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Darüber sprechen bevor man zuschlägt: Das freiwillige Beratungsangebot greift, auch in Coronazeiten
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 05.11.2020.
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Beraten bevor es knallt Erfolgsrezept? Täter beraten, bevor sie zuschlagen

Seit einem Jahr gibt es im Kanton Solothurn Beratungen für Personen, die Gewalt anwenden könnten. Die Nachfrage ist da.

Potenzielle Gewalttäter abfangen: Seit einem Jahr existiert im Kanton Solothurn ein besonderes Beratungsangebot für potentielle Gewaltäter oder Gewalttäterinnen. Es richtet sich damit nicht an Opfer von Gewalt und nicht nur an Personen, die wegen einer Gewalttat zu einer Beratung «verknurrt» werden. Sie ist zum einen für solche, die bald Gewalt anwenden könnten. Zum anderen ist sie eine Anlaufstelle für «aktive Schläger» die damit aufhören wollen.

Zu den Klienten der Solothurner Beratungsstelle Gewalt gehören Jugendliche und Senioren, Männer und Frauen, Schweizer und Ausländer. Die Beratung ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. Das Programm wird in verschiedenen Sprachen angeboten und läuft vorerst drei Jahre.

Symbolbild
Legende: Keystone

Beratung und Stress in Coronazeiten: Der erste Kontakt zwischen Klienten und der Solothurner Beratungsstelle kommt in der Regel über ein Telefonat, selten über E-Mail, zustande. Dank Corona gibt es im Kanton Solothurn nun auch Video-Beratungsgespräche. «Das typische Telefonat gibt es nicht. Die Leute brauchen aber Mut, um uns anzurufen. Sie schämen sich, freuen sich aber, wenn sie nicht verurteilt werden.»

Die Leute brauchen Mut, um uns anzurufen.
Autor: Martin SchmidLeiter Beratungsstelle Gewalt Kanton Solothurn

Gerade jetzt während Corona-Shutdowns, Quarantäne oder ähnlichen Einschränkungen des Bewegungsradius sind mögliche Gewalttäter «eingesperrt, verunsichert, ohnmächtig», schreibt etwa das Mannebüro Zürich und bietet ein Survival Kit, Link öffnet in einem neuen Fenster für Männer in Coronazeiten an. Allerdings: Trotz Corona, Homeoffice und Shutdowns habe man nicht mehr Anfragen für Beratungen wegen häuslicher Gewalt festgestellt, sagt Martin Schmid, Leiter der Solothurner Beratungsstelle. Solche Krisen wie die Coronakrise können sogar Vorteile haben, findet er: «Es ist weniger los, es gibt weniger Druck, das gibt nicht unbedingt mehr Gewaltvorfälle», weiss er.

Ähnliche Angebote in der Schweiz

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  • Seit dem 1. Oktober 2019 gibt es die Beratungsstelle Gewalt im Kanton Solothurn.Das Angebot ist freiwillig und richtet sich unter anderem an Menschen, die Gewalt ausüben oder merken, dass sie im Begriff sind Gewalt auszuüben.
  • Das Solothurner Angebot ist nicht das einzige in der Schweiz. Im Kanton Bern deckt zum Beispiel die Fachstelle Gewalt Bern solche präventiven Angebote ab. Im Kanton Zürich kümmert sich das Mannebüro als Anlaufstelle um Männer, die Gewalt ausüben, aber eben auch Gefahr laufen, es zu tun. Ähnliche Angebote hat auch das Männerbüro Basel. In der Zentralschweiz kümmert sich der Verein Agredis (ehemals Männerbüro Luzern) um Männer, die ein Gewaltproblem haben oder haben könnten, «Gewaltberatung, ein Angebot von Mann zu Mann» ist der Slogan hier.
  • Ein Angebot für Täter sei letztlich auch ein Beitrag zum Opferschutz, sagte die Solothurner Regierungsrätin Susanne Schaffner, als das Projekt hier lanciert wurde.

