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Debatte um Diskriminierung an Schweizer Schulen
Aus Rendez-vous vom 19.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
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Bildung und Rassismus Basler Parlament setzt sich für diskriminierungsfreie Schule ein

Der Grosse Rat in Basel hat der Regierung eine Petition zum Thema überwiesen. Es bestehe Handlungsbedarf, sagen Fachpersonen.

Egal mit welcher Hautfarbe oder mit welchem religiösen, kulturellen oder sozialen Hintergrund, die Schule müsse alle Kinder und Jugendlichen abholen, sagt Heidi Mück, die das Grün-alternative Bündnis im Basler Grossen Rat vertritt. «Die Kinder und Jugendlichen sollen in einer möglichst diskriminierungsarmen Umgebung aufwachsen. Dort ist die Schule ein wichtiger Teil und hat eine wichtige Rolle.»

Nach Annahme eine Petition des Grossen Rates muss sich die Basler Regierung mit der Forderung nach einer diskriminierungsfreien Schule auseinandersetzen. Das Basler Erziehungsdepartement will sich nicht zum Thema äussern, da das Geschäft hängig sei. Aber im Parlamentsbericht bestätigt die Leiterin der Primarschule, dass «Handlungsbedarf bestehe».

Oft verpassen es die Lehrkräfte, bei abwertenden Bildern oder Zitaten zu reagieren und einzuschreiten.
Autor: Mandy Abou ShoakSozialarbeiterin und Menschenrechtsaktivistin

Rassistische Klischees in Schulbüchern

Die Sozialarbeiterin und Menschenrechtsaktivistin Mandy Abou Shoak arbeitet in einer Schule zum Thema Diskriminierung in der Bildung und macht Workshops zum Thema. Sie hat sich intensiv mit Rassismus in Lehrmitteln beschäftigt und diese untersucht.

Ihr Fazit: Schwarze Menschen und Menschen of Colour würden grundsätzlich abgewertet. So würden Menschen des globalen Nordens als überlegen, rational, zivilisiert und aufgeklärt dargestellt, während die Menschen des globalen Südens als unterlegen, emotional und geschichtslos dargestellt würden.

Geforderte Lehrer

Dies habe Folgen für Kinder of Colour, sagt Abou Shoak: «Wenn diese abwertenden Bilder oder Zitate stehen gelassen werden, wird Schülerinnen und Schülern of Colour in die Haare gefasst, oder es werden Affengeräusche gemacht. Oft verpassen es die Lehrkräfte oder die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, darauf zu reagieren und einzuschreiten.»

Die Schule würde so ihrer Schutzpflicht verletzen, weil Lehrerinnen und Sozialarbeiter Rassismus nicht immer erkennen und dagegen handeln. So würden weisse Kinder bevorteilt werden, Kinder of Colour dagegen Abwertung und Destabilisierung ihres Selbsts erfahren. «Das kann zu Traumatas führen.»

Das Recht auf Bildung würde so verletzt, denn die Kinderrechtskonvention der UNO fordere einen diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung. Die Broschüre zu Rassismus in Lehrmitteln von Mandy Abou Shoak und Rahel El Maawi zeigt auf, dass auch aktuelle Lehrmittel in der Schweiz auf einer weissen und auf einer männlichen und christlichen Norm basieren.

«Rassismus kann ein Problem sein»

Das Thema Rassismus und Diskriminierung in der Schule beschäftigt auch die Eidg. Kommission gegen Rassismus.

Man kann von Integration, Toleranz und Interkulturalität sprechen, das ist wichtig. Aber man muss auch die Probleme anerkennen.
Autor: Martine Brunschwig GrafPräsidentin der Kommission gegen Rassismus

Kommissionspräsidentin Martine Brunschwig Graf kritisiert, dass im Lehrplan 21 zwar von Integration und Toleranz gesprochen werde, dass das Wort «Rassismus» aber nicht vorkomme: «Man kann von Integration, Toleranz und Interkulturalität sprechen, das ist wichtig. Aber man muss auch die Probleme anerkennen. Rassismus kann in der Schule ein Problem sein.»

Die Schwierigkeit bei Diskriminierung und Rassismus sei, dass jeder und jede seine eigenen Gedanken und Vorurteile reflektieren müsse. Auch die Lehrpersonen, die an der Ausarbeitung der Lehrmittel beteiligt seien.

Die Eidg. Kommission gegen Rassismus will handeln und hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Empfehlungen ausarbeiten soll, in welcher Weise Lehrmittel und Lehrpläne überarbeitet und Lehrpersonen ausgebildet werden sollen.

Rendez-vous vom 19.05.2021, 12.30 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    Insbesondere aus pädagogischer Sicht ist neu kreiertes Wort "Kinder of Colour" sehr ungeeignet, wenn sie sogleich von "weissen Kindern" unterschieden werden gem. Zitat in Artikel. So wie geschrieben steht "egal mit welcher Hautfarbe", so soll es auch sein. Weiss ist auch eine Farbe, solche Kinder sind nicht farblos und völlig anders. Zumindest sollen Schüler nicht so denken lernen, sondern zusammen sein. Halbenglische Worte helfen nicht weiter um Hautfarben zu (nicht-)unterscheiden.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Diskriminierungsfrei bedeutet mit allen gleich umzugehen und keine Sonderwünsche und Behandlung zuzulassen. Gespannt wie das umgesetzt wird. Oder meint man damit auf jedwelche, von unserer Kultur abweichende Sonderwünsche und Verhaltenweise speziell einzugehen und sich alle anderen mit ihrem eigenen Verhalten anzupassen haben?
  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Da es offiziell keine Rassen gibt, kann es auch keinen Rassimus geben. Oder habe ich da etwas verpasst?