Als im Untergeschoss der Bar «Le Constellation» im Zentrum von Crans-Montana ein Feuer ausbrach, lag Pfarrer Alexandre Barras im Bett. Er habe erst am frühen Morgen von der Katastrophe erfahren. «Ich war geschockt», so Barras.
Als kurz danach die Zahl der Toten bekannt wurde, habe er sich darauf eingestellt, dass er viele Beerdigungen werde begleiten müssen. Später wurde klar: Viele Opfer stammen nicht aus Crans-Montana. «Ich denke an alle meine Berufskolleginnen und -kollegen, die nun Menschen bestatten, die in Crans-Montana gestorben sind», so Barras.
Crans-Montana, ein «Paradies»
Seit zehn Jahren ist Barras katholischer Pfarrer in Crans-Montana. Der Walliser Skiort – er ist das Dorf seiner Kindheit. «Crans-Montana ist ein Paradies», sagt der Geistliche. Er schätze nicht nur die Landschaft, sondern auch die Gemeinschaft hier. Dass immer wieder Berühmtheiten ins Dorf gekommen seien, fand er als Bub aufregend.
Heute leben in Crans-Montana rund 10'000 Menschen, in der Hochsaison sind es bis zu viermal mehr. «Trotz der internationalen Ausstrahlung hat Crans-Montana seinen dörflichen Charakter beibehalten», findet Barras. Die Durchmischung der Bevölkerung empfindet er als Bereicherung. «Die Menschen sind sehr weltoffen hier.»
Tragödie während erster Pfarrstelle
Bevor Alexandre Barras das Priesterseminar in Freiburg besuchte, engagierte er sich bei der freiwilligen Feuerwehr im Dorf und machte die Ausbildung zum Rettungssanitäter. In dieser Funktion arbeitete er auch bei der Stadtpolizei Sitten. 1998 zog er für seine erste Pfarrstelle nach Evolène ins Unterwallis. Wenige Monate nach seinem Stellenantritt ereignet sich dort eine Tragödie: Eine Lawine verschüttet zwölf Menschen.
«Ich kannte die Leute im Dorf noch nicht gut – und dann ereignete sich diese Katastrophe», erinnert sich Barras. Als Pfarrer sei er einer der Ersten gewesen, die mit den Angehörigen in Kontakt standen. Notfallpsychologen habe es damals noch kaum gegeben.
In Evolène übernahm ich als Pfarrer die Rolle des Notfallpsychologen. Das ist heute anders.
Das sei ein grosser Unterschied zur Katastrophe in Crans-Montana. Hier stehe er als Pfarrer eher an zweiter Stelle. «Meine Aufgabe ist es, die Menschen in ihrer Trauer längerfristig zu begleiten.»
Als gelernter Rettungssanitäter und ehemaliger Feuerwehrmann kann er gut nachvollziehen, was in den Köpfen jener vorgeht, die beim Feuer in der Bar «Le Constellation» als Ersthelferinnen und Ersthelfer vor Ort waren. «Diese Menschen brauchen eine gute Begleitung», so Barras.
Zuversichtlicher Blick in die Zukunft
Pfarrer Alexandre Barras glaubt nicht, dass der Ruf von Crans-Montana durch die Brandkatastrophe längerfristig Schaden nimmt und Touristinnen und Touristen den Ort künftig meiden werden. «Vielleicht irre ich mich. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Leute sogar aus Solidarität zu uns kommen.» Sicherlich würden jedoch die Feiertage künftig eine besondere Sensibilität erfordern, da Freude und Trauer nahe beieinander stünden.
Vielleicht kommen die Leute künftig aus Solidarität nach Crans-Montana.
Für die Bevölkerung in Crans-Montana und die betroffenen Familien und Verletzten sei der Trauerprozess erst angelaufen. «Ich wünsche mir, dass auch Crans-Montana als Ort wieder Frieden und Hoffnung findet», sagt Barras. Als Pfarrer werde er sein Bestes dafür tun.