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Armut in der Schweiz hat zugenommen
Aus Tagesschau vom 04.07.2019.
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Armutsquote stark gestiegen Jede zwölfte Person in der Schweiz ist arm

Die Armut trifft bereits 675'000 Menschen. Alleinerziehende Mütter, Kinder und Langzeitarbeitslose leiden besonders.

Kein Geld für Schuhe, kein Geld für Ferien, kein Geld für die Badi: Die Armut in der Schweiz hat in den Jahren 2014 bis 2017 um 20 Prozent zugenommen. Das zeigt der neueste statistische Sozialbericht des Bundes.

Armut ist in der Schweiz wie folgt definiert: Wenn eine vierköpfige Familie mit weniger als 4000 Franken im Monat auskommen muss, ist sie arm. Für den Anstieg der Armut findet der Soziologe und Armutsforscher Franz Schultheis klare Worte. «Das ist ein skandalöser Tatbestand.»

Dabei zeigt der Sozialbericht, dass gewisse gesellschaftliche Gruppen ein besonders ausgeprägtes Armutsrisiko haben. Dazu gehören alleinerziehende Mütter, welche die Kinderbetreuung mit der Arbeit vereinbaren müssen. Das besondere Problem: Angesichts der knappen und häufig sehr teuren ausserhäuslichen Betreuungseinrichtungen bleibt ihnen nur die Teilzeitarbeit.

Das ist ein skandalöser Tatbestand.
Autor: Franz SchultheisSoziologe und Armutsforscher, emeritierter Professor Universität St. Gallen

Eine Kindheit in Armut

Darunter leiden auch über 70'000 Kinder und damit die Schwächsten in der Gesellschaft: «Häufig gibt es bei armutsbetroffenen Kindern in der Schweiz eine viel höhere Krankheitsquote. Die Kindheit, die von Armut betroffen wird, ist ganz besonderen verschiedenen Risiken ausgesetzt», sagt der emeritierte Professor der Universität St. Gallen.

Häufig ist bei armutsbetroffenen Kindern in der Schweiz die Krankheitsquote viel höher.
Autor: Franz SchultheisSoziologe und Armutsforscher, emeritiertes Professor Universität St. Gallen

Entlassen mit über 50

Eine weitere Gruppe, die überdurchschnittlich unter Armut leidet, sind die Langzeitarbeitslosen. Davon sind Personen über 50 speziell betroffen: «Man weiss, dass diese älteren Arbeitnehmenden auch wegen der Sozialabgaben teurer sind. Bei ökonomisch bedingten Entlassungen sind sie als erste dran.» Zudem hat es Altersgruppe 50+ dann auch besonders schwer, wieder eine Stelle zu finden.

Armut wird in der Schweiz als Problem unterschätzt. Sie führt auch zur sozialen Ausgrenzung.
Autor: Franz SchultheisSoziologe und Armutsforscher, emeritierter Professor Universität St. Gallen

Nicht übermässig von Armut betroffen sind dagegen Pensionierte. Viele von ihnen haben ein gewisses Vermögen angespart. Damit können sie zumindest teilweise die tieferen Einkommen kompensieren.

Soziale Ausgrenzung

Armut in der Schweiz werde als Problem unterschätzt, sagt Schultheis: Denn den Betroffenen fehlen oft die Mittel, am kulturellen und sozialen Leben teilzunehmen – zum Beispiel Freunde zum Essen einzuladen. Das ist laut Schultheis eine Form der Armut, die zur sozialen Ausgrenzung führt.

Immerhin gibt es auch einen positiven Aspekt: Laut Sozialbericht haben die staatlichen Unterstützungsleistungen wesentlich dazu beitragen, Armut zu reduzieren. Ohne diese Zuschüsse wäre die Armutsquote in der Schweiz mehr als doppelt so hoch.

Der aktuelle Bericht des Bundesamts für Statistik fasst die jüngsten sozialen Entwicklungen zusammen. Massnahmen schlägt er keine vor, sondern bietet eine Datengrundlage für die Politik. Diese kann daraus nun Massnahmen ableiten, um die Armut weiter zu bekämpfen.

