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Brandserie in Region Solothurn Verdächtiger ist erneut ein Feuerwehrmann: Was steckt dahinter?

Achtmal hat es in der Region Solothurn gebrannt. Recherchen von SRF zeigen: Der Verhaftete ist bei der Feuerwehr.

Die Brände: In Langendorf und Bellach hat es von Mitte Oktober bis Mitte Januar achtmal gebrannt. Betroffen waren Gebäude und Autos, verletzt wurde niemand. Am Tag nach dem vorläufig letzten Brand in Bellach hat die Kantonspolizei Solothurn mitgeteilt, dass sie Brandstiftung vermutet und einen Verdächtigen festgenommen hat.

Brände in Langendorf und Bellach

Der Verdächtige: Es handelt sich beim Verhafteten um einen 24-jährigen Schweizer. Er werde verdächtigt, den Brand in Bellach gelegt zu haben: «Ob die tatverdächtige Person in Zusammenhang mit weiteren Brandfällen steht, ist Gegenstand laufender Ermittlungen», hielt die Kantonspolizei fest. Auf Anfrage bestätigt die Solothurner Staatsanwaltschaft, dass der Verdächtige immer noch in Untersuchungshaft ist. Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.

Warum legt ein Feuerwehrmann Brände?

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Auto brennt vor einem Haus.
Legende: Kantonspolizei Solothurn

Es gibt viele Motive für Brandstiftung. Der forensische Psychiater Nikolaus Bausch unterscheidet menschlich nachvollziehbare Motive wie Wut, Rache, kriminelle oder politische Absichten, Aufmerksamkeitssuche oder Langeweile, und krankhafte Motive, wie Suchtprobleme, Wahnzustände oder Pyromanie.

Auch bei Brandserien kann der Psychiater und Gutachter der Universitätsklinik Zürich keine allgemeingültigen Aussagen machen. «In der Literatur findet man in Fallbeschreibungen Hinweise auf jüngere Männer, die Persönlichkeitsprobleme oder Impulskontrollstörungen haben, oder auch Substanzmissbrauch tätigen», erklärt Nikolaus Bausch. Diese Fallbeschreibungen seien aber nicht repräsentativ, Studien fehlten.

«Natürlich ist der Wunsch da, einen Zusammenhang zwischen dem Beruf als Feuerwehrmann und den Motiven herzustellen», meint Bausch gegenüber SRF. Die Motive seien aber immer individuell.

Die Überraschung: Ein internes Infoblatt an die Angehörigen der Feuerwehr der Stadt Solothurn, das SRF vorliegt, zeigt nun: Der Verdächtige ist Feuerwehrmann. «Mit grosser Betroffenheit muss ich euch leider mitteilen, dass es sich bei der festgenommenen Person um ein Mitglied unserer Feuerwehr handelt», schreibt Feuerwehrkommandant Boris Anderegg im Infoblatt. Dieser Umstand treffe ihn «persönlich sehr», heisst es weiter.

Die Vorgeschichte: Ende Januar wurde der Brandstifter aus dem Solothurner Wasseramt vom Obergericht schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sieben Monaten verurteilt. Der 36-Jährige hatte laut Urteil im Jahr 2022 zwölf Brände gelegt. Auch er war ein ehemaliger Feuerwehrmann.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 25.2.2026, 6:32 Uhr ; 

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