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Bei Wahl von Präsidentin Ribar SBB-Verwaltungsrat hat Aufsichtspflicht schwer verletzt

  • Der SBB-Verwaltungsrat hat bei der Wahl von Monika Ribar zur SBB-Präsidentin seine Aufsichtspflicht schwer verletzt.
  • Zu diesem Schluss kommt die Geschäftsprüfungskommission des Ständerats (GPK) im Zusammenhang mit einem heiklen Mandat von Monika Ribar bei einer Offshore-Gesellschaft.
  • Auch dem Bundesrat stellt die GPK ein schlechtes Zeugnis aus.
Ribar.
Legende: Monika Ribar erwähnte das heikle Mandat nicht bei ihrer Bewerbung – nach eigenen Angaben hatte sie es vergessen. Keystone

Zum Zeitpunkt ihrer Wahl an die SBB-Spitze sass Ribar im Verwaltungsrat der Offshore-Gesellschaft Capoinvest Limited. Das Unternehmen finanziert den Bau eines Tiefseehafens in Angola. Mehrheitsaktionär ist der wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilte Schweiz-Angolaner Jean-Claude Bastos.

Bei ihrer Bewerbung um das SBB-Präsidium hatte Ribar das heikle Mandat nicht deklariert – nach eigenen Angaben hatte sie es vergessen. Weder der SBB-Verwaltungsrat noch der Bundesrat als Wahlbehörde waren über das Capoinvest-Mandat im Bild. Ribar informierte den Verwaltungsrat erst nach ihrer Wahl darüber, wenige Tage vor Amtsantritt bei der SBB legte sie das Mandat dann nieder.

Während mehreren Jahren nicht getagt

Kurz vorher waren die Panama Papers ans Licht gekommen. Aufgrund der Enthüllungen nahm sich die GPK des Falls an. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht stellt sie sowohl dem Bundesrat als auch dem SBB-Verwaltungsrat ein schlechtes Zeugnis aus.

Zwar verfügt die SBB über einen internen Ausschuss zur Überwachung von Interessenbindungen. Dieser hatte aber während mehrerer Jahre nicht getagt – entgegen dem einschlägigen internen Reglement. Die Aufsichtskommission kommt zum Schluss, «dass der Verwaltungsrat seine Aufsichtspflicht damit schwer verletzt hat», wie es im Bericht heisst.

Sie kritisiert auch die Zusammensetzung des Ausschusses und die Art und Weise, wie dessen Tätigkeit im Geschäftsbericht präsentiert wurde. Gleichzeitig stellt sie aber fest, dass die Mängel inzwischen behoben worden sind.

Bahn sieht sich auf Kurs

SBB-Sprecher Jürg Grob sagte auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA, die Bahn habe die Empfehlungen der GPK bereits umgesetzt. Der Verhaltenskodex für den Verwaltungsrat sei zu Jahresbeginn in Kraft gesetzt worden. Die Arbeiten dafür seien aber bereits vor Veröffentlichung der Paradise Papers aufgenommen worden.

Alle Verwaltungsratsmitglieder müssten ihre Mandate dem Präsidium gegenüber offenlegen. Der Personal- und Organisationsausschuss überprüfe im weiteren die Interessenbindungen mehrmals im Jahr.

Bundesrat mitverantwortlich

Auch der Bundesrat kommt schlecht weg. Als Eigner hat er grossen Einfluss auf das Unternehmen. Diesen Spielraum hat er nach Ansicht der SBB in Sachen Interessenbindungen zu wenig genutzt. Die Hauptverantwortung liege zwar beim SBB-Verwaltungsrat, der Bund sei aber «mitverantwortlich».

Die GPK fordert den Bundesrat auf, ein System einzuführen, um solche Fälle künftig zu vermeiden. Der Verwaltungsrat bundesnaher Unternehmen soll das zuständige Departement laufend über neue Mandate informieren.

Der Bundesrat hat nun bis am 26. Oktober Zeit, zum Bericht der GPK Stellung zu nehmen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Sahli (sahliu)
    Und wereli wer ist Chefin von Frau Ribar??? Frauen müssen her, aber subito. Ich will damit nicht sagen, dass es keine Frauen gibt, die für höchste Aemter geeignet sind. Es gibt sicher Frauen, die sich sogar besser eignen würden als Männer. Bei beiden Geschlechtern müssen die Auswahlkriterien massiv verbessert werden. Sonst kommt sich das Volk verschaukelt vor. Frauen in höchste Aemter; ja sicher, aber besser und gründlicher untersuchen, Gilt, wie schon gesagt übrigens auch beri den Männern.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Wenn es für Frauen wie für Männer gilt... wieso dann so explizit erwähnen?
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Welch ein Glück müssen sich Staatsbedienstete in hohen Positionen nicht einer Vertrauensfrage durch das Parlament, oder noch besser durch das Volk,umgangssprachlich auch Steuerzahler genannt, unterziehen bei "Unstimmigkeiten".Da würde so mancher fürstlich entlöhnter Manager seinen Sessel schneller los, als ihm lieb ist
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Das wäre völlig unpraktikabel und würde zu einer vollkommenen Politisierung der Verwaltung führen. Etwas mehr Konsequenzen bei Fehlverhalten oder Fahrlässigkeit wäre aber tatsächlich angebracht nur nicht über politische Instrumente.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Frau Leuthard, darunter Frau Ribar, Frau Ruoff, Frau xy.... . Es braucht unbedingt Frauenquoten, denn nach all den mehr oder weniger freiwilligen Rücktritten werden sonst kaum mehr welche nachrücken respektive gewählt oder ernannt werden. LOL!!
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