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101 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Zunahme der Reichen auf der einen Seite (Absaugen des Geldes vom Mittelstand und den Aermeren zu eigenen Zwecken), zunehmende Armut auf der anderen Seite bedeuten der langsame, beharrliche Untergang der Zivilgesellschaft, wobei - doppelt ungerechterweise - zuerst die Armen zugrunde gehen würden...Gegensteuer geben ist also überlebenswichtig.Einer der ersten Schritte könnte der 20. Okt. sein. Leute wählen, die eher weniger Geld haben, dafür genügend soziale Kompetenzen-auch für Minderbemittelte!
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    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      … leider gibt's weder rechts noch links KandidatInnen welche diese Kriterien erfüllen.
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    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nur ist eben auch diese Aussage, dass die Reichen reicher werden und die Armen ärmer, statistisch nicht zu belegen. Im Falle der Schweiz bewegt sich der Gini Koeffizient in einer Bandbreite seitwärts. Es gab in den letzten 60ig Jahren mehrmals Zeiten in denen die Schweiz wesentlich ungleicher, sprich die Reichen eben noch reicher waren. Auch die obige Statistik zeigt auf, dass die Armutsquote 2007 mit über 9% schon viel höher war. Sie war aber 2013 bei unter 6%, also 30% tiefer!
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Es wird von rechtsbürgerlicher Seite moniert, der Sozialstaat sauge (steuerlich) den Mittelstand aus.Dabei wird nie erwähnt oder wird gerne verschwiegen, dass enorme Summen steuerlich hinterzogen bzw. betrogen werden,es sind dies bei 18 Mia Fr. Hey, jährlich dieses Geld!! Zwei Dinge auf einen Schlag gäbe es: Mit diesem Geld liesse sich wohl spielend das Sozialwesen finanzieren und evtl. würde es dazu reichen, steuerlich den Mittelstand etwas zu entlasten.Also Wege öffnen gegen Steuerkriminelle!
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    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Ueli von Känel - ich hab schon immer gesagt: Sozial Detektive Ja, aber dann bitte schön auch Steuerbetrugs- und Offshore Detektive! Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle!
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    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Interessante Zahl, aber wie belastbar ist sie und was bedeutet sie, hinterzogene oder ertrogene Steuererträge, oder handelt es sich um Vermögen/Arbeitserträge/Gewinne die nicht deklariert wurden! Letzteres wäre nur Schall und Rauch! Nur um die Relationen zu sehen, der schweizerische Sozialstaat kostet den Steuer- und Abgabenzahler ca. 150 Mia. Fr. Die Anzahl der dort tätigen stieg zwischen 1995 und 2017 um ca. 72% - bei einer nahezu konstanten Armutsquote! Vielleicht sollte man da schneiden!
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    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Ich korrigiere: Statt „Sozialwesen“ müsste es überall heissen: „Sozialhilfebezüger“. Danke für die Kenntnisnahme!
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    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @U. Känel
      Wer bezahlt eigentlich wie viel Steuern? Wissen Sie eigentlich wie viel Steuern man so mit einem richtigen Einkommen zahlt Herr Känel? Sagen wir einmal wie viele Steuern bezahlt ein Haushalt mit einer Million Einkommen und wieviele Steuern die Armen bezahlen, nehmen wir als Beispiel in Biel oder Bern, oder auch Zürich. Wissen Sie es? Was ich weiss, dass in Biel bespielsweise 50% der Haushalte gar keine Steuern bezahlen! Nur dass wir auch die Ursache Ihrer Neidkultur kennen!
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Grafik über die Entwicklung der Armutsquote macht eigentlich klar, dass wir langfristig betrachtet offensichtlich immer irgendwo zwischen 6 und 9.5% Arme hatten. Die Armutsquote nimmt statistisch über die letzten 12 Jahre nicht zu, sondern bewegt sich in einer Bandbreite. Die Feststellung, dass sie seit 2014 um 20% zugenommen hat ist durchaus richtig, nur ist es ebenso richtig, dass sie zwischen 2007 und 2014 um über 30% abgenommen hat eben auch richtig. Die Quote scheint stabil zu sein.
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    1. Antwort von Yasha Bostic  (YashaB)
      Es stimmt was Sie sagen, bis auf den letzten Satz. Wir können nicht sagen, ob die Quote stabil ist. Was wir sagen können ist, sie seit 2013 in einem Aufwärtstrend begriffen, von dem wir nicht wissen, wann er endet.

      Mit der Annahme des unsäglichen STAF wird der Abbau staatlicher Leistungen weitergehen, was eine weitere Zunahme bewirken dürfte.
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