Nach der verheerenden Brandkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana spricht der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer über die schwierige Lage, die Suche nach der Ursache und die unausweichliche Frage der Schuld.
SRF News: Sie waren in der Silvesternacht nur wenige Stunden nach dem Unglück vor Ort. Was haben Sie dort erlebt?
Stéphane Ganzer: Ich wurde vom Feuerwehrkommandanten angerufen und bin sofort hingefahren. Die Szene war wie im Krieg. Überall waren junge Menschen, die schrien und weinten, und unzählige Einsatzkräfte, die versuchten zu helfen. Diese Bilder, die ankommenden Eltern, das werde ich nie vergessen.
Viele Familien haben immer noch keine Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen. Wie gehen sie mit dieser Situation um?
Das ist das Schlimmste. Wir haben viele Familien getroffen, und diese Menschen warten seit Tagen auf eine Antwort. Sie wollen wissen: Lebt mein Kind? Ist es im Spital oder ist es tot? Bisher konnten wir diese Information nicht geben, weil die Identifizierung der Opfer extrem aufwendig ist. Spezialistenteams arbeiten rund um die Uhr.
Das eigentliche Problem ist für mich nicht die Kerze allein, sondern die Decke. Es scheint ein grosses Problem mit dem Material zu geben, das dort verbaut wurde.
Der Kanton hat die «besondere Lage» ausgerufen. Was bedeutet das konkret?
Diese Massnahme erlaubt uns, die Zusammenarbeit mit dem Bund und anderen Kantonen besser zu führen und die Einsatzkräfte zentral zu koordinieren. Wir brauchen diese Hilfe und die Kompetenzen von aussen. Meiner Meinung nach wird die besondere Lage noch mindestens eine Woche beibehalten.
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Bild 1 von 35. Ein Meer aus Kerzen – Crans-Montana am Abend des 4.1.2026. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Antonio Calanni.
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Bild 2 von 35. Feuerwehrleute und Hunderte Menschen trauern an der Gedenkstätte vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas .
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Bild 3 von 35. Trauermarsch in Crans-Montana am Sonntag. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 4 von 35. Gedenkmesse für die Opfer der Brandkatastrophe: Feuerwehrleute stehen während der Messe vor der Chapelle Saint-Christophe de Crans zu Ehren der Opfer. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner.
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Bild 5 von 35. Bischof Jean-Marie Lovey begrüsst Nicolas Feraud, Präsident von Crans-Montana, vor dem Start des Gedenkgottesdiensts. Bildquelle: Jean-Christophe Bott/Pool via REUTERS.
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Bild 6 von 35. Ein Kind kniet vor einer Gedenkstätte mit Blumen vor dem Unglücksort. Bildquelle: REUTERS/Umit Bektas.
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Bild 7 von 35. Bundesrat Beat Jans hat am Samstagnachmittag den Unglücksort besucht und Blumen niedergelegt. Bildquelle: AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 8 von 35. Nach der Brandkatastrophe ist die Trauer in Crans-Montana gross. Bildquelle: REUTERS/Lisa Leutner .
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Bild 9 von 35. Blumenmeer für die Opfer. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 10 von 35. Menschen zollen den Opfern Respekt. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 11 von 35. Kerzen für die Opfer. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 12 von 35. Zahlreiche Menschen legten in Crans-Montana Blumen nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 13 von 35. Die Trauer ist gross. Bildquelle: Keystone/AP Photo/ Antonio Calanni.
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Bild 14 von 35. Währenddessen gehen die Ermittlungsarbeiten weiter. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Baz Ratner.
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Bild 15 von 35. Der italienische Aussenminister Antonio Tajani (2. von links) hat Crans-Montana besucht. Links der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. Bildquelle: Keystone/EPA/GIUSEPPE LAMI.
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Bild 16 von 35. Gemeinsam mit dem Walliser Staatsratspräsidenten legte der italienische Aussenminister unweit des Unglücksortes einen Blumenstrauss nieder. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 17 von 35. Die Betroffenheit aus der Bevölkerung ist einen Tag nach der Katastrophe... Bildquelle: SRF.
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Bild 18 von 35. ... in der Gemeinde spürbar. Bildquelle: SRF.
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Bild 19 von 35. Die Bar «Le Constellation» – der Ort des Unglücks am Tag danach. Bildquelle: SRF.
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Bild 20 von 35. Das Medieninteresse auch aus dem Ausland ist nach wie vor gross. Bildquelle: SRF.
