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Schweiz Aufklärung ist der Ausgang aus dem Extremismus

Ein Fonds in Genf versucht den Zustrom Jugendlicher in die Arme Extremisten zu stoppen. Mit dem Geld werden unter anderem Koranschulen und Social Media Gruppen unterstützt. Ein Gespräch mit dem Direktor.

Die Gläubigen knien sich auf einem Teppich nieder.
Legende: Gläubige beten in der Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins in Winterthur (7.3.2009) Keystone

Sie ist zurzeit eine der dringendsten Fragen: Wie lässt sich vermeiden, dass sich Jugendliche terroristischen Gruppen anschliessen? Ein Internationaler Fonds mit Sitz in Genf geht genau dieser Frage nach: der Global Community Engagement and Resielence Fund, kurz: GCERF.

In Bangladesch, Mali und Nigeria hat der Fonds Gelder gesprochen um lokale Projekte zu unterstützen, auch die Schweiz beteiligt sich mit fünf Millionen Franken. Khalid Koser, der Direktor von GCERF, versucht die Frage zu beantworten, warum Jugendliche nach Syrien reisen um dort zu kämpfen.

Eine Antwort weiss niemand.
Autor: Khalid KoserGCERF-Direktor

Doch Koser meint: «Die UNO, die Regierungen und die Think-Tanks zerbrechen sich den Kopf darüber. Eine Antwort weiss niemand.» Der Grund: Diese Institutionen sind die falschen Ansprechpersonen, meint Khalid Koser, ein Engländer mit pakistanischen Wurzeln. GCERF habe eine andere Herangehensweise, frage nicht die oben, sondern die unten. Und damit sind die lokalen Gemeinschaften gemeint, aus denen die Jugendlichen stammen.

Aufklärung soll vor Hasspredigern schützen

GCERF ist ein Fonds. Das Geld stammt von seinen Mitgliedern, unter anderem von der EU, den USA, der Schweiz oder von Katar. Mit diesen Mitteln unterstützt der Fonds lokale Projekte, die dem Extremismus entgegenwirken sollen. Zum Beispiel in Bangladesch. Hier sollen 50'000 Koranschülern eine authentische Wiedergabe der Religion gelehrt werden, erklärt Koser, so dass Hassprediger auf ein bereits bewirtschaftetes Terrain treten und nichts ernten könnten.

Der Fonds stärkt aber auch Social Media Gruppen, um Propaganda terroristischer Netzwerke entgegenzuwirken.

Es sind kleine Projekte, mal 500, mal 5000 Dollar die GCERF sponsern will. Mit einem Ziel: Jungen Leuten kritisches Denken beizubringen, so der Direktor des Fonds. Denn viele Jugendliche in diesen Regionen, so Koser, würden einfach glauben, was man ihnen sage und so seien sie eine einfache Beute für extremistische Netzwerke.

Die Wirtschaft in der Pflicht

Aber: Religiöse Bildung, Aufklärung im Internet, das ist schön und gut, dennoch bleiben Armut, Perspektivenlosigkeit unter den Jugendlichen – ein Hauptantrieb für Extremismus. Hier nimmt Koser die Wirtschaft in die Verantwortung:

Extremismus entziehe dem Markt Talente, unterbreche Versorgungsketten, lässt ganze Gemeinschaften ausserhalb der Reichweite von Unternehmen, weil es zu riskant ist dort zu investieren.

Unternehmen müssten verstehen, dass Terrorismusvorbeugung ein Business Modell sei. Jungen Leuten in diesen Ländern eine Arbeit oder eine Lehrstelle geben, sei mehr als nur Arbeitsbeschaffung, es ist der Nährboden für Extremismus auszutrocknen.

Der Direktor während einer Pressekonferenz.
Legende: Khalid Koser, Direktor von GCERF. Keystone

Hilfe in Mali, aber nicht in Syrien

GCERF will ab nächstem Jahr Projekte in Mali, Nigeria und Bangladesch mit jeweils 4,5 Millionen Dollar unterstützen. Myanmar, Kosovo und Kenia sollen später dazukommen. Doch warum diese Länder und nicht Somalia, Syrien, Irak und Afghanistan?

