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Gerber: «Eine Frage der Solidarität unter Nachbarn»
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Ausländische Patienten im Jura «Das Virus kennt keine Grenzen – die Solidarität auch nicht»

Die Spitalkapazitäten für beatmungspflichtige Patienten im Nachbarland Frankreich sind ausgeschöpft. Zwei schwerst erkrankte Patienten aus dem Elsass werden nun im Jura behandelt. Für den dortigen Gesundheitsminister, Jacques Gerber, eine selbstverständliche Hilfe.

Jaques Gerber

Jaques Gerber

Jurassischer Gesundheitsminister

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Der 47-jährige FDP-Politiker Jaques Gerber amtet seit Dezember 2015 als Wirtschafts- und Gesundheitsminister des Kantons Jura.

SRF: Warum haben Sie die Aufnahme zweier französischer Patienten im Spital des Kantons Jura in Delsberg ermöglicht?

Jacques Gerber: Wir haben am Freitagabend eine formelle Anfrage der Verantwortlichen des Departements du Haut Rhein, Frau Klinkert, erhalten. Sie bat uns eindringlich und dringend um Hilfe, Patienten aufzunehmen oder Material zur Verfügung zu stellen. Das, um ihnen in der dramatischen Situation zu helfen, in der sie sich zurzeit befinden.

Wenn ein Nachbar Schwierigkeiten hat, ist es normal, ihm zu helfen – wenn man dazu in der Lage ist.
Autor: Jaques GerberJurassischer Gesundheitsminister

Beinhaltet dieses Hilfsangebot auch eine Art der Vereinbarung, dass die französischen Grenzgänger unter dem Spitalpersonal auch weiterhin über die Grenze fahren und in der Schweiz arbeiten dürfen?

Das ist keine eigentliche Vereinbarung. Doch es ist eine Frage der Solidarität, unter guten Nachbarn diese Hilfe zu leisten. Wenn ein Nachbar Schwierigkeiten hat, ist es normal, ihm zu helfen – wenn man dazu in der Lage ist. Doch es ist wahr, dass die Tatsache, über 400 französische Angestellte im Spital des Juras zu haben, bei dieser Entscheidung ebenfalls eine Rolle gespielt hat. Das sind Spital-Angestellte, die in die Schweiz kommen, um Schweizer zu retten. Darum ist es nur logisch, dass wir im Gegenzug auch französische Patienten in Delsberg aufnehmen.

Es ist also sehr wichtig für das Spital Delsberg, dass die französischen Spital-Angestellten weiterhin in der Schweiz arbeiten können?

Absolut. Die französischen Angestellten machen einen Viertel des Spitalpersonals aus. Auch in den Pflegeheimen und in den Spitex-Diensten gibt es einen sehr hohen Anteil an Grenzgängern unter dem Personal. Darum ist es sehr wichtig, dass all diese Arbeitskräfte auch in diesen Krisenzeiten mithelfen, unsere Leute zu pflegen.

Es gibt ja auch eine Lösung, um den Grenzübertritt des Spitalpersonals zu erleichtern. Kleine Zollstellen wurden exklusiv für das Spitalpersonal geöffnet. Wie war diese Lösung möglich?

Das war eine Lösung, die sich einfach anbot, sowohl für den Zoll als auch für den Kanton Jura. Der grosse Zoll in Boncourt befindet sich nur wenige Hundert Meter neben dem alten Zoll mitten im Dorf. Dieser alte Zoll wurde ausschliesslich für das Gesundheitspersonal geöffnet. Das funktioniert sehr gut, es gibt überhaupt keine Wartezeiten. Das ist für das Pflegepersonal sehr wichtig, denn es muss die Arbeit pünktlich aufnehmen können.

War das eine Vereinbarung mit dem Bund und Frankreich, um die Situation für das Gesundheitspersonal unter den Grenzgängern zu verbessern?

Absolut. Das erlaubt dem Pflegepersonal, rasch voranzukommen. Das Spital des Kantons Jura bietet diesen Personen ebenfalls kostenlose Hotelzimmer an, wenn sie einige Nächte hier bleiben wollen. In dieser schwierigen Zeit, die vom Personal viel abverlangt, muss man Lösungen finden, die ihr tägliches Leben erleichtern.

War das auch wichtig, um mit Frankreich weiterhin ein gutes Einvernehmen zu haben, indem man solche Lösungen findet?

In dieser Situation muss man offen sein für Gespräche. Wir arbeiten sehr gut und gezielt zusammen. Diese Solidarität zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen über die Grenzen hinweg hilft, um gemeinsam gegen dieses Virus zu kämpfen. Unsere Mission ist es, zusammen Leben zu retten. Das Virus kennt keine Grenzen – die Solidarität auch nicht.

Das Interview führte Rolf Dietrich.

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Grenzübergänge für Pflegepersonal geöffnet
Aus Schweiz aktuell vom 23.03.2020.
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Schweiz aktuell, 23.03.2020, 19 Uhr; srf/bers

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20 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Wir lassen unser Gesundheitswesen einiges Kosten im Gegensatz zu manchem im Ausland und haben auch ein qualitativ hochstehendes und das zahlt sich eben bei dieser Corona Pandemie aus! Auch die vielen Grenzgänger und Ausländer im Gesundheitsbereich arbeiten bei uns, weil sie mehr verdienen und das Arbeitsklima eben besser ist!
    Ein ganz grosses Dankeschön an alle diese Arbeitskräfte!
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  • Kommentar von Ruedi Hammer  (Ruedi Hammer)
    3 Fakten im allgemeinen Gefühlschaos: 1. Drei Kantone haben insgesamt 6 Patienten aufgenommen! 2. Mal schauen, wer dann die Rechnung der superteuren Intensivabteilung zahlt (die franz. KK auf jeden Fall nur den kleineren Teil) 3. Apropos dem vielzitierten Fachkräftemangel: Gemäss SECO (www.job-room.ch/home/company) sind 4'000 arbeitslose Gesundheitsfachleute sofort zu haben!
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  • Kommentar von Beat Kessler  (KLERUS)
    Auch eine sehr schöne Geste und ich hoffe der Bund könnte auch noch Ressourcen und Personal in die Krisenregionen entsenden. Durch den Wohlstand unserer Gesellschaft, werden wir diese Krise weit besser hinter uns bringen, als so mancher anderer Staat! Mit freundlichen Grüßen
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Mit Geld kann man niemanden heilen, wenn das medizinische Personal zu knapp ist. Wenn Sie gestern den Bericht über das eine Spital in GR gesehen haben, haben Sie erfahren, dass 10 Ärzte aus Italien kommen und das Spital setzt alles darauf, diese Ärzte in der Schweiz zu behalten. In so einer Lage Resourcen wegzugeben wäre grobfahrlässig. Wieder einmal mehr appelliere ich, dass Mitbürger sich nicht vom schlechten Gewissen der Reichen leiten lassen. Dazu ist es zu spät, die Krise ist da.
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    2. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ohne Geld kann man noch weniger auswirken. Stimmt doch nicht, dass Geld keine Wirkung haben soll. Wo nehmen Sie solche Sachen auf?
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    3. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Hilft Geld nur in der CH? Wenn es nichts hilft kann mans ja auch gleich spenden oder?
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