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Asteroidenmond «Sensationelle Entdeckung» durch kleine Sternwarte

Die Sternwarte Schafmatt hat einen Asteroidenmond aufgespürt. Fachleute sprechen von einer sensationellen Entdeckung.

Er sei ganz aus dem Häuschen gewesen: «Mir wurde schlagartig klar, dass ich jetzt etwas ganz Besonderes entdeckt habe», sagt Hobby-Astronom Josef Käser. «Da war ich einfach happy.» Dass er an diesem Sommerabend einen Mond bei einem Asteroiden entdecken könnte, damit hatte er nicht gerechnet.

Die Sternwarte Schafmatt
Legende: Die Sternwarte der Astronomischen Vereinigung Aarau steht auf der ersten Jurakette, auf der Schafmatt zwischen Rohr SO und Oltingen BL, 840 Meter über Meer. SRF / Beni Minder

Doch so war es, um 1.00 Uhr morgens am 13. Juli. Das Ziel von Josef Käser auf der Sternwarte Schafmatt war es, Grösse und Form eines Asteroiden - in der Fachsprache bekannt als (108968) 2001 PE40 - zu bestimmen. Aufschluss darüber gibt die genaue Zeit, in welcher der Asteroid einen Stern verdecken kann. Erwartungsgemäss gelang dies dem Asteroiden für 1,1 Sekunden.  

Ein Schatten lässt tief blicken

Doch dann passierte das völlig Unerwartete: Etwa 1.5 Sekunden nach dem Wiedererscheinen des Sterns verschwand das Sternenlicht noch ein zweites Mal für einen Bruchteil einer Sekunde! Was war das denn? Vermochte etwa ein Flugzeug oder ein Satellit den Stern nochmals zu verdecken? Oder gar ein Vogel oder eine Fledermaus?

Josef Käser am Teleskop
Legende: Josef Käser war «aus dem Häuschen», als ihm klar wurde, was er entdeckt hatte. SRF / Beni Minder

Nein. Weil befreundete Astronomen in Eberfing in Deutschland dieselbe Beobachtung aufgezeichnet haben, gibt es für die Experten nur eine mögliche Schlussfolgerung: Der bedeckende Asteroid wird von einem bis anhin unbekannten Mond umrundet.

Josefs Käsers Faszination liegt in der Präzision

Die kurze Bedeckung des Sterns durch den Mond - so nennt man es, wenn der Stern kurz nicht mehr sichtbar ist - war nicht nur von blossem Auge zu erkennen, Josef Käser hat die Bedeckung detailliert aufgezeichnet und später ausgewertet. Anhand der Daten konnte bestimmt werden, dass der längliche Asteroid eine Grösse von 12.6 x 6.8 km aufweist. Sein neu entdeckter Mond dagegen ist nur 2.9 x 1.83 km gross und umkreist den Asteroiden in einem Abstand von 23.9 Kilometern.

Josef Käser ist seit 50 Jahren Hobby-Astronom, er konnte schon mehrfach Sternverdeckungen aufzeichnen. Doch die Entdeckung eines neuen, unbekannten Mondes sei das Highlight seiner astronomischen Karriere. «Wenn Sie sich vorstellen, dass ein solcher Asteroid seit 400 Millionen Jahren durch den Weltraum rast, und dass er das Licht eines anderen Sterns, wenn man von der Schafmatt her ins All sieht, nur für etwas mehr als eine Sekunde zu verdecken mag, dann finde ich es faszinierend, welche Präzision dahinterstecken muss, um einen Asteroidenmond entdecken zu können.»

Experte: «Ein sehr schöner Erfolg»

Doch wie hoch ist diese Entdeckung wissenschaftlich zu bewerten? Auf der Webseite der Zeitschrift Orion, der Schweizer Fachzeitschrift für Astronomie-Interessierte, ist die Rede von einer «sensationellen Entdeckung». Ganz so weit will Marc Eichenberger, Präsident der Schweizerische Astronomische Gesellschaft SAG, nicht gehen. In Fussball-Terminologie: Diese Entdeckung sei zwar vergleichbar mit einem Schweizermeister-Titel aber nicht mit dem Sieg der Champions-League.

Ein Globus auf der Schafmatt
Legende: Zuletzt wurden weltweit ein paar ähnliche Monde entdeckt, sagt Marc Eichenberger, Präsident der Schweizerische Astronomische Gesellschaft SAG. SRF / Beni Minder

«Für die Schweiz ist diese Entdeckung ein sehr schöner Erfolg, aber es ist nicht so, dass eine solche Entdeckung nur einmal in 100 Jahren gelingen würde.» In den letzten Jahren seien weltweit ein paar Asteroiden-Monde gesichtet worden. Jede dieser Entdeckungen sei ein Puzzleteilchen in der Klein-Planeten-Forschung.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 29.8.2025, 17:30 Uhr ; 

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