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Legende: Audio Betreuungsurlaub und Kündigungsschutz für pflegende Angehörige abspielen. Laufzeit 04:10 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 30.08.2019.
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Betroffene Mutter «14 Wochen Betreuungsurlaub sind ein wichtiger Meilenstein»

Wie wichtig die Zeit ist, um ein Kind zu pflegen, weiss Familie Keller. Zwei Jahre kämpfte Sohn Luis gegen Leukämie. Nur drei Tage Urlaub standen seinen Eltern zu, um bei ihm zu sein.

Wer gut umsorgt und gepflegt wird, wird schneller gesund. Die Gesundheitskommission des Nationalrates hat nun Ja gesagt zum längeren Betreuungsurlaub für Eltern schwerkranker Kinder. Wie wichtig die Zeit ist, um ein Kind zu pflegen, weiss Familie Keller.

Vor 7 Jahren, an einem Mittwochabend, entdeckte Nannette Keller geschwollene Lymphknoten am Hals ihres damals 8-jährigen Sohnes Luis. Am selben Abend bereits die Diagnose: Leukämie. «Wir wurden über Nacht in eine Welt katapultiert, die wir nicht kannten», sagt Keller. «Die ersten drei Wochen waren wir im Spital, vom Notfall direkt auf die Onkologie-Station. Wir mussten viele schwierige Entscheidungen treffen.»

Luis reagierte heftig auf die Chemotherapie. Er hatte viele Nebenwirkungen, einmal sogar eine Blutvergiftung. Der Junge verlor alle Haare, magerte ab, sah schlecht aus. Es sei für Luis und für den Rest der Familie eine enorme psychische Belastung gewesen, erzählt Nannette Keller.

Auch 14 Wochen hätten nicht gereicht

Weil sie ihre Arbeit gekündigt hatte, musste sich die Familie finanziell einschränken. Dennoch sei es ihnen verhältnismässig gut gegangen. Sie habe im Spital andere Schicksale erlebt, erzählt sie. Eltern, die ihre Jobs nicht kündigen konnten, weil sie zu wenig verdienten und daher nicht immer beim kranken Kind sein konnten. Oder Mütter, denen der Arbeitgeber kündigte, weil sie zu oft fehlten.

Ja zum Betreuungsurlaub für Eltern schwerkranker Kinder

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Wer Angehörige betreut, soll dafür bis zu zehn Tage Urlaub im Jahr erhalten. Eltern schwer beeinträchtigter Kinder sollen bis zu 14 Wochen Betreuungsurlaub nehmen können. Die Gesundheitskommission des Nationalrates (SGK) ist damit einverstanden.

Es sei wichtig, dass die grosse Arbeit, die pflegende Angehörige leisteten, besser anerkannt und auch finanziell unterstützt werde, schreibt die Kommission in einer Mitteilung.

Maximal 14 Wochen

In der Detailberatung folgte die Kommission weitgehend dem Bundesrat. Für Eltern schwer beeinträchtigter Kinder ist ein Betreuungsurlaub von maximal 14 Wochen vorgesehen. Der Urlaub kann innerhalb von 18 Monaten tageweise oder am Stück bezogen werden.

Finanziert werden soll er über die Erwerbsersatzordnung (EO). Die Kosten schätzt der Bundesrat auf 74 Millionen Franken pro Jahr. Eine Erhöhung des EO-Beitragssatzes ist jedoch nicht nötig.

Nannette Keller begrüsst einen gesetzlich festgeschriebenen Betreuungsurlaub und einen Kündigungsschutz für Eltern in dieser schwierigen Situation. «14 Wochen Betreuungsurlaub sind ein ganz grosser und wichtiger Meilenstein. Und selbst das hätte bei uns noch nicht gereicht, wenn ich ehrlich bin», sagt sie.

Zwei Jahre lang dauerte der Alptraum der Kellers. Dann ging es Luis endlich besser. Jetzt besucht er das Gymnasium, treibt Sport, steht voll im Leben. Bald kann er seinen 15. Geburtstag feiern.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier  (Meier Dölf)
    Bereits entfallen 50 Prozent der Sozialhilfen auf alleinerziehende Mütter. Finanziert von den Steuerzahlern und nicht von den Verursachern.
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Es wäre schön, wenn der Betreuungsurlaub nicht stur 14 Wochen betragen würde sondern entsprechend der Krankheit des zu betreuenden Kindes gewährt würde!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Vom EU-Topf finanzieren, nach dem Muster des Mutterschaftsurlaubs (MU). Gut regeln, in welchen Fällen diese gewährt werden kann - was heisst, "schwer krank". Klar, bei einer längeren Krankheit, wie im Artikel geschildert, halten sich die finanziellen Auswirkungen in Grenzen, aber - wie bei MU - bekommt die Familie Zeit, sich auf die Situation einzustellen, sich zu organisieren und zu befestigen. Wir finanzieren so viel gesellschaftlichen Schwachsinn im In-/Ausland mit, wieso nicht die Kinder?
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