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Brandkatastrophe Crans-Montana Wie geht es den Patienten im Kinderspital Zürich?

Nach dem Brandunglück in der Silvesternacht in Crans-Montana befinden sich aktuell noch fünf Patientinnen und Patienten im Kinderspital Zürich. Zwei von ihnen sind weiterhin auf der Intensivstation, drei sind auf der normalen Abteilung. Dr. Ueli Möhrlen, Direktor der Chirurgie am Kispi, weiss mehr über deren Zustand.

Prof. Dr. Ueli Möhrlen

Direktor Chirurgie am Kinderspital Zürich

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Prof. Möhrlen ist Direktor der Chirurgischen Klinik des Universitäts-Kinderspitals Zürich und leitet zusammen mit Prof. Zimmermann das Zentrum für Fetale Diagnostik und Therapie. Er hat in Zürich studiert und das Staatsexamen im Jahr 2000 abgelegt.

SRF News: Wie geht es den drei Patienten, die auf der normalen Abteilung sind?

Ueli Möhrlen: Die Patienten auf der Station sind vollständig gedeckt. Das heisst, sie haben keine offenen Wunden mehr.  Bei ihnen geht es nun in die Rehabilitationsphase, dass die Patienten sich wieder bewegen, damit sie wieder in den Alltag zurückkommen.

Wie ist der Zustand der zwei Patienten auf der Intensivstation?

Das sind nach wie vor schwerkranke Patienten. Dort geht es wirklich um die Frage, ob sie überleben.  Sie sind noch nicht vollständig gedeckt, haben noch grosse Wunden.  Meistens ist das Problem nicht nur die Verbrennung selbst, sondern auch die anderen Organsysteme, die ausgestiegen sind und noch nicht selbstständig funktionieren.

Haben Sie jetzt, einen Monat nach dem Unglück, beim Kispi andere Herausforderungen als am Anfang?

Es sind definitiv andere Herausforderungen. Am Anfang war es einfach ein sehr grosser Patientenanfall.  Es stellten sich Fragen wie: Wie kann man die Patienten versorgen? Wer sind die Patienten überhaupt? Wie alt sind die Patienten?  Jetzt hat sich das verschoben. Es ist alles in den Regelbetrieb zurückgegangen. Wir müssen neben den verbrannten Patienten auch ganz viele andere Patienten versorgen.

All diese Patienten brauchen sehr viel Betreuung. Was heisst das für das Personal?  

Verbrennungspatienten sind sehr intensiv. Einerseits für das Pflegepersonal, das die Patienten stark betreut. Auf der anderen Seite auch für das ärztliche Personal, das wiederkehrende Eingriffe vornimmt.

Die Behandlung von brandverletzten Patientinnen und Patienten ist immer eine grosse psychische Belastung für alle involvierten Teams.

Man kann einen Patienten nicht in einer Sitzung operieren, es braucht mehrere. Das sind lange Operationen und das fordert das Personal jeden Tag deutlich mehr als im normalen Regelbetrieb.

Was heisst das psychisch für das Personal? 

Die Behandlung von brandverletzten Patientinnen und Patienten ist immer eine grosse psychische Belastung für alle involvierten Teams. Das sind junge Menschen, die durch eine Katastrophe aus ihrem Alltag herausgerissen werden und Verletzungen haben, die nie mehr ganz gut werden. Das weiss das Behandlungsteam. Auch braucht es Unterstützung der Angehörigen und der Patienten. Das belastet die Teams psychisch auch entsprechend.

Wie ist der Umgang mit den Eltern?
 
Man hat einen sehr nahen und ehrlichen Kontakt mit den Eltern. Es ist klar, dass die Eltern von Anfang an verstehen müssen, was mit ihnen passiert ist. Nur so kann man vertrauensvoll mit ihnen zusammenarbeiten und sie auch dort hinführen, wo es schlussendlich enden wird.

Es gab eben einen Todesfall im Universitäts-Spital wegen resistenten Keimen. Machen Sie sich Sorgen?

Resistente Keime sind auf Intensivstationen immer ein Problem.  Je länger ein Patient auf einer Intensivstation ist, einerseits mit grossen Wundflächen, andererseits mit verschiedenen Installationen, mit Kathetern, mit Schläuchen – da hat man immer ein Problem mit resistenten Keimen.

Die Zeit spielt gegen einen.

Man versucht alles zu machen, damit es keine Infektionen gibt bei den Patienten. Aber das ist ein Problem, was man nicht in den Griff bekommen kann. Die Zeit spielt gegen einen.

Das Gespräch führte Detlev Munz.

10vor10, 3.2.2026, 21.50 Uhr ; 

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