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Basel diskutiert über seine hohe Gymnasialquote
Aus HeuteMorgen vom 16.08.2021.
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Beginn des neuen Schuljahrs Heisses Eisen Übertrittsprüfungen

Basel hat in der Deutschschweiz erneut die höchste Gymiquote. Mit Tests für den Übertritt tut sich die Politik schwer.

In Basel beginnt heute das neue Schuljahr. Und auch diesmal hat Basel die höchste Gymnasialquote aller Deutschschweizer Kantone. Über 37 Prozent aller Sekundarschülerinnen und -schüler wechseln auf das neue Schuljahr ans Gymnasium.

Der Basler Bildungsdirektor Conradin Cramer kämpft seit drei Jahren gegen die hohe Übertrittsquote, zum Beispiel mit einer strengeren Benotung in der Sekundarschule. Zwei Jahre lang zeigte dies Wirkung, doch nun steigt die Quote wieder. Und das mache ihm Sorgen, sagt der Bildungsdirektor. Das bedeute, dass wieder zu viele Jugendliche in einer Ausbildung sind, die sie tendenziell überfordere und die damit zu Frustrationserlebnissen führe.

Heisses Eisen für die Basler Politik

Als Reaktion auf diese Entwicklung versuchen die Schulen nun, die Attraktivität der Berufslehre zu betonen. Höhere Hürden fürs Gymnasium einzuführen, kämen in Basel eher nicht infrage, sagt der liberale Erziehungsdirektor Cramer. Eine solche Verhärtung der Selektion würde keine politische Mehrheit finden, ist er nach seinen fünf Jahren im Amt überzeugt.

Denn linke Bildungspolitiker wie der Basler SP-Nationalrat Mustafa Atici wehren sich gegen mehr Leistungsdruck. Sie befürchten, dass sozial Schwächere benachteiligt würden, dass sie sich zum Beispiel keinen Nachhilfeunterricht leisten könnten. Die Eltern, die diesen Unterricht bezahlen könnten, könnten es sich leisten, dass ihre Kinder weiterkommen. Die Eltern, die sich das nicht leisten könnten, deren Kinder würden nicht weiterkommen. Das sei auch ein Verstoss gegen die Verfassung. Alle müssten die gleichen Chancen haben.

Diskussion um Übertrittsprüfung

Atici wehrt sich aus denselben Gründen gegen Übertrittsprüfungen ans Gymnasium, wie sie zum Beispiel Zürich kennt. Bildungsforscher Stefan Wolter allerdings sagt, ohne Prüfungen würden entgegen der Erwartung nicht etwa sozial Schwächere begünstigt, sondern Akademikerkinder.

Die Forschung zeige, dass es dort, wo keine externen Prüfungen angewandt werden, eine überdurchschnittlich hohe Zahl von jugendlichen Akademikerkindern ins Gymnasium schaffe, die leistungsmässig nicht ans Gymnasium gehören dürften. Das würde für die Einführung von Übertrittsprüfungen sprechen – doch dafür ist in Basel keine politische Mehrheit in Sicht.

SRF 4 News, 16.08.2021, 06:00 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    Empfehlenswerte Graphik in https://lehr-stelle.ch/optionen : Es gibt viele Optionen, gar an Fachhochschule inkl. Masterabschluss zu gelangen, indem man Leistung direkt in gewollter Fachrichtung beweist und bereits Praxiserfahrung vorweisen kann. Weshalb nur dieser einzige Pfeil obenlinks für Sekschüler vereinfacht sein soll, ist fragwürdig. Eltern's Kinder haben ausreichend Möglichkeiten weiterzukommen. Fehlende Nachhilfe fürs Gymi ist bestimmt nicht das Problem, Hr Atici.Oder weshalb denn doch?
    1. Antwort von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
      Desweitern würden Schüler:ins' tiefere Noten im Gymi bei Berufsanbietern schlecht ankommen. Sie nehmen eher Beste der vielen Bewerbenden als jedem Maturand:in (noch ohne Berufsausbildung) mal eine Chance zu geben. Sie urteilen aufgrund gezeigter Überzeugung auf Beruf. Mit Berufsmaturität wäre Überzeugung ersichtlich,man entschied sich gewissenhaft und begann nicht einfach mal Gymi. BMS ergibt wohl bessere Noten mit Interesse anstatt mit notwendiger Nachhilfe für beruflich gar irrelevante Fächer.
    2. Antwort von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
      Auf universitärer Stufe nach Matur gibt es eher Student:innen, welche wegen Misserfolg von Uni umsteigen müssen auf Fachhochschule oder einfach bei Bachelorabschluss bleiben, als Schüler:innen, welche umgekehrt schlimmsterweise nicht aufsteigen dürfen aber trotzdem gleichwertigen Masterabschluss schaffen. Beruflich schädigende Nachteile ergeben sich deswegen keine, zumindest in meinem Kollegenkreis. Mit solchen Abschlüssen bitte nicht über tiefe Löhne klagen, Salär reicht weithin aus fürs Leben.
    3. Antwort von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
      Hochachtung für Lehrabgänger:innen egal ob zuvor Sek, Real, Kanti. Sie haben ebenbürtig Leistungsdruck und lernen direkt in beruflicher Welt damit umzugehen. Dies hilft ihnen im späteren Leben wohl eher weiter als vermeintlicherweise "vorübergehender" Druck in Schule/Uni.
  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Schlussendlich zählt im Berufsleben nicht primär die Ausbildung, sondern wie man sich verkaufen kann und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Beziehungen sind wichtiger als Kompetenz.
    Ich bin Leute begegnet, die Kuhmist als Gold verkaufen konnten.

    Professor: Wenn sie wegen des Geldes hier sind, dann sind sie hier am falschen Ort.

    Eintritt in die Schulen sollten barrierefrei sein, der Filter sind regelmässige Leistungsnachweise.
    Vollständig gerecht kann man es nicht machen.
  • Kommentar von Raphael Kunz  (rapha9)
    Vielleicht sollte man auch die Kapazitäten der Gymnasien, Universitäten und Hochschulen ausbauen.
    Wir müssen uns nicht wundern wenn wir laufend Deutsche Ärzte und/ oder Experten treffen.
    1. Antwort von Lisa Egli  ('..')
      So wie ich es verstehe (und selber auch zT erlebt habe) ist nicht die Kapazität das Problem, sondern, dass es immer wieder GymnasiastInnen gibt die nicht nachkommen mit dem Tempo und deshalb einen zu grossen Druck haben.