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Schweiz BDP und SVP spannen in Bern wieder zusammen

2008 gründeten im bernischen Münsingen enttäuschte SVP-Mitglieder die BDP. Nun machen die BDP und die SVP im Kanton Bern wieder gemeinsame Sache: Bei den Regierungsratswahlen im nächsten Frühling kandidieren sie gemeinsam. Was steckt hinter dieser Eintracht?

Die bürgerlichen Kandidaten: Hans-Jürg Käser, Beatrice Simon, Manfred Bühler und Christoph Neuhaus.
Legende: Die bürgerlichen Kandidaten: Hans-Jürg Käser, Beatrice Simon, Manfred Bühler und Christoph Neuhaus. SRF

Es war eine Kampfscheidung, als enttäuschte SVP-Mitglieder in Münsingen die BDP gründeten. Was folgte: Seitenhiebe da, Anschuldigungen dort. Fünf Jahre sind seither vergangen. Und ganz nach dem Motto «die Zeit heilt Wunden» ziehen die BDP und SVP im Kanton Bern wieder am gleichen Strick.

Doch die grosse Versöhnung nach dem Streit ist es nicht. BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon sagt es so: «Ein Ehepaar mit Kindern, das sich trennt, hat zu Beginn auch Mühe, gemeinsam zu arbeiten.» Mit der Zeit müssten sich die Eltern den Kindern zuliebe arrangieren.

Machtwechsel vor Augen

Die Kinder der beiden Parteien sind die bürgerlichen Wähler. «Die wollen wir abholen», betont Simon. Die Zusammenarbeit ist also ein Vernunftsentscheid, mit hohem Ziel. BDP und SVP wollen gemeinsam den Machtwechsel im Kanton Bern erreichen. Nach acht Jahren links-grün sollen im nächsten Frühling die Bürgerlichen die Nase vorn haben.

Dabei geben sich die Bürgerlichen – im Gegensatz zu früher – bescheiden. Vier der sieben Sitze wollen sie: Je einen für FDP und BDP und zwei für die SVP.

Wenig verwunderlich, demonstrieren SVP und BDP Eintracht. «Wir sind beides bürgerliche Parteien mit dem Interesse, dass der Staat effizient arbeitet», sagt SVP-Präsident Werner Salzmann.

Unterschiedliche Meinungen

Tatsächlich: BDP und SVP arbeiten im Kanton Bern gut zusammen. Dennoch gibt es auch Differenzen: Die BDP ist beispielsweise für den Ausstieg aus der Atomenergie. Die SVP dagegen. Die BDP ist gegen die Familien-Initiative, die SVP dafür.

Doch im Moment steht die Wahltaktik im Vordergrund. Angst, die eigene Wählerschaft mit diesem Zweck-Bündnis zu vergraulen, hat BDP-Regierungsrätin Simon nicht. «Wenn man in einer Regierung ist, dann ist man primär gefordert, gute Lösungen zu suchen.»

Alte Wunder nicht ganz vergessen

Ganz vergessen sind die alten Wunden indes nicht, gibt SVP-Präsident Salzmann zu. «Es sind persönliche Wunden. Etwa Freundschaften, die auseinander gingen», so Salzmann.

Einen Pluspunkt hat die gemeinsame Hochzeit bereits: Finanziell zahlt sich die Zweck-Gemeinschaft aus. Insgesamt kostet der Wahlkampf weniger, als bei den letzten Wahlen, als alle alleine antraten.

Die BDP im Rückblick

Eveline Widmer-Schlumpf bei einer Veranstaltung auf dem Bundesplatz am 11. April 2008.
Legende: keystone

Die Bürgerlich-Demokratische Partei Schweiz (BDP) wird auf nationaler Ebene am 1. November 2008 als Abspaltung der SVP gegründet. Voraus gingen die dramatischen Ereignisse bei den Bundesratswahlen 2007. Die BDP, die sich als Alternative zur SVP versteht, will sich als neue Kraft in der Mitte positionieren. zum Zeitstrahl

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8 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    "Teile und herrsche!"Sie haben sich selbst "geteilt" und nun haben sie Angst,dass sie beherrscht werden.Wie geht es wohl jenen die sich teilen lassen,und danach beherrscht werden?Bedenklicher Entscheid zu Ungunsten der SVP.Wird ihrem Image schaden.Hätten sich NICHT ins "Angstboot" reinziehen lassen sollen! Angst ist kein guter Ratgeber! Angst zieht genau das an,wovor man Angst hat.Schade!Unverständlich wieso sich ein"Starker"von zwei"Schwächelnden"kaufen lässt.Wird ihn Schwächen.
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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    Bern fehlt einfach ohne den halben Kanton Jura und seit es Züri-West gibt das Selbstvertrauen, darum diese Blocherabhängigkeit. Es reicht den Bernern nur noch zu Halbheiten.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Die alte Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei war eine landwirtschaftlich/konservative orientierte Bewegung, mit Roten hatte man nichts am Hut, man agierte als Stiefelknecht der Liberalen und sorgte dafür, dass die Interessen der vorwiegend ländlichen Züfte, Landwirtschaft, Handwerksbetriebe, etc., politisch in angemessener Weise gewahrt blieben. Es ist eine reine Frage der Vernunft, und letztlich auch des eigenen Ueberlebens, mit dem Rest der 'ländlich-orientierten' Parteien zusammen zu spannen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      In GR war die vorblochersche SVP sicher nicht der Stiefelknecht der Liberalen. Es war die grösste Partei und eine echte Volkspartei, die sich für die Belange der Berg- und Randgebiete einsetzte.
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