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Besitzerwechsel für Knorr Patriotischer Würze-Knatsch – dabei war Aromat nie heimisch

Aromat-Hersteller Knorr wird amerikanisch. Doch Widerstand naht: Die Würze soll heimisch bleiben, obwohl sie es nie war.

Salz, Geschmacksverstärker, Milchzucker, Weizenstärke, Sonnenblumen- und Palmöl, Zwiebeln, Knoblauch, Kurkuma, Trennmittel, Pilz- und Gewürzextrakte – klingen eigentlich gar nicht so spektakulär, die Zutaten von Aromat.

Doch Aromat ist nicht nur einfach Streuwürze. Es ist für viele Schweizerinnen und Schweizer die gelbe Dose mit dem Knorrli drauf, die in jedem Gewürzschrank stehen muss. Verschiedene Medien bezeichnen die Streuwürze als «Schweizer Kultgewürz» oder als «gelbes Gold der Schweiz».

Hand hält Aromat Gewürz neben bunten Eiern.
Legende: Die berühmte gelbe Dose in Schweizer Küchen – Aromat. KEYSTONE / Laurent Gillieron

Nun soll der Aromat-Hersteller Knorr einen neuen Besitzer bekommen. Tausende Schweizerinnen und Schweizer sind empört.

Von Europa nach Amerika

Es geht um eine Ankündigung vor einer Woche: Der Unilever-Konzern kündigte an, dem weltweit grössten Gewürzhersteller McCormick einen Grossteil seiner Lebensmittelsparte zu verkaufen; darunter auch Knorr.

Schweizer Kultprodukte – und ob sie hier noch produziert werden

Zwar war der Aromat-Hersteller schon zuvor nicht in Schweizer Hand – Unilever ist ein britisch-niederländisches Unternehmen –, doch viele Schweizerinnen und Schweizer goutieren den Verkauf an den US-amerikanischen Gewürzhersteller nicht.

Sie befürchten, dass die Amerikaner den Produktionsstandort Thayngen SH schliessen und das Schweizer Nationalgewürz nicht mehr hierzulande produziert werden könnte. Der Schaffhauser Wirtschaftsförderer Christof Schärrer ruft beispielsweise dazu auf, ab jetzt ganz viel Stocki zu essen und mit Aromat zu würzen. Das solle dazu beitragen, dass die Produktion weiterhin in der Schweiz bleibe, sagte er jüngst zu SRF.

«Aromat ghört dr Schwiiz»

Der Basler Jungunternehmer Michael Oehl ging weiter und hat eine Petition mit dem Namen «Aromat ghört dr Schwiiz» lanciert. Der gelbe Streuer sei kein gewöhnliches Produkt. «Er gehört zur Schweizer DNA», schreibt Oehl in der Petition.

Was Petitionär Michael Oehl will:

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Was passiert mit der Petition, nachdem die Unterschriftensammlung für beendet erklärt wird? Die Aromat-Petition richtet sich gemäss Website der Kampagnenorganisation Campax an McCormick, Unilever und Wirtschaftsminister Guy Parmelin.

Doch auf Anfrage erklärt Petitionär Michael Oehl, man verstehe sich als unternehmerische Initiative, nicht als politische. «Wir fordern keine staatliche Intervention und kein Eingreifen in die Wirtschaft.» Man wolle mit McCormick und Unilever an einem Tisch sitzen. «Wir suchen den Kontakt als Gesprächspartner, nicht als Demonstrant. Die 10'000+ Unterschriften sind unsere Mandatsgrundlage für diesen Dialog», schreibt Michael Oehl gegenüber SRF.

Die Petition verlangt, dass der Produktionsstandort Thayngen gesichert wird und die Rezeptur von Aromat bestehen bleibt. Des Weiteren soll geprüft werden, ob es Schweizer Käufer gäbe oder eine Schweizer Beteiligung möglich sei, bevor der Verkauf final abgeschlossen ist. Gemäss Website haben die Petition bereits über 10'000 Personen unterschrieben.

Auch die Cervelat wird als Schweizer Nationalwurst betitelt, ist aber beispielsweise im Tessin viel weniger verbreitet.
Autor: Paul Imhof Buchautor von «Das kulinarische Erbe der Schweiz»

Doch ist Aromat unser «Nationalgewürz»? Paul Imhof, pensionierter Journalist und Autor des Buches «Das kulinarische Erbe der Schweiz», sagt: eher nein. «Auch die Cervelat wird als Schweizer Nationalwurst betitelt, ist aber beispielsweise im Tessin viel weniger verbreitet als in der Deutschschweiz.» Die Schweiz mit ihren Regionen sei nicht so einheitlich, wie man das oft meine.

Aromat – eine Schweizer Idee mit ausländischen Wurzeln

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Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der deutsche Unternehmer Carl Heinrich Knorr die Firma, die später Aromat herstellt, in Heilbronn. Gegen Ende des Jahrhunderts öffnete sein Sohn in St. Margrethen die erste Zweigstelle, die wenig später nach Thayngen SH verlegt wurde. Von hier aus exportierte die Firma seine Beutelsuppen bald in die ganze Schweiz und in die halbe Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tüftelte der Schweizer Spitzenkoch Walter Obrist in Thayngen an neuen Rezepturen für verschiedene Suppen – auch in Granulat-Form. 1953 erfand er schliesslich Aromat. Knorr verschenkte in der Folge rund 30'000 Menagen an Beizen und Restaurants in der ganzen Schweiz. Innert weniger Monate wurde Aromat landesweit bekannt und beliebt.

Dass Aromat als schweizerisches Kultgewürz angesehen werde, habe viel mit Identität zu tun – beziehungsweise mit ihrem Verlust: In einer immer internationaleren Welt seien die Befürchtungen nicht fern, etwas Schweizerisches zu verlieren. Gerade im Bereich Kulinarik könne man hierzulande so international essen wie nie zuvor; Stichwort Dönerläden, Thai-Restaurants, Pizzerien.

Gleichzeitig herrsche ein Trend hin zur «Cuisine du Terroir», die Regionalität und die kulturelle Bedeutung von Gerichten wieder in den Fokus rückt. «Es schwappt hin und her», so Imhof.

Für diejenigen, die sich nun um Aromat fürchten, erinnert er: Schon andere ikonische Produkte wie Sugus, Toblerone oder Ovomaltine wurden aufgekauft und/oder ihre Produktion ins Ausland verlegt. Ob dies schlimm sei, könne er nicht beurteilen. Er begrüsst aber die jetzige Diskussion darüber.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 06.04.2026, 17:30 Uhr; noes

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