Khalid Koser geht auf diese Frage ein und meint, dass es hauptsächlich um Prävention gehe. GCERF wolle in Staaten arbeiten, die noch nicht gefallen sind, die aber Gefahr laufen zu kippen. Von den Erfahrungen der Gesellschaft in diesen Ländern kann auch der Westen lernen in der Terrorismusprävention.

Was in Mali wichtig ist um Jugendliche vom Extremismus fern zu halten, hat auch in Paris eine Bedeutung, ist Khalid Koser überzeugt.

GCERF

Im Herbst 2014 wurde in Genf der Global Community Engagement and Resilience Fund (GCERF) gegründet. Der Fonds finanziert sich durch staatliche und private Zuwendungen. Er soll lokale Initiativen unterstützen, um Mitglieder von Risikogruppen vor Radikalisierung und Rekrutierung durch terroristische Gruppierungen und Netzwerke zu bewahren.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Aufklärung,worüber denn? Der Koran ist unmissverständlich+unantastbar. Im Gegensatz zum NT ruft er zu Gewalt auf. Wenn aber etwas gestoppt werden muss, dann diese unterschwellige Westophobie in fast allen Familien, wenn meist auch nur in Form einer, den Jungen verwehrte Rel'freiheit, oft aber auch markiert durch unzählige Sonderzüge+Optik. Sie drängt musl. Junge aus unsrer Gesellschaft in die Arme Radikaler, weil die Mehrheit der Nichtmuslime kein muslimisches Gepräge um sich herum haben will.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Alle Religionen betreiben eine Bevölkerungspolitik, die heute der Überbevölkerung mit ihren schrecklichen Auswirkungen widerspricht. Den Muslimen aber ermöglicht der extreme Bevölkerungsüberschuss aktuell die Islamisierung Europas und wer weiss, welche Vorteile es noch bereit halten wird, wenn 2/3 der Bevölkerung unter 30 Jahre alt sind. Wegen der weltweiten Krise gilt der Westen und die Moderne nicht mehr als Vorbild.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Manche Muslime sehen bereits den Untergang des Westens und das Scheitern seiner modernen Lebensentwürfe und das gibt den alten Prinzipien und Strategien aktuell gewaltigen Auftrieb und Zulauf, auch bei Westlern. Das sollte man hierzulande bedenken im Umgang mit Religionen. Denn die könnten schneller wieder mächtiger sein, als man erwartet.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es soll mich mal jemand aufklären warum ich noch nie eine Frau in einer Moschee gesehen habe. Es sind immer hunderte von Männern, die sich auf den Knien in Alla's Schoss singen. Kürzlich hat doch eine Frau mit Kopftuch behauptet, dass sie nur so in die Moschee gehen könne.
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Sie stellen da sehr gute Fragen Frau Roe. Ich schlage vor, Sie gehen einfach mal hin und sehen zu, wie die Sache dort abläuft. Auch die Synagoge in Bern wäre lohnend. Wüsche viel spannende Entdeckungen und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Ja diese Fragen müssen den Imamen in der ganzen Schweiz gestellt werden, ich nehme an, die Frauen haben Hausarest in der Zeit, wo die Männer zu Alla beten, denn sie haben nach dem Beten Hunger und wollen eine gute Speise . Das soll es bei uns ja auch geben, wenn die Männer statt von der Kirche aus dem Gasthaus kommen :-)
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    3. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Da verbreiten Imame, Muslime +sogar Musliminnen, Gutmenschen aus der Schweiz +der ganzen Welt, dass Islamische Frauen gleichberechtigt sind +dass die Frauen ihre Kopftücher, auch bei 35 Grad Sommerhitze, freiwillig tragen würden. Sind wir so dumm oder tun wir nur so, dass wir das auch noch glauben. In der Schweiz ist es wohl eher so, dass wir dazu gezwungen werden, all das zu glauben, sonst werden wir wegen Fremdenhass angezeigt, +sogar gebüsst +eingesperrt. Die ".." lachen sich ins Fäustchen.
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    4. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      @Roe. Schon interessant, Sie verteidigen hier die Rechte der Frauen und zugleich wollen Sie ihnen vorschreiben was sie tragen dürfen und was nicht.
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    5. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe einmal gelesen, dass in islamischen Ländern, Frauen getrennt von Männern teilnehmen dürfen. Damals war es ein Bericht über ein Moschee wo unten die Männer und oben die Frauen waren. Also Trennung der Geschlechtern , wie sie es ja auch oft im Alltagsleben machen.
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