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Brandkatastrophe im Wallis Ganzer: «Jemand hat einen Fehler gemacht. Da bin ich sicher»

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana spricht der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer über die schwierige Lage, die Suche nach der Ursache und die unausweichliche Frage der Schuld.

Stéphane Ganzer

Walliser Sicherheitsdirektor

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Stéphane Ganzer (FDP) ist seit Mai 2025 Vorsteher des Walliser Departements für Sicherheit, Institutionen und Sport.

SRF News: Sie waren in der Silvesternacht nur wenige Stunden nach dem Unglück vor Ort. Was haben Sie dort erlebt?

Stéphane Ganzer: Ich wurde vom Feuerwehrkommandanten angerufen und bin sofort hingefahren. Die Szene war wie im Krieg. Überall waren junge Menschen, die schrien und weinten, und unzählige Einsatzkräfte, die versuchten zu helfen. Diese Bilder, die ankommenden Eltern, das werde ich nie vergessen.

Viele Familien haben immer noch keine Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen. Wie gehen sie mit dieser Situation um?

Das ist das Schlimmste. Wir haben viele Familien getroffen, und diese Menschen warten seit Tagen auf eine Antwort. Sie wollen wissen: Lebt mein Kind? Ist es im Spital oder ist es tot? Bisher konnten wir diese Information nicht geben, weil die Identifizierung der Opfer extrem aufwendig ist. Spezialistenteams arbeiten rund um die Uhr.

Das eigentliche Problem ist für mich nicht die Kerze allein, sondern die Decke. Es scheint ein grosses Problem mit dem Material zu geben, das dort verbaut wurde.

Der Kanton hat die «besondere Lage» ausgerufen. Was bedeutet das konkret?

Diese Massnahme erlaubt uns, die Zusammenarbeit mit dem Bund und anderen Kantonen besser zu führen und die Einsatzkräfte zentral zu koordinieren. Wir brauchen diese Hilfe und die Kompetenzen von aussen. Meiner Meinung nach wird die besondere Lage noch mindestens eine Woche beibehalten.

Im Raum steht, dass funkensprühende Bengalkerzen auf Champagnerflaschen das Feuer ausgelöst haben. Können Sie das fassen?

Ich habe das Video gesehen und war sehr erstaunt. Solche Bengalkerzen findet man in jeder Bar oder Diskothek in der Schweiz, man sieht das oft. Das eigentliche Problem ist für mich nicht die Kerze allein, sondern die Decke. Es scheint ein grosses Problem mit dem Material zu geben, das dort verbaut wurde.

Wer ist für die Kontrolle solcher Materialien verantwortlich?

Für die Brandschutzkontrollen in Gebäuden sind grundsätzlich die Gemeinden zuständig. Die Gemeinde Crans-Montana hat in dieser Bar auch Kontrollen durchgeführt. Uns als Kanton war kein besonderes Problem mit diesem Lokal bekannt. Die Polizei wird nun alle Berichte und die genauen Umstände prüfen.

Ein so riesiger Unfall mit einem Feuer in der Schweiz, wo wir Normen und professionelle Kontrollen haben, bedeutet, dass etwas nicht funktioniert hat.

Experten sagen, bei einer Katastrophe dieses Ausmasses muss beim Brandschutz massiv etwas schiefgelaufen sein. Sehen Sie das auch so?

Ein so riesiger Unfall mit einem Feuer in der Schweiz, wo wir Normen und professionelle Kontrollen haben, bedeutet, dass etwas nicht funktioniert hat. Es gab einen Notausgang, es gab Kontrollen. Aber vielleicht wurden zwischen zwei Kontrollen neue Renovationen ausgeführt, neues Material installiert. Für mich ist klar: Etwas hat nicht funktioniert und jemand hat einen Fehler gemacht. Da bin ich sicher.

Das Gespräch führte David Karasek.

SRF 4 News, 3.1.2026, 12:00 Uhr ; 

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