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Bus ins Nirgendwo in Baden AG Unterwegs mit der «Linie Null» – die weltweit für Echo sorgt

St. Galler Konzeptkünstler haben in Baden einen Bus ohne Ziel lanciert. Das Echo ist riesig. Ein Augenschein im Bus.

Pendlerinnen und Pendler reisen von A nach B. Ganz anders der Bus der Linie Null, der aktuell in der Region Baden AG unterwegs ist. «Ein Bus ohne Ziel, ohne Fahrplan, aber voller Möglichkeiten» – das die Idee der St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin.

Personen steigen in Linienbus Null in einer überdachten Haltestelle ein.
Legende: Die Linie Null fährt im Bahnhof Baden Ost ein. Das Projekt ist ein Erfolg und überrascht die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen RVBW. SRF/Christiane Büchli

Die Mitfahrt im Bus ist gratis. Er startet am Bahnhof Baden, aber auch Zusteigen unterwegs ist erlaubt. Das Projekt kehrt das Prinzip des ÖV gemäss den Initianten bewusst um: «Das vorsätzliche Falschfahren wird zum Ereignis.»

Zwei Männer halten ein Schild vor einem roten Bus.
Legende: Die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin möchten, dass wir aus dem Alltag ausbrechen. Statt aufs Handy zu schauen während der ÖV-Fahrt sollen Gespräche entstehen. Ihr künstlerisches Experiment kommt an. Der Ansturm auf die Gratis-Buslinie ist gross. SRF/Christiane Büchli

Die Riklin-Brüder wollen dem Optimierungswahn und -druck entgegenhalten. Die Passagiere sollen aus dem Alltag ausbrechen.

Internationale Medien berichten

Das Medienecho ist gross; auch international ist über das Kunstprojekt berichtet worden. «Medien aus China, den USA, Australien und Indien berichten über den Gratisbus ohne Ziel und feste Routen», so die «Aargauer Zeitung».

Bus ins Nirgendwo in der Sendung Inside Edition/CBS

Die zuständigen Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) wurden vom Erfolg überrascht. «Es war ein Wagnis, der internationale Anklang hat uns überrascht», sagt Irina Leutwyler, Direktorin der RVBW.

Neugierige und Schulklassen

Seit Ende April ist die Linie Null unterwegs, noch bis zum 16. Mai. Um 11:30 und 15:30 Uhr ist jeweils Abfahrt.

An diesem Vormittag sind so viele Passagiere für die Fahrt ins Unbekannte bereit, dass die zuständigen RVBW kurzerhand umdisponieren müssen. Rund 100 Personen wollen mit. Alle passen unmöglich in einen Bus, es braucht einen zweiten. Mit etwas Verspätung geht die Fahrt dann los.

Zwei Männer in einem Bus, einer sitzt am Steuer.
Legende: Andreas Dössegger, Leiter Betrieb bei den RVBW und Chauffeur Pascal Zandonella, der für Stimmung im Bus sorgt, unterwegs mit der Linie Null. Der Leiter Betrieb befragt die Passagiere, wie sie auf die Linie Null gekommen sind und woher sie angereist sind. Die Daten werden später ausgewertet. SRF/Christiane Büchli

Buschauffeur Pascal Zandonella begrüsst die Menge. Der Bus ist voll, die Destination unbekannt, die Stimmung heiter.

Small Talk, Singen, Kreisel-Gaudi

Vor allem die stehenden Passagiere kommen miteinander ins Gespräch. Viele sind aus der Region, aus Ennetbaden, Wettingen, Kleindöttingen, Baden. Andere sind von weiter her aus dem Aargau angereist, aus Wohlen zum Beispiel.

Drei lächelnde Personen in einem öffentlichen Verkehrsmittel.
Legende: Diese beiden Passagiere rechts sind extra aus Wohlen AG angereist, aus dem Freiamt in die Bäderstadt. So ein Projekt müsse man einfach erleben, finden sie. SRF/Christiane Büchli

Dann wird der Small Talk im Bus kurz unterbrochen. Buschauffeur Pascal Zandonella lässt via Lautsprecher ein Lied laufen: «Tage wie diese …», von den Toten Hosen. Die Menge singt mit.

Menschen in einem beleuchteten Bus, eine Person fotografiert.
Legende: Singen in der Unterführung – da kommt fast Disco-Stimmung auf. «Tage wie diese» von den Toten Hosen läuft via Lautsprecher. Den Refrain kennen fast alle. SRF/Christiane Büchli

Unterdessen ist die Linie Null in Rieden angekommen. Im Bus mit dabei sind auch die beiden Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin. Der Bus hält an der Haltestelle Limmatsteg – etwas frische Luft in den vollen Bus pumpen, meint der Chauffeur.

Die Riklin-Brüder nutzen die Pause, packen die mitgebrachte Leiter aus und bekleben die Haltestelle mit einer Null. Reise ins Nirgendwo steht auf dem Kleber.

Und dann folgt ein Highlight. Da zwei Linie-Null-Busse unterwegs sind, treffen sie sich in Wettingen an einer Haltestelle. Sie fahren gemeinsam los, in den Kreisel und kreisen und kreisen. Man winkt dem anderen Bus zu. «Einmal um den Kreisel, schalalalala, zweimal um den Kreisel, schalalala!», singen alle lautstark.

Zwei Busse an einem Kreisverkehr vor einem Wohngebäude.
Legende: Im Kreisel rundherum, mit zwei Bussen der RVBW – den Passagieren gefällts. SRF

Die Stimmung im Bus steigt – den Konzeptkünstlern gefällt’s. Ausbrechen aus dem Alltag, lachen mit Fremden, für eine Weile funktioniert’s. Nach rund anderthalb Stunden ist die Linie Null wieder am Bahnhof. Viele steigen aus, andere fahren nochmals ins Unbekannte.

Bekannte St. Galler Konzeptkünstler

Box aufklappen Box zuklappen
Zwei Männer in Jacken stehen vor einem Bahnhofsgebäude.
Legende: Die Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin am Bahnhof Baden beim Interview mit SRF. SRF/Christiane Büchli

Die Konzeptkünstler Frank und Patrick Riklin sind Zwillinge. 1999 gründeten sie das künstlerische Kleinst-Unternehmen «Atelier für Sonderaufgaben», mit dem Ziel, unabhängige und kompromisslose Kunst zu produzieren und Sonderaufgaben wahrzunehmen, für die sich niemand so richtig zuständig fühlt.

Nebst der Buslinie Null haben sie unter anderem auch das «Null Stern Hotel» erfunden. Ein Hotel ohne Dach und Wände, ein Doppelbett in den Schweizer Bergen zum Beispiel, oder übernachten im Atombunker im Dorf.

Was die Konzeptkünstler und die Verkehrsbetriebe aber herausfinden möchten, ist, ob die Linie Null «nur» ein Hype ist, oder ob sich die Idee nachhaltig umsetzen lässt. Das Institut für Mobilität der Universität St. Gallen wertet die Daten aller Fahrten aus. Wenn das Projekt in Baden Erfolg hat, soll die Linie Null auch in anderen Städten fahren.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 15.5.2026, 12:03 Uhr ; 

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