyn Motschi, Jungfreisinnige: «Ohne Atomstrom haben wir eine neue Defizitlücke»
Aus News-Clip vom 22.04.2022.
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«Arena» zur Energie-Debatte Pro Atomstrom: Jungfreisinnige legt sich mit Energiepolitiker an

Woher soll künftig unser Strom kommen? Diese Frage hat in der «Arena» Politikerinnen und Politiker gespalten. Insbesondere das Thema Atomenergie sorgte für heftig Kontroversen. Dabei hielt Jungpolitikerin Evelyn Motschi dem arrivierten Energiepolitiker Stefan Müller-Altermatt eine Standpauke.

Bis 2050 könnte gemäss Schweizer Kompetenzzentrum für Energieforschung die Stromnachfrage in der Schweiz um bis zu 50 Prozent steigen; insbesondere wegen der Elektrifizierung beim Transport und Heizen. Weil überdies mit weniger Stromimporten aus der EU zu rechnen ist, droht der Schweiz möglicherweise eine Stromlücke. Auch der derzeitige Krieg in der Ukraine gefährdet die Versorgungssicherheit zusätzlich.

In der Frage, woher in Zukunft bei einer allfälligen Strommangellage unser Strom kommen soll, gingen die Meinungen in der «Arena» weit auseinander.

Die Energiestrategie des Bundes ist nicht mehr zeitgemäss.
Autor: Evelyn Motschi Mitglied Jungfreisinnige

«Diese riesige Stromlücke können wir nicht ohne Kernenergie schliessen», sagte Evelyn Motschi in der Sendung am Freitagabend. Für die Jungfreisinnige ist klar, dass neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien nun auch «kurzfristige Massnahmen» angebracht sind: «Ein Strommix muss her.»

Die Erhaltung der bestehenden Atomkraftwerke sei dabei unabdingbar. Auch den Neubau von KKW der neuesten Generation schloss Motschi nicht aus. Ihr Verdikt zur Energiestrategie des Bundes: «Sie ist schlicht nicht mehr zeitgemäss.»

Die Gäste in der «Arena»

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  • Monika Rühl, Direktorin Economiesuisse
  • Christian Imark, Nationalrat SVP/SO
  • Gabriela Suter, Nationalrätin SP/AG
  • Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat Mitte/SO

Im Vis-à-vis:

  • Evelyn Motschi, Mitglied Jungfreisinnige/AG
  • Franz Liebermann, Unternehmer
  • Hans-Jörg Dietiker, Elektroingenieur

Den gestandenen Politikerinnen und Politikern in der Hauptrunde auf Augenhöhe begegnend, heizte die Jungpolitikerin die Diskussion um die zukünftige Strom- und Energieversorgung an.

Direkt angesprochen war Stefan Müller-Altermatt. Der Mitte-Nationalrat hatte als damaliger Präsident der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie die Energiewende und mithin den Ausstieg aus der Atomenergie mitgeprägt.

Ein neues AKW kommt viel zu spät und ist zudem die teuerste Stromquelle, die man erbauen könnte.
Autor: Stefan Müller-Altermatt Nationalrat, Mitte

Den Bau neuer Kernkraftwerke als kurzfristige Lösung zu fordern, sei illusorisch, konterte Müller-Altermatt. Rechnete man Investoren- und Standortsuche sowie den Bau des Kraftwerks mit ein, vergehe viel Zeit. Bis dann müsse das Stromproblem längst gelöst sein. «Ein neues AKW kommt viel zu spät und ist zudem die teuerste Stromquelle, die man bauen kann.»

Motschi hielt ihm entgegen, dass auch erneuerbare Energien nicht von heute auf morgen bereitgestellt werden könnten, und wirft der linken Seite fehlenden Pragmatismus vor. «Wir müssen weg von diesem idealistischen Denken.» Es sei schlicht nicht tragbar, jetzt die AKWs abzuschalten.

Förderung erneuerbarer Energien statt AKW-Subventionierung?

Die Lösung sei «eine geschickte Kombination von erneuerbaren Energien, die sich gegenseitig flexibel ergänzen», widerspricht ihr SP-Nationalrätin Gabriela Suter. Es sei ein Trugschluss zu glauben, das funktioniere auch mit der «Uralt-Technologie Atomkraft», die Bandenergie produziere.

Würden die erneuerbaren Energieträger auf den zur Verfügung stehenden Flächen ausgebaut, könnte die Schweiz mehr Strom produzieren, als sie heute verbraucht. Suter nennt als konkrete Beispiele etwa Solarpanels auf Hausdächern oder Fotovoltaikanlagen in den Alpen.

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Gabriela Suter, SP-Nationalrätin: «Erneuerbare Energien müssen gefördert werden»
Aus News-Clip vom 22.04.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 36 Sekunden.

«Wir sind jahrelang auf der Bremse gestanden bei den erneuerbaren Energien», bemängelt die SP-Nationalrätin. Die Diskussion um neue AKW verhindere dabei echte Lösungen. «Kommt hinzu, dass das Entsorgungsproblem nicht gelöst ist: Es gibt weltweit kein funktionierendes Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle», sagte Suter.