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Bild 21 von 35. Die Schweizer Flaggen am Bundeshaus wehen für fünf Tage auf Halbmast. Die Waadtländer Kantonsregierung folgte dem Beispiel. Bildquelle: KEYSTONE/Anthony Anex.
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Bild 22 von 35. Vor dem abgesperrten Gebiet um den Unglücksort versammelten sich am Donnerstagabend hunderte Trauernde. Bildquelle: KEYSTONE/Alessandro della Valle.
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Bild 23 von 35. Die Menschen in Crans-Montana sind tief betroffen. Bildquelle: REUTERS/Stephanie Lecocq.
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Bild 24 von 35. Unter den Opfern befinden sich viele junge – teils minderjährige – Menschen. Bildquelle: Alessandro della Valle/Keystone via AP.
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Bild 25 von 35. Am Donnerstagabend fand eine Gedenkmesse in der katholischen Kirche in Crans-Montana statt. Bildquelle: EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE.
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Bild 26 von 35. Am Donnerstagnachmittag machte sich Bundespräsident Guy Parmelin vor Ort ein Bild der Lage. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 27 von 35. Bestattungsfahrzeuge vor dem Unglücksort: Die Walliser Behörden gehen von rund 40 Todesopfern aus. Bildquelle: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott.
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Bild 28 von 35. Eine Vielzahl von Kriminaltechnikerinnen und -technikern war vor Ort, um die Ursache des Feuers zu ermitteln. Bildquelle: REUTERS/Denis Balibouse.
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Bild 29 von 35. Die Menschen in Crans-Montana stehen nach der Katastrophennacht unter Schock. Bildquelle: SRF/Anna-Lisa Achtermann.
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Bild 30 von 35. Die Rega setzte für die Versorgung und Verlegung von Brandopfern auch Ambulanzflugzeuge ein. Bildquelle: REUTERS/Pierre Albouy.
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Bild 31 von 35. Die Behörden sprachen an der ersten Medienkonferenz am Donnerstagvormittag noch von «Dutzenden Verstorbenen». Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 32 von 35. Chaotisch zurückgelassene Stühle, angelaufene Scheiben, ein Turnschuh: Blick in das Innere der ausgebrannten Bar «Le Constellation». Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 33 von 35. Im Rettungseinsatz standen 13 Helikopter, 42 Ambulanzen und 150 Sanitäterinnen und Sanitäter. Bildquelle: X/Osint World.
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Bild 34 von 35. Was als Neujahrsfest über die Bühne gehen sollte, endete für viele in einem Drama. Bildquelle: Keystone/Kantonspolizei Wallis.
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Bild 35 von 35. Die Bar «Le Constellation» steht in Flammen. Die Einsatzkräfte wurden um 01:30 Uhr alarmiert. Bildquelle: Screenshot/Social Media/X@Tyroneking36852.
Im Raum steht, dass funkensprühende Bengalkerzen auf Champagnerflaschen das Feuer ausgelöst haben. Können Sie das fassen?
Ich habe das Video gesehen und war sehr erstaunt. Solche Bengalkerzen findet man in jeder Bar oder Diskothek in der Schweiz, man sieht das oft. Das eigentliche Problem ist für mich nicht die Kerze allein, sondern die Decke. Es scheint ein grosses Problem mit dem Material zu geben, das dort verbaut wurde.
Wer ist für die Kontrolle solcher Materialien verantwortlich?
Für die Brandschutzkontrollen in Gebäuden sind grundsätzlich die Gemeinden zuständig. Die Gemeinde Crans-Montana hat in dieser Bar auch Kontrollen durchgeführt. Uns als Kanton war kein besonderes Problem mit diesem Lokal bekannt. Die Polizei wird nun alle Berichte und die genauen Umstände prüfen.
Ein so riesiger Unfall mit einem Feuer in der Schweiz, wo wir Normen und professionelle Kontrollen haben, bedeutet, dass etwas nicht funktioniert hat.
Experten sagen, bei einer Katastrophe dieses Ausmasses muss beim Brandschutz massiv etwas schiefgelaufen sein. Sehen Sie das auch so?
Ein so riesiger Unfall mit einem Feuer in der Schweiz, wo wir Normen und professionelle Kontrollen haben, bedeutet, dass etwas nicht funktioniert hat. Es gab einen Notausgang, es gab Kontrollen. Aber vielleicht wurden zwischen zwei Kontrollen neue Renovationen ausgeführt, neues Material installiert. Für mich ist klar: Etwas hat nicht funktioniert und jemand hat einen Fehler gemacht. Da bin ich sicher.
Das Gespräch führte David Karasek.