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Briefträgerin zwischen Feinden Was steckt hinter dem Schutzmachtmandat der Schweiz?

Die Schweiz schliesst ihre Botschaft in Teheran. Das Schutzmachtmandat für die USA bleibt jedoch bestehen. Was bedeutet diese Rolle der Schweizer Diplomatie?

Wenn zwei oder mehrere Staaten ihre Beziehungen abbrechen, braucht es manchmal einen dritten, der den Kontakt aufrechterhält. Diese Rolle übernimmt die Schweiz seit Jahrzehnten mit dem sogenannten Schutzmachtmandat. Sie vertritt auf Anfrage die Interessen zwischen Staaten, die ihre diplomatischen oder konsularischen Beziehungen unterbrochen oder abgebrochen haben.

Mit Zustimmung aller Beteiligten übernimmt die Schweiz vereinbarte Aufgaben. Sie kann die Bürgerinnen und Bürger eines Landes schützen, diplomatische Anliegen übermitteln, vermitteln oder konsularische Dienstleistungen wie Visa- und Passangelegenheiten organisieren. Ziel ist es, auch in Krisenzeiten eine minimale Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Kein reiner Altruismus

Mit den Schutzmachtmandaten will die Schweiz Dialogkanäle offenhalten, zum Frieden beitragen und die Sicherheit betroffener Staatsbürgerinnen und Staatsbürger verbessern. Gleichzeitig kann diese Rolle auch der Schweizer Aussenpolitik Vorteile verschaffen: Als Schutzmacht erhält die Schweiz Zugang zu wichtigen Regierungskreisen und kann diplomatische Kontakte pflegen.

Zwei Männer in Anzügen, die sich die Hand geben, mit Flaggen im Hintergrund.
Legende: Irans Aussenminister Abbas Araghchi und Bundesrat Ignazio Cassis bei einem Treffen im Februar in Genf. Die Schweiz dient zwischen Washington und Teheran als diplomatischer Kanal. (17.2.2026) Keystone / CYRIL ZINGARO

Dass gerade die Schweiz bis heute als Schutzmacht auftritt, hat mehrere Gründe. Sie gilt international als unabhängig und unparteiisch und pflegt mit den meisten Staaten diplomatische Beziehungen. Zudem gehört es zu den sogenannten Guten Diensten der Schweizer Aussenpolitik, Dialog zu ermöglichen und zum Frieden beizutragen.

Was sind die drei Guten Dienste der Schweiz?

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Die Guten Dienste sind ein aussenpolitisches Instrument. Eine dritte Partei versucht, dabei zu helfen, einen Konflikt zwischen zwei oder mehreren Parteien friedlich beizulegen. In der Bundesverfassung Art. 54 ist festgehalten, dass sich die Schweiz für ein friedliches Zusammenleben der Völker und für die Achtung der Menschenrechte einsetzen soll.

Die Schweiz kennt drei Bereiche:

  • Schutzmachtmandate: Die Schweiz übernimmt konsularische und diplomatische Aufgaben, wenn zwei Staaten ihre Beziehungen unterbrechen oder abbrechen. Das Mandat wird in einem völkerrechtlichen Vertrag geregelt. Darin legen die beteiligten Staaten fest, welche Aufgaben die Schweiz übernimmt und wie Kommunikation und Zusammenarbeit organisiert werden.
  • Gaststaat: Die Schweiz fungiert als Gastgeberin bei internationalen Konferenzen oder hochrangigen Treffen.
  • Mediation: Die Schweiz erleichtert den Dialog (Fazilitation) oder vermittelt in Konflikten (Mediation).

Die Tradition reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Den Ruf als «Schutzmacht par excellence» erwarb sich die Schweiz jedoch vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Während des Ersten Weltkriegs übernahm sie 36 Schutzmachtmandate. Ihren Höhepunkt erreichte die Schutzmachttätigkeit im Zweiten Weltkrieg: 1943/44 hielt sie 219 Mandate für 35 Staaten. Nach Kriegsende ging die Zahl rasch zurück.

Heute hat die Schweiz noch acht Schutzmachtmandate:

  • Iran in Ägypten (1979): Es ist das älteste der aktuellen Mandate.
  • USA im Iran (1980): Das Mandat geht auf die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran zurück. Dazu gehört auch der konsularische Schutz von US-Bürgerinnen und -Bürgern.
  • Russland in Georgien und Georgien in Russland (2009): Nach dem Krieg zwischen den beiden Ländern 2008 hat die Schweiz das Mandat übernommen.
  • Iran in Kanada (2019): Das Mandat umfasst keine konsularischen Dienstleistungen.
  • Mexiko in Ecuador und Ecuador in Mexiko (2024): Beide Länder führen die konsularischen Angelegenheiten vor Ort mit eigenem Personal durch.
  • Ecuador in Venezuela (2024): Die konsularischen Tätigkeiten für ecuadorianische Staatsangehörige in Venezuela übernimmt weiterhin ecuadorianisches Personal.
Zwei Männer begrüssen sich herzlich, im Hintergrund ein Mann in traditioneller Kleidung.
Legende: Die Schweiz versuchte, ihre Guten Dienste zuletzt auch im Ukraine-Krieg einzubringen. Die Ukraine hatte ein entsprechendes Mandat angeregt. Russland lehnte dies jedoch ab und argumentierte, die Neutralität der Schweiz sei durch die Übernahme der EU-Sanktionen beeinträchtigt worden. (15.1.2024) Keystone / ALESSANDRO DELLA VALLE

Auch ohne Botschaft in Teheran bleibt die Schweiz ein diplomatischer Kanal zwischen Washington und Teheran. «Man kann das Schutzmachtmandat auch von hier aus wahrnehmen», sagte Aussenminister Ignazio Cassis.

Für Monika Schmutz Kirgöz, Leiterin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika im Aussendepartement (EDA), ist das Mandat zudem ein Zeichen des Vertrauens: «Solange dieses Vertrauen besteht, werden wir alles tun, um zur Deeskalation beizutragen.» Zudem wüssten sowohl die iranische als auch die US-amerikanische Seite, wie sie die Schweiz erreichen könnten. «Es gibt immer Wege, um die Kommunikation aufrechterhalten zu können.»

SRF 4 News, 11.3.2026, 17 Uhr; wilh

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