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Neue Art des Wettbewerbs im Bahnverkehr
Aus HeuteMorgen vom 12.07.2021.
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Bahnen buhlen um Linien Das Gerangel um den Fernverkehr auf Schienen geht von neuem los

Im Fernverkehrsstreit einigten sich SBB und BLS zuletzt. Jetzt geht die BLS erneut in die Offensive – für die Zeit nach 2029.

Wer darf die lukrativen Fernverkehrslinien betreiben? In dieser Frage lieferten sich SBB und die Berner BLS bis 2019 einen heftigen Streit – bis zur Einigung unter Vermittlung des Bundes. Der Kompromiss von damals lautet: Die BLS bedient drei Fernverkehrslinien. Die Fernverkehrskonzession fürs gesamte Netz aber bleibt bei der SBB.

Dieses Kooperationsmodell habe sich bewährt, hat der Bundesrat nun kürzlich festgestellt – und daher entschieden: Das Modell von 2019 soll grundsätzlich auch für die Jahre nach 2029 gelten, wenn die Fernverkehrskonzession neu vergeben wird. Die SBB soll dabei verpflichtet werden, andere Bahnbetriebe mit dem Betrieb einzelner Linien zu beauftragen.

Wettbewerb käme laut BLS Passagieren zugute

Damit aber möchte sich die BLS nun nicht von vornherein zufrieden geben: Das Berner Transportunternehmen macht im Fernverkehrs-Poker jetzt schon Druck. Zwar begrüsse die BLS, dass der Bund nun klären wolle, wie er sein Kooperationsmodell rechtlich umsetzen wolle, so BLS-Sprecher Matthias Abplanalp. «Aber andererseits bedauern wir, dass die Möglichkeit zum vornherein ausgeschlossen wird, dass man konkurrierende Angebote zulässt.» Damit verschliesse sich der Bundesrat jetzt schon einem offeneren Mehrbahnenmodell, bei dem von Beginn an mehrere Bahnen involviert wären.

Dabei, so Abplanalp, würden Passagiere von Wettbewerb profitieren: «Wenn verschiedene Bahnen ihre Ideen einbringen dürfen, dann werden alle angespornt, ein möglichst gutes Angebot einzureichen und auch Dinge zu hinterfragen.» Tatsächlich sei bei der letzten Konzessionsvergabe dank mehr Wettbewerb zum Beispiel das Verpflegungsangebot auf einzelnen Linien besser geworden, schreibt der Bundesrat.

Das Bundesamt für Verkehr BAV beschwichtigt die BLS aber: Auch nach 2029 soll es auf dem Fernverkehrsnetz Platz für mehrere Bahnen geben, sagt BAV-Sprecher Andreas Windlinger: «Das Kooperationsmodell ist nicht ein Mehrbahnenmodell in Reinkultur, wie sich das die BLS vielleicht vorstellt, aber es beinhaltet wichtige Elemente aus diesem Mehrbahnenmodell in dem Sinne, dass andere Bahnen als die SBB auch Linien im Fernverkehr betreiben können – einfach nicht unter eigener Konzession, sondern unter jener der SBB.»

SOB zeigt sich einverstanden mit Modell des Bundesrats

Beim Gerangel um den Fernverkehr bringt sich die BLS also offensichtlich jetzt schon in Stellung. Die andere Regionalbahn hingegen, die im Fernverkehr aktiv ist, die Südostbahn SOB, zeigt sich grundsätzlich einverstanden mit dem Vorgehen des Bundesrats. Ebenso die SBB: Zentral sei für die SBB, dass der Fernverkehr auch künftig aus einer Hand geplant werden könne, schreibt sie.

Wie viel Wettbewerb brauchts auf Schienen? Der Bundesrat mit SP-Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga agiert eher zurückhaltend, die BLS will mehr – doch in einem Punkt sind sich alle einig: Die Reinform von Wettbewerb, bei der genau dieselbe Strecke von konkurrierenden Bahnbetrieben bedient würde, wollen weder der Bund noch die Bahnen selber.

Heute Morgen, 12.07.2021, 06:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Warum werden SBB und BLS nicht einfach zusammengeschlossen? - Wenn ich von Zurich nach Bern oder Chur oder Basel fahren will, dann habe ich ja keine Auswahl ob SBB oder BLS. Das ist gar kein Wettbewerb.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Das ist nun das Resultat der "Teil oder Ganz Privatisierung" von ÖV Kantons und Bundesbetrieben, wo es nur noch um Gewinn und Optimierung geht obwohl diese Unternehmen einen gesetzlich Vorgeschriebenen Transport und Dienst Leistungs Auftrag am Volk haben!
    Irgendwie wird da Total an der Realität vorbei gemanagert!
  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Diese ständigen Neuausschreibungen von Bus und Bahnlinien sind ein Unding und gehen auf Kosten des Personals! Stagnierende Löhne seit Jahren, Überzeit, Personalmangel, Zeitdruck usw. Auch die Qualität des Service-Public leidet darunter!