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Bäume statt Beton Stadtplanung im Zeichen des Klimawandels

Einige Schweizer Städte nehmen den Klimawandel in ihre langfristige urbane Planung auf. Ein Beispiel dafür ist Sitten.

Legende: Audio Stadtplanung im Zeichen des Klimawandels abspielen. Laufzeit 04:46 Minuten.
04:46 min, aus Echo der Zeit vom 02.08.2018.

Die heissen Sommertage zeigen exemplarisch, mit was für Temperaturen die Schweiz in Zukunft häufiger rechnen muss. In den Städten ist es jeweils ein paar Grad heisser, weil Beton Hitze speichert und Grünflächen seltener sind.

Einige Städte nehmen den Klimawandel deshalb in ihre langfristige urbane Planung auf. Ein Beispiel dafür ist Sitten. Dort, am Espace des Remparts, spielen Kinder in den zahlreichen Fontänen, die aus dem Boden sprudeln.

Erwachsene stehen im Schatten der Bäume. Dieser Platz sei exemplarisch, sagt Lionel Tudisco von der Stadtverwaltung nicht ohne Stolz: «Man fühlt es. Es ist zwar sehr heiss, aber eine kleine Brise erfrischt uns. Der Bodenbelag besteht aus hellem Kies und runden Glasstücken, das hilft bei grosser Hitze.»

Bäume als Klimaanlage für die Stadt

Vorher war hier ein Parkplatz. Sitten hat ihn als Teil einer städteplanerischen Strategie, sich an den Klimawandel anzupassen, umgestaltet. Sitten ist die Stadt der Schweiz, die sich am stärksten erwärmt hat – in den letzten 20 Jahren um ein Grad. «Diese Woche klettere das Thermometer auf 36 Grad», so Stadtplaner Tudisco. Das sei für viele unerträglich bis gesundheitsschädigend.

Um die Stadt etwas abzukühlen, hat Sitten in einem Pilotprojekt mit dem Bundesamt für Energie verschiedene städtebauliche Massnahmen entwickelt: Die Stadt wird begrünt. Bäume geben Feuchtigkeit an die Luft ab, 300 bis 400 Liter Wasser pro Tag. Das erfrischt die Luft ringsum. Ein weiterer, wichtiger Punkt ist der helle Boden: Denn dunkle, versiegelte Flächen speichern Wärme.

Espace des Remparts in Sitten
Legende: Sitten erhielt 2013 den Wakkerpreis – unter anderem für den Espace des Remparts. Keystone

In Sitten ist die Luft im Sommer um sechs Grad wärmer als auf dem Land ringsum. Tudisco erklärt: «Es braucht wasserdurchlässige Böden.» Wie ein Schwamm saugten sie Feuchtigkeit auf und gäben sie an heissen Tagen ab. Zudem trügen sie dazu bei, das Risiko von Überschwemmungen zu mindern.

Schneeball-Ahorn ist besser gewappnet

Die Anpassung an den Klimawandel ist nicht nur im heissen Sitten ein Thema. Die Stadt Basel hat ein umfassendes Konzept, das die Trinkwasserversorgung, die Begrünung von Flachdächern und die Rettung von Fischen miteinbezieht.

In Zürich wird derzeit eine Karte mit Hitzeinseln entworfen. Und in Bern steht Christoph Schärer, Leiter der Abteilung Stadtgrün, auf der Bundesgasse und schaut hinauf in die Blätterkronen von Bäumen, die hier eine Allee bilden. Die Ränder ihrer Blätter sind braun. «Das ist das Zeichen, dass der Baum leidet.»

Er habe eindeutig zu wenig Wasser. Das führe dazu, dass er möglichst wenig Blattmasse halte, um zu überleben. «Aber ein Wachstum ist so natürlich nicht möglich.» Diese Bäume der Sorte Baumhasel wurden vor 30 Jahren gepflanzt.

Bäume aus dem Balkan ertragen das kontinentale Klima sehr gut.
Autor: Christoph SchärerLeiter Stadtgrün, Bern

Nun zeigt sich, dass sie dem wärmeren Klima nicht standhalten können. Die Stadt Bern hat sich auf die Suche nach Baumarten gemacht, die sich dem künftigen Klima der Stadt besser anpassen können. In Kroatien wurde sie fündig: «Es sind Bäume aus dem Balkan, die ein kontinentales Klima sehr gut ertragen – auf der einen Seite die Hitze und Trockenheit, aber trotzdem auch die Kälte im Winter, da wir nach wie vor mit Frosttagen rechnen müssen.»

Zerreiche, Schneeball-Ahorn und französischer Ahorn sind Beispiele von Bäumen, die die Stadt Bern in Zukunft vermehrt anpflanzen wird. Diese Überlegungen kümmern Jung und Alt am neu gestalteten Platz in Sitten wohl kaum: Sie sitzen im Schatten der Bäume und erfrischen sich im Springbrunnen.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Marina Zingg (openyourmind)
    In allen Kommentaren sind sehr gute Anregungen und Vorschläge aufgeführt. Ich nehme nicht an, dass die zuständigen Personen derVerwaltung diese Beiträge lesen. Daher wäre es sehr sinnvoll die Texte (kurzer Brief) an die entsprechenden Ämter, z.B. Grün Stadt Zürich, Grün Bern, etc. zu senden.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    In der grössten, besten und teuersten Stadt der Schweiz, notabene links/grün regiert sind alle hell begeistert was die Stadtplanung aus der Sechseläutenwiese gemacht hat. Ihr könnt mich jetzt wieder niederschreiben liebe Stadtzürcher, aber ich bleib dabei: Zum Spiegeleier braten gehe ich lieber in die Küche. Kennt ihr das Gefühl, im Sommer in einer Gartenbeiz unter Kastanienbäumen zu verweilen?
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Von diesem Trend ist in der Agglo ZH nichts zu spüren. Wie denn auch? ZH will deklarierterweise wachsen (Bevölkerung), es geht ja nur durch Betonblöcke oder verdichtetes Bauen. Da haben Bäume keinen Platz. Am Seeufer haben wir vor Jahren einen stillen Schattenplatz gefunden, mit einem grossen Busch darauf. Vom Busch/Schatten ist nichts mehr übrig, Steg ist gebaut. Wenn der Lärmpegel zu hoch ist, muss man auf Eng./Hochde/Spanisch um Rücksicht bitten. Das ist die Zukunft halt.
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    1. Antwort von Andreas Diethelm (Okapi)
      Die Behörden wollen Zürich Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung aufzwingen und dem alles Übrige opfern, das Stadtmarketing gibt seit 20 Jahren Gas, um Zürich rund um den Globus als ultimativ geilsten Ort zu verkaufen. Die Besitzstandwahrer-und -mehrer-Parteien und deren Anhänger sind glücklich. Wer aber Lebensqualität nicht allein in Geld misst, muss sich gegen diese Dokrtin wehren, durch Abwahl und jede geeignete Form des Protests. Sonst bleibt nur lamentieren, das sei die Zukunft halt.
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