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Diskussion um den Vorschlag zum Bürgerdienst für alle
Aus 10 vor 10 vom 23.09.2020.
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Bürgerdienst für alle FDP will das Milizsystem ändern

Armee und Zivilschutz fehlen zunehmend Personal. Die FDP will darum einen Bürgerdienst für beide Geschlechter einführen.

Der Militärdienst wird immer unbeliebter, der Zivildienst ist für viele attraktiver. Aber auch Zivilschutz leisten zu wenig Männer. Um den Personalbestand zu vergrössern, wird seit Jahren eine Dienstpflicht für Frauen diskutiert. Diese will die FDP nun in Form eines Bürgerdienstes einführen: In Zukunft soll jeder Schweizer und jede Schweizerin einen Dienst für die Gesellschaft leisten müssen. Das kann in Form des klassischen Militärdienstes, eines Zivilschutz- oder sonstigen Einsatzes geschehen.

Zukunft des Milizsystems sichern

Der Bürgerdienst – ursprünglich eine Forderung des Vereins «zur Förderung des Milizengagements – soll nicht in Konkurrenz zum bisherigen System stehen. Ständerat Thierry Burkart (FDP/AG), betont: «Der Bürgerdienst ist eine Weiterentwicklung unseres Milizsystems. Er soll den Armee- und den Zivilschutz-Bestand ganz klar sichern.» Fände man kein neues System, ginge den beiden Institutionen in Zukunft das Personal aus.

Eine Sache der Gleichstellung?

Auf der Strasse nachgefragt, stösst die Idee auf Zustimmung. Besonders in Bezug auf die aktuelle Gleichstellungsdebatte. «Wenn wir eine geschlechtergerechte Gesellschaft wollen, fände ich es fair, wenn wir alle einen Dienst leisten müssten», findet die Studentin Nina Watter.

Die falsche Form der Anerkennung

Anders sieht das Nationalrätin Regula Rytz (Grüne/BE) : «Frauen leisten den grössten Teil der Betreuungs-, Erziehungs- und Familienarbeit. Ich glaube nicht, dass sie einen Zwang brauchen, noch mehr davon zu leisten.» Die Situation der Frau würde sich auch nicht bessern, wenn ein Teil ihrer Arbeit vom Bürgerdienst übernommen würde. Es brauche eine andere Art der Anerkennung, etwa in Form von Sozialversicherungen.

«Dann fehlt das Herzblut»

Zudem kritisiert Rytz, dass die heutige Freiwilligenarbeit mit dem Bürgerdienst zur Pflicht werde. So sieht das auch Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands: «Die Freiwilligkeit ist das Herz der Miliztätigkeit. Wenn das wegfällt, wird sie zur leeren Hülle und verliert an Wert.»

Zeitliche Grenzen

Auch Gemeinden würden vom Bürgerdienst nicht profitieren. Weil dieser zeitlich begrenzt wäre, würden viele Arbeiten nach Ende des Dienstes nicht mehr weitergeführt. Langjähriges Engagement, besonders von älteren Bürgern, würde so verhindert.

Von dieser Kritik lässt sich die FDP nicht beirren. Am Dienstag hat die FDP-Bundeshausfraktion eine entsprechende Motion verabschiedet. Darin fordert sie den Bundesrat auf, die Rahmenbedingungen für einen Bürgerdienst zu schaffen. Ob es dazu kommt, entscheidet zunächst aber das Parlament.

10vor10, 23.09.2020, 21:50 Uhr

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Brenner  (Sam Brenner)
    4 von 47 Kommentaren hier sind gemäss Username (vermutlich) von Frauen verfasst. Will noch jemand behaupten zu wissen (oder gelesen zu haben) dass das weibliche Geschlecht grossmehrheitlich für die „Dienstpflicht für alle“ ist, weil genau darum geht es hier primär.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Sam Brenner: Nein darum geht es nicht. Bürgerdienst für alle heisst nicht, dass jetzt Frauen auf Biegen und Brechen unbedingt zu Infantieriegrenadieren ausgebildet werden müssen. Das ist viel umfassender. Es soll jeder und jede dort eingesetzt werden, wo er seine Stärken hat und wo es im Ernstfall auch funktioniert. Wenn Frauen sich freiwillig in der Pflege von Alten und Dementen engagieren, soll auch das als Bürgerdienst honoriert werden.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Bereits heute leisten ca. 50% der jungen Männer keinen Militärdienst mehr. Andere sind motiviert, werden aber mit 30 Jahren bereits wieder aus der Armme entlassen und dies nachdem die Armee sehr viel Ressourcen in die Ausbildung der Soldaten investiert hat. Es wäre günstiger die motivierten Soldaten nach der obligatorischen Dienstzeit auf freiwilliger Basis zu behalten. Diese blieben eingeteilt, würden WK's absolvieren und könnten als Reserve beigezogen werden. Die USA kennt dieses System.
    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Gute Idee Herr Leu. Weitere Argumente für Ihre Idee: 1. Durch die Zunahme von Menschen in den Urbanen Regionen dürfte Ihre Quote schnell unter 50% sinken. 2. Die Jungen Männer aus diesen Gebieten sind vielfach physisch und noch weniger psychisch in der Lage eine militärische Ausbildung, geschweige denn einen Einsatz durchzustehen. 3. Die Hoffnungen ruhen auf den motivierten Frauen, welche im mentalen Bereich stärker sind als viele Männer. Interessant, wie sich das Ganz weiter entwickelt.
    2. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      Herr Leu, ich war ein motivierter Soldat und habe meine Dienstpflicht als Durchdiener am Stück abverdient.
      Mit 300 Diensttagen habe ich damit zudem mehr Diensttage geleistet als ein Soldat im WK-System (270 DT stand 2006/07).

      Ich habe meine Dienstpflicht als DD geleistet um nicht im Betrieb fehlen zu müssen. Bestimmt hätte ich danach nicht freiwillig WKs gemacht damit ein anderer sich drücken kann, was heute sowieso zu leicht möglich ist. Wenn sollte der Zivildienst deutlich länger dauern.
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    wird sie zur leeren Hülle und verliert an Wert.» Was fuer ein Nonsens!!! Auch ich habe den Militaerdienst fe gehasst, aber zugegebenermassen viel davon profitiert.. hat mir Welten aufgetan.. Negative wie Positive... so ein Dienstobligatorium tut allen gut, oeffnet die Sicht... Mal eine gute Idee von FDP (Hatte von den Gruenen oder SVP sein koennen...)