220 Beratungsgespräche in einem Jahr: Bei der Lancierung der Beratungsstelle Gewalt im Kanton Solothurn wussten die Verantwortlichen des Kantons Solothurns (275'000 Einwohner) nicht, wie das Angebot genutzt wird. Nun läuft das Angebot seit einem Jahr und es zeigt sich: Es funktioniert. 49 Personen wurden in 219 Gesprächen beraten. Die Nachfrage sei vorhanden, sagt der Leiter der Beratungsstelle, Martin Schmid. Er hat sich mehrere Jahre im Bereich Gewaltprävention weitergebildet. Er ist zufrieden, dass das Angebot genutzt wird.

Gewalt baut Druck ab.
Autor: Martin SchmidLeiter Beratungsstelle Gewalt Kanton Solothurn

Das Modell der freiwilligen, kostenlosen Beratung komme ursprünglich aus Hamburg und sei sehr direkt, so Schmid. Gewalt sei immer eine Art Ventil, um Druck, der sich aufstaut, abzubauen: «Gewalt ist immer da, um etwas Unangenehmes wegzumachen, die Gewalt baut den Druck ab», erklärt die Ausbrüche seiner Klienten. Er arbeite auch mit Paaren, die beide gewalttätig werden, erzählt Schmid. Es gibt für ihn keine typischen Täter, keine typischen Fälle, jeder Fall sei anders.

Symbolbild
Legende: Keystone

Können nicht Freunde statt eine Hotline helfen? «So explizit und spezifisch wie unsere Beratungsstelle Gewalt kann niemand Hilfe anbieten, auch befreundete Psychiater überweisen Leute an uns, weil sie sagen: Bei Gewaltfragen sind wir nicht genug spezialisiert», erzählt Martin Schmid, Leiter der Solothurner Beratungsstelle aus dem Alltag. Schmid liess sich für seine Funktion in der Beratungsstelle Gewalt über vier Jahre dafür ausbilden.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 05.11.2020, 17:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Heidi Müller Mermer  (Gelincik)
    Da haben Sie etwas missverstanden, es geht um Gewalt von „ganz normalen“ Menschen und nich von IS Anhängern.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Klare, rigide Gesetze für Gewalttäter, speziell fürdie IS-Anhängerschaft, welche eine spezielle "Truppe" darstellt! STOP der "Kuscheljustiz", der "Beratungen, Gesprächstherapien, Verhätschelungen"! Es muss schweizweit gehandelt werden, bevor es zu noch mehr dieser "Herde" gibt!
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    1. Antwort von Moritz Drechsler  (MoritzD)
      «Rigid», «STOP», «Kuscheljustiz», ein wenig «Verhätschelungen», viele Ausrufezeichen und unbedingt noch den «IS» in den Kommentar hinein: Fertig ist Ihr Rundumschlag gegen alles und jede*n!

      Nein, ehrlich: Warum schreiben Sie nicht eine konstruktive Kritik zum Artikel? Es ist bewiesen, dass Prävention mehr nützt als Repression. Und wenn Sie jetzt kommen mit «aber damit können Täter*innen abgeschreckt werden»: Falsch. Auch das ist bewiesen: Die meisten Taten geschehen im Affekt.
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    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Was hat das mit IS zu tun? Tut mir leid, Sie haben nicht verstanden um was es in diesem Bericht geht. Es betrifft Menschen, die Angst haben mit ihrer Aggression/Wut zu weit zu gehen, oder schon zu weit gegangen sind. Diese Menschen realisieren ihr Problem. Es braucht Mut dazu. Präventive Beratung ist sinnvoll und kann viel Leid verhindern. Ich hoffe nach 3 Jahren wird festgestellt, dass weniger Fälle von Häuslicher Gewalt bearbeitet werden mussten. Falls ja, war das Projekt erfolgreich.
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  • Kommentar von Patrick Sifneos  (Trickpa)
    Seit 8 Monaten Dauer Bombardment über Toten, Kranken und vor allem ständige Prognosen für noch viel mehr Toten. Es ist kein Ende in Sicht, keine Exit strategie. Die Depression im Volk ist jetzt schon zu fühlen, überall. Wenn Politik und Medien so weitermachen, wird der Planet an akute Depression krank.
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