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Widerstand ist oft zu gross Gegenwind für viele Projekte

Die Energiewende ist beschlossen, davon ist die Windenergie ein wichtiger Teil. Doch sie kommt nicht vom Fleck. Wieder ist ein Projekt gescheitert. Warum hat es die Windenergie so schwer?

Legende: Audio Widerstand gegen Windenergieprojekte zu gross abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
01:47 min, aus HeuteMorgen vom 13.11.2018.

Zwei Zahlen bringen die Situation auf den Punkt: Die Energiestrategie des Bundes sieht vor, dass künftig sieben Prozent des Strombedarfs durch Windenergie gedeckt werden. Aktuell stehen wir aber nur bei 0,2 Prozent.

Man sei bei weitem nicht dort, wo man sein möchte, sagt Reto Rigassi von Suisse Eole, dem Verband, der sich für die Windenergie in der Schweiz einsetzt.

Fakt ist, dass viele Projekte nur sehr langsam vorwärtskommen. «Die grosse Anzahl zieht sich in die Länge. Das ist für uns das Problem», sagt Rigassi.

Der Zubau ist natürlich sehr beschränkt, weil halt die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes oft überwiegen.
Autor: Raimund RodewaldGeschäftsführer Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Für die Verzögerungen sei unser politisches System verantwortlich: In Gemeinden, wo Windräder geplant sind, finde meist eine Volksabstimmung statt; dies verzögere die Projekte. Und gewisse Projekte scheitern sogar – wie aktuell jenes in Appenzell Innerrhoden.

Dort haben Einsprachen einen Windpark hoch über dem Rheintal verhindert. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz ist mit dem Projektabbruch zufrieden. Die beiden riesigen Windräder hätten das Landschaftsbild zerstört, sagt Geschäftsführer Raimund Rodewald.

Der Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Raimund Rodewald.
Legende: Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz sei nicht generell gegen Windkraftwerke, sagt Geschäftsführer Raimund Rodewald. Keystone

Die Stiftung sei nicht generell gegen Windkraftwerke, aber die Standorte müssten sorgfältig ausgesucht werden. «Insofern ist auch der Zubau dann natürlich sehr beschränkt, weil halt die Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes oft überwiegen», sagt Rodewald.

Wir haben aber eine bedeutende Anzahl von Projekten, die eigentlich gut unterwegs sind, die sich aber in die Länge ziehen.
Autor: Reto RigassiVerband Suisse Eole

Rigassi hingegen sieht keinen Gegensatz zwischen Landschaftsschutz und Windenergie. Es gebe genügend Standorte, um noch Hunderte von Windanlagen zu bauen – ohne die Landschaft zu zerstören.

Denn: Um die Energiewende zu schaffen, brauche es auch die Windkraft, so Rigassi. «Wir stehen immer noch ganz am Anfang der Entwicklung», sagt er und erklärt weiter: «Wir haben aber eine bedeutende Anzahl von Projekten, die eigentlich gut unterwegs sind, die sich aber in die Länge ziehen.»

Rasch werden sich die Pläne der Windenergiebranche also nicht umsetzen lassen. Vielerorts ist der Widerstand gegen Windenergieprojekte zu gross.

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94 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Boller (BOER)
    Keine Kernkraftwerke, weil sie gefährlich sind, keine Windkraftwerke, weil sie nicht in die Landschaft passen, keine Solaranlagen aus dem gleichen Grund. Was wollen wir eigentlich? Auto fahren, in die Ferien fliegen und ungehemmt konsumieren und zubetonieren. Liebe Landschaftsschützer, bald gibt es nichts mehr, das ihr schützen könnt. Euch wird der Schuss noch nach hinten losgehen.
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    1. Antwort von Laurenz Hüsler (Laurenz Hüsler)
      Die gute Nachricht ist: Kernkraftwerke sind sicher. Fukushima bewirkte keine Strahlentoten und keine Krebsfolgen. Trotz Erdbeben, Tsunami und Meltdowns.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Das neue AKW in England erhält insgesamt eine Subvention von 145 Milliarden Pfund und hat eine Bauzeit von mindestens 10 Jahren. Mit diesem Betrag kann man über 10 mal so viel Windkraft finanzieren. Das heisst: Wesentlich mehr Brennstoffverbrauchsreduktion in viel kürzerer Zeit, mehr Versorgungssicherheit, keine teure Energieträgerimportabhängigkeit, keine horrenden Rückbau- und keine Endlagerkosten, kein Kühlwasserbedarf und keine unbezahlbaren Restrisiken.
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    1. Antwort von Laurenz Hüsler (Laurenz Hüsler)
      Verkauf einer Ware zum vereinbarten Preis ist keine Subvention. Windkraft braucht für 70% bis 85% der Zeit Backup-Kraftwerke, und die sind fossil oder nuklear.
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    2. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Wenn der Preis vom Staat festgelegt und garantiert wird selbstverständlich schon. Zudem ist der Kredit für den Bau dieses neuen AKW staatlich gedeckt, da kein privater Kreditgeber das Ausfallrisiko eingehen wollte.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Im Winter wird immer mehr Strom mit Windkraft erzeugt als im Sommer. Insofern ist Windenergie eine ausgezeichnete Ergänzung zur Solarenergie.
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    1. Antwort von Laurenz Hüsler (Laurenz Hüsler)
      Wenn in der Schweiz 4 TWh Windkraft zu erwarten sind, dann ist das nicht viel. Pro Jahr brauchen wir 60TWh, den Grossteil davon im Winter. Das ist die Investition nicht wert - pro MW ist es teurer als neueste Kernkraftwerke, und völlig unzuverlässig.
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    2. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Neue AKW sind wesentlich teurer als erneuerbare Energien. Im Jahr 2017 hat China 53 GW Solar-, 15 GW Wind-, 15 GW Biomasse-, 9 GW Wasser- und 3 GW Atomkraft in Betrieb genommen. Das heisst die neu installierte Atomleistung hat gut 3% der erneuerbaren Leistung erreicht. In diesem Jahr hat China gemäss IAEA noch keinen einzigen AKW Neubau gestartet, weil neue AKW viel zu teuer sind. Beznau I, welcher trotz rissigen Reaktordruckbehälter aus dem Jahr 1965 nicht abgeschaltet wurde, bringt nur 3 TWh.
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    3. Antwort von Laurenz Hüsler (Laurenz Hüsler)
      Herr Schmid, im aktuellen Jahr hat China 4 Reaktoren der neuesten Generation ans Netz gebracht. Dutzende weitere sind unterwegs.
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    4. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Gemäss der IAEA hat China in diesem Jahr auch 2 Reaktoren stillgelegt und eben noch keinen einzigen AKW-Neubau gestartet, weil neue AKW verglichen mit Wind- und Solarenergie schlicht zu teuer sind.
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