Auch bei der Zuständigkeit stehen Fragezeichen

Auch die neuesten Forderungen vonseiten des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse kamen in der «Arena» zur Sprache. Präsident Christoph Mäder hatte unlängst vorgeschlagen, dass Kernkraftwerke mit staatlichen Geldern gefördert werden sollen, wenn sie für den Betreiber nicht mehr rentabel sind.

«Wir wollen Technologieoffenheit», präzisierte Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands. Einer etwaigen Strommangellage sei in erster Linie mit Wasserkraft, Solar- und Windenergie entgegenzuwirken. Sollten die Erneuerbaren aber nicht ausreichen, um die Versorgungssicherheit das ganze Jahr über zu gewährleisten, müsse die Möglichkeit bestehen, die bestehenden Kernkraftwerke länger zu betreiben.

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Wieso braucht es einen Schutzschirm für die Stromunternehmen?
Aus SRF News Videos vom 22.04.2022.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 13 Sekunden.

«Es geht darum, AKW nicht leichtfertig und überhastet abzuschalten, nur um dann überrascht zu sein, dass wir zu wenig Strom haben.» Dabei müsse stets die Sicherheit der bestehenden AKW gewährleistet sein, betonte Monika Rühl.

Die Schweiz hat keine Strategie für die künftige Stromversorgung.
Autor: Christian Imark SVP-Nationalrat

Als Befürworter von neuen AKW bemängelte derweil SVP-Nationalrat Imark die Energiestrategie des Bundesrats. Diese sei planlos. «Die Schweiz hat keine Strategie für die künftige Stromversorgung.» Für Imark ist deshalb klar, dass es jetzt einer schonungslosen Analyse der Situation bedarf. «Wir müssen das Problem erkennen, bevor wir zu einer Lösung kommen.»

Ob die Lösung mit oder ohne Atomstrom daherkommt – der Tenor bei den engagiert mitdiskutierenden Publikumsgästen in der «Arena» war eindeutig, als sie am Schluss der Sendung nochmals zu Wort kamen: «Wir müssen vorwärtsmachen.»

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Mit AKW gegen die Stromlücke?
Aus Arena vom 22.04.2022.
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«Arena», 22.04.22, 22:25 Uhr

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145 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community, wir bedanken uns für die spannende Debatte und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Thomas Michel  (Don Thomas)
    Keine Kommentarfunktion mehr zu relevanten Themen.
    Beschämend.
  • Kommentar von Daniel Müller  (Filter11)
    Wenn die rechtsbürgerlichen von SVP und FDP etwas von Wirtschaft und Energietechnik etwas verstehen würden, dann müssten diese die erneuerbaren Energien fördern. Nichts ist so günstig wie Photovoltaik. Dafür gibt es genügend Studien. Und erst noch schnell verfügbar. Aber eben, ich kann diese Leute wie Motschi und Imark nicht verstehen. Als Unternehmer bereitet mir diese Entwicklung zum Nichtverstehen und Blockieren der Zukunftstechnologien grosse Mühe.
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      D.M. So wie ich versanden habe, möchten alle erneuerbare Energien, da hat wohl niemand etwas dagegen. Ob die Energieversorgung gewährleistet ist, dies ist doch die grosse Frage. Sind bei Einsprachen nicht auch hauptsächlich Naturschützer und Grüne dabei? Es nützt doch einfach nichts, wenn Politik gegenseitige Beschuldigungen sich ewig im Kreise drehen. Sondern man sollte der eventuelle Engpass in Energie ernst nehmen und ALLE Möglichkeiten, Interessen berücksichtigen und ausschöpfen inkl. AKW.
    2. Antwort von Pascale von Planta  (Pascale)
      @Müller: ev.haben Sie etwas falsch verstanden.Die grosse Mehrheit der "Bürgerlichen" dito Economie Suisse ist für erneuerbare Energien und den schrittweisen Ausstieg aus den Fossilen.ABER man besteht auf einem STROMMIX.Da gehört auch die Kernenergie der 4.Generation dazu.Die Bürgerlichen wehren sich, dass nur schon das Denken über Kernenergie nicht mehr salonfähig sein darf seitens Linke & Grüne. Somit wird auch die Forschung an der Kernenergie verlangsamt.
      Vorwärts machen lautet die Devise.
    3. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Welche «erneuerbaren Energien»? Mit dem montieren von Photovoltaikanlagen und einem Wechselrichter, ist es nicht getan, Daniel Müller. Zudem boomt die Photovoltaik seit den 90er Jahren und wird mit Steuergeldern seitdem subventioniert, jedoch ihr Anteil am Gesamtenergieverbrauch ist bis heute nicht der Rede wert (ca. 0,8%). Wie Sie nun die Photovoltaik als Zukunftstechnologie, als Unternehmer, bezeichnen können, obwohl über 30 Jahre alt, bleibt wohl Ihnen vorbehalten. (...)