Salz, Geschmacksverstärker, Milchzucker, Weizenstärke, Sonnenblumen- und Palmöl, Zwiebeln, Knoblauch, Kurkuma, Trennmittel, Pilz- und Gewürzextrakte – klingen eigentlich gar nicht so spektakulär, die Zutaten von Aromat.
Doch Aromat ist nicht nur einfach Streuwürze. Es ist für viele Schweizerinnen und Schweizer die gelbe Dose mit dem Knorrli drauf, die in jedem Gewürzschrank stehen muss. Verschiedene Medien bezeichnen die Streuwürze als «Schweizer Kultgewürz» oder als «gelbes Gold der Schweiz».
Nun soll der Aromat-Hersteller Knorr einen neuen Besitzer bekommen. Tausende Schweizerinnen und Schweizer sind empört.
Von Europa nach Amerika
Es geht um eine Ankündigung vor einer Woche: Der Unilever-Konzern kündigte an, dem weltweit grössten Gewürzhersteller McCormick einen Grossteil seiner Lebensmittelsparte zu verkaufen; darunter auch Knorr.
Schweizer Kultprodukte – und ob sie hier noch produziert werden
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Bild 1 von 6. Die Neuenburger Schokoladenfabrik Suchard brachte das typisch schweizerische Fruchtsaft-Bonbon Sugus 1931 auf den Markt. 1990 übernahm ein US-Konzern Suchard. Drei Jahre später wurde die gesamte Produktion ins Ausland verlagert. Bildquelle: KEYSTONE / Christian Beutler.
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Bild 2 von 6. Ovomaltine gilt ebenfalls als Schweizer Kultmarke. Der Apotheker und Chemiker Georg Wander erfand das Getränk Ende des 19. Jahrhunderts in Bern. Zwar wird die «Ovi» oder «Ovo» in mehreren Ländern hergestellt. In Neuenegg bei Bern entsteht das Pulver jedoch weiterhin. (im Bild: Schweizer Skirennfahrer Ralph Olinger Ende der 40er-Jahre). Bildquelle: KEYSTONE / PHOTOPRESS-ARCHIV / Str.
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Bild 3 von 6. Toblerone wurde 1908 in Bern erfunden. Die Dreiecksschokolade gehört aber schon seit 1990 zum US-Konzern Mondelez. 2022 sorgte die Firma für Kritik, als ein Teil der Produktion in die Slowakei ausgelagert wurde. Erst seit die Firma 2025 in die Produktionsstätte in Bern investierte, darf Toblerone wieder mit dem Label «aus der Schweiz» werben. Bildquelle: KEYSTONE / EPA / APA / GEORG HOCHMUTH.
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Bild 4 von 6. Valser Mineralwasser kommt aus Graubünden, wurde aber bereits 2002 an Coca-Cola nach Amerika verkauft. Hierzulande kamen Ängste der «Amerikanisierung» des Valserwassers auf. Doch das Wasser selbst wird weiterhin in Vals abgefüllt. Vertrieb, Strategie und Gewinne steuert hingegen der internationale Konzern. Bildquelle: KEYSTONE / Gian Ehrenzeller.
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Bild 5 von 6. Hero – bekannt für ihre kleinen Konfitürli, wurde 1886 in Lenzburg AG gegründet. 1995 wird Hero von der deutschen Schwartau-Gruppe übernommen und ist heute im Besitz der Familie Oetker. 2024 schloss die letzte Produktionsstätte in Lenzburg. Hero gilt in Wirtschaftskreisen als Beispiel für schrittweise «Entschweizerung» eines Traditionsunternehmens. Bildquelle: KEYSTONE / Walter Bieri.
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Bild 6 von 6. Die grösste Bierbrauerei der Schweiz wurde 1876 gegründet und 2000 von der Carlsberg Group übernommen. Feldschlösschen braut seine Biere weiterhin in der Schweiz. Bildquelle: KEYSTONE / Alessandro della Valle.
Zwar war der Aromat-Hersteller schon zuvor nicht in Schweizer Hand – Unilever ist ein britisch-niederländisches Unternehmen –, doch viele Schweizerinnen und Schweizer goutieren den Verkauf an den US-amerikanischen Gewürzhersteller nicht.
Sie befürchten, dass die Amerikaner den Produktionsstandort Thayngen SH schliessen und das Schweizer Nationalgewürz nicht mehr hierzulande produziert werden könnte. Der Schaffhauser Wirtschaftsförderer Christof Schärrer ruft beispielsweise dazu auf, ab jetzt ganz viel Stocki zu essen und mit Aromat zu würzen. Das solle dazu beitragen, dass die Produktion weiterhin in der Schweiz bleibe, sagte er jüngst zu SRF.
«Aromat ghört dr Schwiiz»
Der Basler Jungunternehmer Michael Oehl ging weiter und hat eine Petition mit dem Namen «Aromat ghört dr Schwiiz» lanciert. Der gelbe Streuer sei kein gewöhnliches Produkt. «Er gehört zur Schweizer DNA», schreibt Oehl in der Petition.
Die Petition verlangt, dass der Produktionsstandort Thayngen gesichert wird und die Rezeptur von Aromat bestehen bleibt. Des Weiteren soll geprüft werden, ob es Schweizer Käufer gäbe oder eine Schweizer Beteiligung möglich sei, bevor der Verkauf final abgeschlossen ist. Gemäss Website haben die Petition bereits über 10'000 Personen unterschrieben.
Auch die Cervelat wird als Schweizer Nationalwurst betitelt, ist aber beispielsweise im Tessin viel weniger verbreitet.
Doch ist Aromat unser «Nationalgewürz»? Paul Imhof, pensionierter Journalist und Autor des Buches «Das kulinarische Erbe der Schweiz», sagt: eher nein. «Auch die Cervelat wird als Schweizer Nationalwurst betitelt, ist aber beispielsweise im Tessin viel weniger verbreitet als in der Deutschschweiz.» Die Schweiz mit ihren Regionen sei nicht so einheitlich, wie man das oft meine.
Dass Aromat als schweizerisches Kultgewürz angesehen werde, habe viel mit Identität zu tun – beziehungsweise mit ihrem Verlust: In einer immer internationaleren Welt seien die Befürchtungen nicht fern, etwas Schweizerisches zu verlieren. Gerade im Bereich Kulinarik könne man hierzulande so international essen wie nie zuvor; Stichwort Dönerläden, Thai-Restaurants, Pizzerien.
Gleichzeitig herrsche ein Trend hin zur «Cuisine du Terroir», die Regionalität und die kulturelle Bedeutung von Gerichten wieder in den Fokus rückt. «Es schwappt hin und her», so Imhof.
Für diejenigen, die sich nun um Aromat fürchten, erinnert er: Schon andere ikonische Produkte wie Sugus, Toblerone oder Ovomaltine wurden aufgekauft und/oder ihre Produktion ins Ausland verlegt. Ob dies schlimm sei, könne er nicht beurteilen. Er begrüsst aber die jetzige Diskussion darüber.