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Jedes Jahr werden Millionen von männlichen Küken getötet
Aus Espresso vom 22.01.2021.
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Bio-Eier-Produktion im Dilemma Männliche Küken müssen auch für Bio-Eier sterben

Das Problem der männlichen Küken ist noch immer ungelöst. Es gibt aber verschiedene Lösungsansätze.

Jedes Jahr werden Millionen von männlichen Küken in der Legehenne-Industrie getötet, weil sie für die Eier-Produktion nichts nützen. Seit letztem Jahr ist das Schreddern der Eintages-Küken in der Schweiz verboten. Verbreitet ist heute das Vergasen der Tiere. Ein neues Verfahren der Geschlechterbestimmung im Ei macht es möglich, dass männliche Embryonen erkannt und eliminiert werden.

Als erster Schweizer Detailhändler hat Migros nun angekündigt, dass sie «Respeggt»-Eier anbietet. Das sind Freilandeier, bei denen die männlichen Embryonen mittels einer Punktion des Eis mit einer Nadel frühestens am neunten Brütetag identifiziert werden.

Für den Schweizer Tierschutz ist der Zeitpunkt der Geschlechterbestimmung aber zu spät: «Man geht davon aus, dass die Embryonen zu diesem Zeitpunkt bereits Schmerz empfinden», erklärt Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz.

Vielversprechende Forschung in Deutschland

Eben wurde in Deutschland von der Bundesregierung ein Gesetz entworfen, welches das Abtöten des Embryos im Ei nach dem sechsten Brütetag verbieten soll. Das Töten der männlichen Küken soll bereits ab nächstem Jahr gänzlich verboten werden.

In Deutschland ist es aber offenbar gelungen, mittels einer anderen Methode, das Geschlecht des Embryos viel früher zu bestimmen – durch das sogenannte spektroskopische Verfahren. Hier werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl durch ein Loch in der Schale in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Sowohl die Früherkennung des Geschlechts im Ei, als auch die Bruderhahn-Aufzucht sind gute Wege, um das Problem langfristig zu lösen.
Autor: David HerrmannBiosuisse

Alternativen in der Bio-Produktion

Alle, die in der Schweiz Bio-Eier konsumieren, sind sich vielleicht zu wenig im Klaren, dass in der Produktion nach wie vor männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet werden.

Eine Ausnahme bei den Labels sind Demeter-Eier oder Eier der Marke Henne&Hahn. Diese Labels produzieren nach dem Konzept der Bruderhahn-Aufzucht: Hier werden die Brüder der Legehennen aufgezogen und gemästet, das Fleisch wird weiterverarbeitet. Die Tiere setzen weniger Fleisch an und benötigen mehr Zeit als Masthähnchen. Durch den recht hohen Preis für ein Ei (mehr als ein Franken) wird die Aufzucht des Hähnchens quersubventioniert.

Eine Möglichkeit für Konsumentinnen und Konsumenten sind Zweinutzungs-Hühner. Unter Zweinutzungshühnern versteht man eine Hühnerrasse, die sowohl zur Ei- als auch zur Fleischerzeugung genutzt werden kann. Hennen dieser Rasse legen weniger und teilweise kleinere Eier als konventionelle Legehennen. Die Hähne werden gemästet, wachsen aber langsamer und weisen einen kleineren Brustmuskel auf als konventionelle Masthühner.

Biosuisse, der Dachverband der Schweizer Bio-Knospe-Produzenten, verfolgt alle Alternativen zum Küken-Töten. Wie David Herrmann von Biosuisse gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» sagt, seien sowohl die Früherkennung des Geschlechts im Ei, als auch die Bruderhahn-Aufzucht gute Wege, um das Problem langfristig zu lösen.

Espresso, 22.01.2021, 08:13 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Hirschhofer  (Hirschi)
    Deswegen kommen Eier und Hühner/Hähne bei mir immer aus Biodynamischer (Demeter) Landwirtschaft. Ich bin gerne dazu bereit, den Aufpreis zu bezahlen.
    1. Antwort von Daniel Meier  (Danimeier)
      Dito!
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    COOP, Migros und andere Grossverteiler reagieren erst dann, wenn es einen Aufstand gibt anstatt proaktive vorweg die Produzenten auf einen guten Weg zu "zwingen". Schlussendlich werden immer wieder Abstriche bei der Ethik gemacht, wenn es darum geht, die Kosten im Betrieb zu senken oder die Marche zu erhöhen. Man muss mal die Fakten auf den Tisch legen, anstatt die Verantwortung immer auf den Kunden abzuschieben. Schlussendlich kaufen wir was im Angebot ist.
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Die Leute, die sagen man kann nicht alleine Vegan leben. 1. es geht, die Menschen haben vor der Agrarwirtschaft sich hauptsächlich von allem anderen als tierische Produkte ernährt und waren Aasfresser. 2. Man muss nicht komplett auf tierische Produkte verzichten, doch man muss etwas gegen die Industrie tun, die teilweise Tiere einfach wegwerfen, weil es zu viel Geld kostet, etwas damit zu tun. Tiere sind auch zum essen da, aber nicht zum Grundlos wegzuwerfen.
    1. Antwort von Pirmin Koch  (Preemz)
      Ich war der grösste Anti Veganer den es gibt AKA fast food liebhaber. Seit ich aber viel Sport treibe (bis zu 12x/Woche) sah ich wie eine Ernährung auf pflanzlicher Basis einfach nur Vorteile für den Körper hat. Mal ganz abgesehen von den Ökologischen und Ethischen.
    2. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      @Pirmin, der Mensch war bis vor 10'000 Jahren, Jäger und Sammler, wobei er eher Sammler als Jäger war. Zudem leben in anderen Kontinenten die Menschen mit sehr wenig Fleisch und sind trotzdem um einiges Körperlich robuster als wir. Deshalb kann Ich Ihre Umstellung total verstehen. Ich denke in erster Linie muss ein gesunder Mittelweg gefunden werden, denn die Tierindustrie ist weit weg von der Ethik, von welcher wir selber immer predigen.