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Brandkatastrophe Crans-Montana Tiefpunkt der Krise überwunden: Italiens Botschafter kehrt zurück

Gian Lorenzo Cornado kehrt zurück nach Bern. Damit scheint der Tiefpunkt in der Krise der schweizerisch-italienischen Beziehungen überwunden.

Wenn ein Land ein anderes ermahnen will, dann zitiert es in der Regel den Botschafter vor Ort ins Aussenministerium. Konkret: Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana an Neujahr hätte Italiens Aussenminister den Schweizer Botschafter in Rom für eine Protestnote zu sich zitieren können. Doch Italien entschied sich für eine schärfere Massnahme und zog Botschafter Gian Lorenzo Cornado aus Bern ab.

Man muss in den Geschichtsbüchern weit zurückblättern, um eine ähnlich schwerwiegende diplomatische Krise zwischen den beiden benachbarten und befreundeten Staaten zu finden.

Forderung nach gemeinsamem Ermittlungsteam

Von Premierministerin Giorgia Meloni hiess es dazu: Italiens Botschafter werde erst dann wieder nach Bern zurückkehren, wenn es ein gemeinsames schweizerisch-italienisches Ermittlungsteam gebe, das die Brandkatastrophe von Crans-Montana aufarbeite.

Heute weiss man: Ein solches Team gibt es nicht. Doch es gibt etwas anderes: Die zuständigen Justizbehörden aus der Schweiz und Italien treffen sich, reden miteinander, tauschen sich aus. Und offenbar bewerten beide Seiten diese Zusammenarbeit als positiv. Darum hat Italien entschieden, den Botschafter in die Schweiz zurückzuschicken, auch ohne bilaterales Ermittlungsteam.

Älterer Mann im Anzug mit schwarzem Mantel im Freien.
Legende: Der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado. AP Photo / John Leicester

Vielleicht deswegen teilte dies die Regierung in Rom kurz vor Karfreitag mit, also gut versteckt im Windschatten der kommenden Feiertage. Ab Montag soll Botschafter Cornado wieder in Bern sein. Ist damit alles ausgestanden? Man weiss es nicht. Denn der Brand von Crans-Montana mit seinen vielen Todesopfern und Schwerverletzten treibt Italien weiter um.

Weiterhin grosse Emotionen in Italien

An Karfreitag widmete das staatliche Fernsehen Rai dem Brand und den Opfern erneut eine Sondersendung. Und zwar zu bester Sendezeit, zwischen der Haupttagesschau auf Rai Uno und der Direktübertragung des Kreuzwegs, den Papst Leo beim Kolosseum zelebrierte.

Dies zeigt: Das Thema weckt in Italien weiterhin grosse Emotionen. Und noch immer sind viele zentrale Fragen offen. Welche Beträge erhalten die Opfer als Entschädigung? Wer sind die Verantwortlichen? Und wie hoch werden die Strafen ausfallen?

In der italienischen Öffentlichkeit werden dazu Antworten diskutiert, die nicht zwingend mit den schweizerischen übereinstimmen müssen. Weitere Konflikte sind möglich. Immerhin scheint mit der Rückkehr des italienischen Botschafters der Tiefpunkt dieser Krise überwunden.

Echo der Zeit, 4.4.2026, 18:00 Uhr

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