Zum Inhalt springen

Header

Video
Papst-Audienz mit Missbrauchsopfern
Aus Tagesschau vom 02.03.2019.
abspielen
Inhalt

Audienz im Vatikan Papst entschuldigt sich bei zwei Schweizer Missbrauchsopfern

Nach dem Treffen sind die ehemaligen Opfer zufrieden. Aber der Kampf gegen den sexuellen Missbrauch müsse weitergehen.

Vor einer Woche ging im Vatikan eine Konferenz zum Missbrauch in der katholischen Kirche zu Ende. Opfer wurden keine angehört. Aber nach jahrelangem Warten hat der Papst heute zum ersten Mal eine Gruppe von Schweizer Missbrauchsopfern in einer Audienz empfangen.

Unter ihnen Agnes Würgler und Mario Delfino, die Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. «Der Papst hat sich entschuldigt. Und ich hoffe, dass er jetzt etwas unternimmt», sagt Agnes Würgler (74).

Zur Strafe zum Priester aufs Zimmer

Zusammen mit ihren beiden Brüdern wuchs sie in den 1950er Jahren in einem Heim in Malters (LU) auf, das von Ordensfrauen geführt wurde. «Sie haben uns täglich geschlagen. Man wusste manchmal gar nicht, warum. Wir wurden eingesperrt und sind die ganze Nacht auf dem kalten Boden gelegen. Es war einfach schlimm und Horror», erzählt Agnes Würgler.

Es wurde aber noch schlimmer, wenn sie zur Strafe zum Priester geschickt wurden: «Der Priester hatte bei uns im Heim ein Zimmer. Er hat uns sexuell missbraucht, vor allem meine zwei Brüder. Auch ich musste in das Zimmer und hatte nachher jahrelang Probleme. Meine Brüder haben sich später das Leben genommen, weil sie damit nicht mehr fertig wurden.»

Agnes Würgler.
Legende: Agnes Würgler. SRF

Diese Erlebnisse erzählte Agnes Würgler Papst Franziskus und gab ihm einen Ratschlag: «Er muss etwas machen, damit das nicht mehr geschieht und dass die Priester vielleicht heiraten dürfen. Das wäre doch auch eine Lösung.»

Missbraucht in der Erziehungsanstalt

Beim Papst war auch Mario Delfino (62). Er ist ebenfalls ein Opfer von sexuellem Missbrauch. «Der Papst hat sich entschuldigt – das war für mich das Wichtigste. Es ist eine ganz schlimme Zeit gewesen und er hat sich mit guten, lieben Worten für uns eingesetzt und uns gesagt, dass er jederzeit für uns da ist», sagt Mario Delfino nach der Audienz.

Der Vollwaise wurde in einer Erziehungsanstalt in Knutwil (LU) platziert, die von Ordensbrüdern geführt wurde. Er wurde in den 1960er Jahren schwer misshandelt und sexuell missbraucht.

Auch Mario Delfino hat dem Papst davon berichtet: «Ich bin wirklich sehr dankbar, dass der oberste Kirchenführer uns angehört und angeschaut hat, dass wir jetzt sichtbar sind.»

Mario Delfino.
Legende: Mario Delfino. SRF

Sichtbar sein und Zeugnis über das Erlittene ablegen, auch um zu verhindern, dass solches wieder geschieht. «Die Kontrollsysteme sind nicht so gut. Ich glaube, der Papst wird eine sehr grosse Arbeit haben mit seinen Leuten, um das ausmerzen zu können», sagt Delfino.

Der Papst habe ihnen immerhin versprochen, jedem Missbrauchsfall nachzugehen und der staatlichen Justiz zu überführen. Diese Aussage hat den beiden Opfern Mut gemacht. Trotzdem merkt man Mario Delfino und Agnes Würgler an, dass es ihnen schwerfällt, darüber zu sprechen: «Es war wirklich die Hölle, sehr schlimm. Das werde ich mittragen, mein Leben lang. Es geht mir zwar gut, aber es kommt immer wieder hoch und man kann das nicht wieder gut machen.»

Guido Fluri.
Legende: Guido Fluri, Präsident der Guido Fluri Stiftung (Wiedergutmachungs-Initiative). SRF

Für diese besondere Papst-Audienz gekämpft hatte Guido Fluri, Unternehmer und Initiator der Wiedergutmachungs-Initiative. «Diese Missbräuche, die enden nie. Die Geschichte wird ewig in diesen Menschen drinbleiben. Man muss jetzt die Aufarbeitung vorantreiben, die beginnt erst jetzt. Ganz entscheidend ist, was Papst Franziskus gesagt hat, in erster Linie die Nulltoleranz. Er hat klar bekräftigt, dass diese monströsen Täter weltlichen Gerichten zugeführt werden, dass hat er auch so bezeichnet, damit die Gesellschaft geschützt werden kann.»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dölf Meier  (Meier Dölf)
    Kennt jemand eine Organisation in welcher nur unfehlbare Menschen sind? Die Bibel ist die Grundlage aller christlichen Gemeinden. Leider erliess die katholische Kirche ihre, teilweise nicht mit der Bibel zu vereinbarenden Gesetze. Mit dem Zölibat hat sie nun die liebe Mühe, ihr Bodenpersonal überaltert. Doch, aus der heutigen Dekadenz und Gottesferne werden wir noch viel Ungemach erleben. Deshalb verzichte ich auf "Krimi",
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andreas Meier  (Parteineutral)
    Verstehe schon: Der Papst ist das Oberhaupt dieses ach so menschlichen Konstrukts. Aber kein Mensch kann sich für andere Menschen entschuldigen.
    Vielleicht eher für eine fehlgeleitete Kirche oder deren falschen Dogmen.
    Darnach ist Korrektur angesagt.
    Würde viel mehr helfen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    Dass sich der Pabst entschuldigt ist eine Geste die eventuell den beiden Opfern psychologisch hilft. Wichtiger wäre meiner Meinung nach, dass der Pabst endlich den Stall radikal ausmistet und die Schuldigen der Justiz ausliefert
    Ablehnen den Kommentar ablehnen