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Asyl-Algorithmus im Fokus «Leider fehlt die Sprache als Kriterium»

Legende: Audio Balthasar Glättli begrüsst den Asyl-Algorithmus, übt aber auch Kritik daran. abspielen. Laufzeit 7:57 Minuten.
7:57 min, aus HeuteMorgen vom 11.05.2018.

Asylsuchende in der Schweiz sollen künftig nicht mehr nach dem Zufalls-Prinzip auf die Kantone verteilt werden, sondern gesteuert durch künstliche Intelligenz. Nationalrat Balthasar Glättli, Fraktionschef der Grünen, äussert sich positiv, meldet aber auch Bedenken an. Er hat sich im Parlament bereits für eine bessere Berücksichtigung der Sprachkenntnisse bei der Kantonszuteilung stark gemacht.

SRF News: Sie haben auf Twitter erfreut auf den Algorithmus reagiert, aber auch mit gewissen Vorbehalten. Wieso?

Balthasar Glättli: Bisher hat man den Computer ja auch schon eingesetzt – allerdings um Personen gegen jeden Menschenverstand zufällig auf die Kantone zu verteilen. Jetzt soll intelligenter verteilt werden. Ich frage mich aber, warum dann beispielsweise Menschen mit Französischkenntnissen nicht gleich an die welschen Kantone zugewiesen werden sollen.

Soll damit nicht die von den Kantonen ungewollte «Ghettoisierung» in einer Sprachregion verhindert werden?

Genau das verstehe ich nicht. Denn der Rucksack, den die Menschen auf der Flucht mitbringen, soll ganz ausgepackt und voll genutzt werden. Sei es für eine beschränkte Zeit, sei es, dass jemand länger bleibt und hier ein Leben aufbaut. Beim Thema «Ghettoisierung» denkt man an Aussenquartiere von Brüssel oder Paris. In allen Westschweizer Kantonen wird aber Französisch gesprochen, zum Teil sind es gar zweisprachige Kantone wie Bern. Überall dort hätten französisch-sprechende Asylbewerber eine extrem viel bessere Startchance. Es wäre blöd, diesen Menschen als erstes teure und mühsame Deutschkurse in Zürich oder im Bündnerland zu geben.

In den meisten Herkunftsländern wird keine Schweizer Landessprache gesprochen. Ist da der Sprach-Ausschluss nicht logisch?

Tatsächlich soll der Algorithmus auf das Wichtige schauen und nicht auf das, was mir oder den Kantonen passt. Wenn aber Menschen bereits eine Sprache beherrschen, die in der Schweiz gesprochen wird, sollte das berücksichtigt werden. Und wenn es nur wenige sind, ist die Angst vor einer «Ghettoisierung» umso unbegründeter.

Fehlen im Konzept noch andere Kriterien neben der Sprache?

Ich denke zum Beispiel an berufliche Erfahrungen oder Ausbildungen universitärer Art. Allerdings kenne ich den Algorithmus noch nicht im Detail. Ich hoffe aber, dass neben Alter, Geschlecht und Herkunftsland weitere Elemente berücksichtigt werden. Besonders stossend ist heute, dass Menschen mit einem Universitätsabschluss, beispielsweise Ärzte aus Syrien, nach einer Schnellbleiche nicht einmal als medizinisches Unterstützungspersonal zugelassen werden.

Das Interview führte Hans Ineichen.

So funktioniert der Asyl-Algorithmus

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Der Algorithmus rechnet die Daten von zehntausenden Asylsuchenden durch, die in der Vergangenheit in der Schweiz aufgenommen worden sind. Berücksichtigt werden unter anderem Alter, Geschlecht, Nationalität und insbesondere die Frage, welche Personen in welchem Kanton am ehesten Arbeit gefunden haben. Diese Erkenntnisse wendet der Algorithmus dann auf Neuankömmlinge an und teilt jede Person dem Kanton zu, wo diese am schnellsten eine Arbeit finden könnte. Die Behörden erhoffen sich dadurch einen Anstieg der Erwerbstätigkeit von bis zu 30 Prozent im dritten Aufenthaltsjahr.

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109 Kommentare

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  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Ich sehe halt schon eine Problematik mit diesem System. Auch weil man so Familien auseinanderreist. Darum wird es auch nicht funktionieren. Weil man doch bei seiner Familie oder Freunden leben will. Zudem geht dieses System davon aus, wie alle Asylbewerber arbeiten wollen. Dies ist nicht der Fall wie eine entsprechende Analyse zeigte. Mit Menschen mit ehrlichen Asylgründen muss man aber weiter helfen. Leider will die SP,Grünen nicht helfen. Nur in die eigene Tasche politisieren. Sehr traurig.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Gesunder Menschenverstand kann eine Aufteilung ohne weiteres vornehmen. Ein teurer Asyl-Algorithmus ist nicht notwendig. Jemand der gewillt ist sich zu integrieren braucht keine 3 und 7 Jahre um eine Sprache zu erlernen oder eine Arbeit zu finden. Es fehlen vielfach die Schul- und Berufsbildung. Trotzdem wird immer von schneller Arbeitsintegr. gesprochen, wie und wann !! Solange wir keine kürzere Verfahren u entsprechend. Ausschaffungen haben, kann das Problem nicht gelöst werden !
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  • Kommentar von Oskar Schneider (Oski2)
    @Steiner.........""""das bedingungslose Gundeinkommen einführen müssen!"""""""" Das wird es dann auch nicht mehr geben weil alles schon jetzt im Asylwesen verpulvert wird. Es geht wie den Kartoffeln, (d'Auge göhn im Drägg uff).
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