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Bericht zur Energiewende Nicht ganz so rosig wie es scheint

Strom- und Ölverbrauch sinken – der Bund sieht die Schweiz bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 auf Kurs. Doch es gibt auch Kritik.

Legende: Audio Energiewende: Der Bund sieht sich auf Kurs abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
03:33 min, aus Echo der Zeit vom 20.11.2018.

Mit der Energiestrategie 2050 will die Schweiz mittelfristig aus der Kernenergie aussteigen und das Energiesystem klimafreundlich umbauen. Dies unter der Voraussetzung, dass die Versorgung mit Energie jederzeit gewährleistet sein muss und die Kosten für Strom und andere Energieträger für die Konsumenten tragbar bleiben.

Schweiz laut BFE auf Kurs

Wie dieser Umbau voran kommt, will das Bundesamt für Energie (BFE) von nun an regelmässig messen. Für 2018 ist der stellvertretende Direktor Pascal Previdoli zufrieden: «Das Ziel bei der Stromeffizienz pro Kopf ist bereits erreicht», sagt er. Und auch beim Gesamt-Energieverbrauch sei man gut unterwegs.

Konkret ist der Energieverbrauch pro Kopf in der Schweiz seit dem Jahr 2000 um rund 16 Prozent zurückgegangen. Damit ist der Wert, den sich der Bund für das Jahr 2020 vorgenommen hat, bereits heute erreicht.

Langfristig ist noch vieles offen

Ob die Schweiz auch auf dem Weg zur nächsten Marke im Jahr 2035 – bis dann sollten das Minus 43 Prozent betragen – auf Kurs ist, weiss Previdoli allerdings nicht. Es sei noch zu früh, dazu bereits heute etwas Verbindliches zu sagen.

Im Vordergrund eine Windturbine, dahinter ein Stausee.
Legende: Der Energieverbrauch in der Schweiz sinkt, die nachhaltige Stromproduktion nimmt zu – wenn auch nur langsam. Keystone

Auch bleibt in dem Bericht des BFE offen, ob die Geschwindigkeit beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger – Sonnen- und Windenergie, aber auch Wasserkraft und Geothermie – reicht, um dereinst die Atomkraftwerke zu ersetzen.

Umweltallianz sieht Mängel

Die Nichtregierungsorganisationen der sogenannten Umweltallianz sind skeptisch. Sie teilen deshalb den Optimismus des BFE nicht. «Bei unserem eigenen Monitoring – dem Energiewende-Index – sehen wir, dass zu den Zielen, die wir erreichen sollen, noch eine beträchtliche Kluft vorhanden ist», sagt Elmar Grosse Ruse. Er ist Projektleiter Klima und Energie beim WWF.

Auch sei es zu einfach, wenn das BFE das Erreichte nur mit den Vorgaben in den Schweizer Gesetzen vergleiche. Es gebe auch noch internationale Verpflichtungen. In ihrem eigenen Energiewende-Index geht die Umweltallianz deshalb weiter und kommt zu einer anderen Einschätzung, was den Stand der Schweizer Energiewende betrifft.

Emissionen im Ausland ausgeblendet

Sehr stark sei die Abweichung beim Klimaschutz: «Wenn wir die Vereinbarung von Paris ernst nehmen – und die hat die Schweiz bekanntlich auch unterschrieben – stellen wir einen grossen Rückstand fest», so Ruse.

Mann geht über ein Dach aus Elementen einer Fotovoltaik-Anlage.
Legende: Seit 2010 ist die Fotovoltaik stark ausgebaut worden. Doch um die langfristigen Ziele zu erreichen, braucht es noch mehr. Keystone

Konkret sind die Emissionen in den letzten Jahren pro Person zwar um rund 1,6 Tonnen auf 4,4 Tonnen zurückgegangen. Allerdings sind dabei die Emissionen, die Schweizerinnen und Schweizer im Ausland verursachen – und die grösser sind als die inländischen – noch gar nicht mit eingerechnet.

Es braucht weitere Massnahmen

BFE-Vizedirektor Previdoli ist sich dieser Unsicherheiten bewusst. Auch er sagt, dass es für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens weitergehende Massnahmen brauche. Er betont dabei aber den «wichtigen Beitrag» der Massnahmen zur Reduzierung der energiebedingten CO2-Emissionen. «Doch ob sie reichen, ist derzeit noch nicht klar», so Previdoli.

Es lässt sich festhalten: Die Schweiz geht in die richtige Richtung. Doch sie muss künftig wohl noch einen Zacken zulegen, wenn die Energiewende ein Erfolg werden soll. Den nächsten Hinweis gibt der Monitoringbericht in einem Jahr.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Die Energiestrategie 2050 hat nur dann eine Chance, wenn wir regelmässig und zuverlässig darüber informiert werden, wie gross die Anteile der verschiedenen Stromquellen im kritischen Winterhalbjahr sind. Leider klappt dies sehr schlecht! Photovoltaik deckt in dieser entscheidenden Zeitphase erst 1,05% und Windkraft nur 0,2% unseres Strombedarfs. An einer Pressekonferenz gross zu verkünden: "Die Energiestrategie 2050 ist auf Kurs" ist ein schlechter Witz !!!
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  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Wiederspruechlich ! China baut Atomkraftwerk, und die kleine Schweiz steigt aus dem Atomstrom aus,und glaubt damit sie könnten die Klima Erwähnungen aufzuhalten. In 2050 lebe ich nicht mehr und bin nicht mehr da we die Schweiz ohne Strom erwacht
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Interessante Argumentation. Wir haben hier auch einen Rechtsstaat, Meinungsfreiheit etc. Geben wir dies nun auch auf, weil China sich nicht dafür interessiert? Sollte es wirklich zu Versorgungsengpässen kommen, kann man die Strategie jederzeit anpassen. Seltsame Vorstellungen haben Sie.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Erstens: "Strom- und Ölverbrauch sinken"? Dieser Artikel ist mal richtig fake news! Pro Kopf ist das richtig. Aber absolut ist das dank des Wachstums alles andere als zutreffend. Beispiel aus dieser Woche: die Stromersparnis durch Temperatursenkung in der Zürcher S-Bahn wird durch die Zuwanderung innert nicht mal 14 Tagen aufgefressen! Zweitens: Immer trockenere Sommer, dümpelnde Laufkraftwerke, leere Speicherseen, überall Windkraft-Opposition, wachsende Wirtschaft und Bevölkerung. ES2020 ade!
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    1. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      Ich behaupte, dass wir mit der Strategie 2050 sowas von auf die Nase fallen. Dann aber bitte von den damaligen "Abstimmungssiegern" bitte einfach kein Rumgeheule. Aber vielleicht kommt dann von der Politik wie bei den KK-Prämien ein Zuschuss an die Stromrechnungen für die Wenigverdiener. Was aber das Problem im Gesamten nicht löst. Windräder ja, aber ja nicht in meinem bevorzugten Erholungsgebiet. Ok, importieren wir eben noch mehr Kohlestrom. Absurd!
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