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Zumkehr: «Der falsche Ort, um eine politische Diskussion über das Melken zu machen»
Aus News-Clip vom 09.10.2019.
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Ausbildung von gestern Junge Bauern lernen nichts zum Klimawandel

Junge Landwirte werden kaum in Nachhaltigkeit geschult. Entsprechende Empfehlungen des Bundes wurden ignoriert.

Klimawandel, Food-Waste, Biodiversität. Das Jahr 2019 ist geprägt von Debatten rund um Nachhaltigkeit. Mitten drin sind die Landwirte. Sie gelten als Mitverursacher der menschengemachten Erderwärmung, gleichzeitig sind sie Betroffene der schwindenden Artenvielfalt, leiden unter Wasserknappheit und Ernteausfällen. Doch wie die «Rundschau» aufzeigt, schlägt sich dies in der Ausbildung der Bauern kaum nieder.

Eine Analyse ihres Bildungsplans zeigt, dass junge Landwirte die Lebensmittelproduktion bis ins kleinste Detail studieren. Kaum behandelt werden aber die Folgen dieser Produktionsmethoden auf die Umwelt.

Aktuelle Themen wie das Artensterben durch Pestizide, Food-Waste durch Überschussproduktion oder die Klimaerwärmung aufgrund der Viehhaltung kommen darin kaum vor. Das Thema Klimawandel fehlt im Bildungsplan gänzlich.

Schulen halten sich an Lehrplan

Die «Rundschau» hat den Unterricht einer Lehrlingsklasse der Landwirtschaftsschule Inforama Rütti in Zollikofen (BE) besucht. Hier hält man sich an den Bildungsplan. Dazu David Zumkehr, Lehrperson Tierhaltung: «In der Grundausbildung stehen das Einmaleins und das Verstehen des Handwerks im Zentrum.» Gehe es im Unterricht etwa ums Melken, sei dies der falsche Ort, um eine politische Diskussion über den Klimawandel zu führen: «Dafür sehe ich keinen Auftrag.»

Die Schüler sehen dies ähnlich. «Es ist sicher wichtig, dass man über den Klimawandel diskutiert, aber, dass als Schulstoff auf die verschiedenen Themen eingegangen wird, erwarte oder fordere ich nicht.»

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Bernhard: «Ich würde sagen ungenügend»
Aus News-Clip vom 09.10.2019.
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Dieser Umstand sei «absolut nicht haltbar», sagt dagegen Umweltökonom Ueli Bernhard. Die jungen Bauern seien so nicht genügend auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.

Bildungsverein verspricht Besserung

Zuständig für den Lehrplan ist der Bildungsverein der Landwirtschaft (OdA AgriAliform). Die Sekretärin, Petra Sieghart, gelobt Besserung: «Es hat ja keiner gesagt, man dürfe sich nicht weiterentwickeln.» Der Bildungsverein sei aktuell an der Revision des neuen Bildungsplans für das Jahr 2023.

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Sieghart: «Die Revision wird bis 2023 abgeschlossen sein»
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Der Bildungsverein besteht aus 10 Mitgliedsorganisationen. Treibende Kraft sind die Bauern- und Produzentenverbände. Mit Bio Suisse vertritt darin nur ein Mitglied explizit eine ökologische Landwirtschaft.

Empfehlungen des Bundes ignoriert

Ökologische Themen hatten es bis jetzt schwer im Bildungsverein. Bei der letzten Teilrevision des Bildungsplans im Jahr 2016 forderte das Bundesamt für Umwelt in einem Schreiben mehr Nachhaltigkeit. Konkret empfahl das Amt «Food Waste», «Klimawandel» und «Abfälle getrennt sammeln» in die Lernziele aufzunehmen. Dieses Schreiben hat die «Rundschau» gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz erhalten.

Der Bildungsverein ignorierte diese drei Empfehlungen und ähnliche weitere. Petra Sieghart war damals noch nicht im Bildungsverein und versichert, man sei sehr offen für Inputs aus dem Bundesamt für Umwelt. Sie verspricht: «Der Klimawandel wird im nächsten Bildungsplan ein Thema sein».

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Reith  (abupr)
    Zum Glück hat jeder Lehrberuf ABU (Allgemeinbildung) während der beruflichen Grundbildung.

    Food Waste, Klinawandel usw. werden bereits da behandelt.

    google.ch -> RLP ABU - Rahmenlehrplan Allgemeinbildung
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Erste Schritte machen: Die natürliche Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen muss erhalten und gefördert werden! Geschützte Gebiete in der Schweiz sollen an Fläche und Qualität gewinnen. Nicht geschützte Gebiete sollen ökologisch wertvoller werden. Natürliche Ressourcen mehr schonen. Die Schweiz muss ihren Bodenverbrauch durch Überbauung und Zersiedelung bremsen. Wir als Gesellschaft müssen Alternativen zum unbegrenzten Wachstum finden. Weniger Einwanderung, unser Boden ist begrenzt.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Herr Ritter redet sich wie immer aus allem heraus. Der Klimawandel und die geschädigte Natur mit Insekten- und Artensterben sind Realität. Weil der Mensch das Klima anheizt, werden die Sommer in der Schweiz länger, wärmer und trockener. Das junge angehende Bauern nicht mehr über den Klimawandel, Folgen der Insektenvernichtung, Vogelsterben und über das Ökosystem lernen gibt zu denken. Es braucht dringend einen Wandel in der Landwirtschaft, die Natur muss mehr geschützt werden.
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    1. Antwort von E Hitz  (Amigo_Home)
      Es braucht dringend mehr Unterstützer im Parlament die dieses Ansinnen auch durchzusetzen gewillt sind.
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