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Chemiemüll neben Wohngebiet Muttenz BL saniert für 280 Mio. Franken ehemalige Chemiedeponie

Chemieabfälle, Bauschutt und Hauskehricht schlummern in der Deponie Feldreben unter der Erde. Nun startet die Sanierung – ein Generationenprojekt.

Zwischen 1930 und 1967 diente sie als bequeme Entsorgungsmöglichkeit, nun wird sie für Muttenz zum grossen Umweltschutzprojekt: die Deponie Feldreben, direkt neben dem Wohngebiet gelegen. Rund 280 Millionen Franken kostet die Sanierung, rund zwanzig Jahre wird sie dauern. Sieben Fussballfelder gross ist das Areal, das von den Altlasten befreit werden muss.

Bis in die 1930er-Jahre wurde auf dem Areal Kies ausgegraben. Dabei entstand eine Grube, die sich ideal eignete, um Hauskehricht, Bauschutt und während gut zehn Jahren auch Chemie- und Pharmaabfälle zu entsorgen. Zugedeckt wurden diese Abfälle nicht, deshalb wusch der Regen jahrelang den Kehricht aus und die Altlasten gelangten ins Grundwasser.

Statt Trinkwasser kam 1957 eine stinkende, orange Brühe aus dem Boden.
Autor: Martin Forter Altlasten-Experte

Zwar habe es Kritik gegeben an dieser Entsorgung, sagt Altlasten-Experte Martin Forter. Doch erst 1957 habe man damit aufgehört, Chemiemüll so zu entsorgen. «Damals wollte man sauberes Grundwasser aus dem Boden ziehen, doch statt sauberem Trinkwasser kam eine stinkende, orange Flüssigkeit zum Vorschein.»

1967 wurde die Deponie zugeschüttet, das Gelände ausgeebnet und überbaut. Auf die giftigen Altlasten kam quasi der Deckel drauf. Ein Lastwagenterminal und Gewerbehallen entstanden. Erst in den 2000er-Jahren, nachdem die neue Altlasten-Verordnung in Kraft trat, verordnete der Kanton Baselland, dass das Areal saniert und von den Altlasten befreit werden muss.

Leerer Parkplatz mit Baukränen im Hintergrund bei Sonnenuntergang.
Legende: Das Feldreben-Areal in Muttenz heute. Zwischenzeitlich gab es hier auch ein Bundesasylzentrum. Während der Coronapandemie richtete der Kanton auf dem Areal ein Impfzentrum ein. SRF

Fast zwanzig Jahre später beginnt nun die Planung der Sanierungsmassnahmen. Für die Gemeinde Muttenz, auf deren Boden die Altlasten liegen, ein grosser Moment: «Wir sind froh, dass wir an diesem Punkt angekommen sind und nun endlich dieses für Muttenz bedeutende Umweltprojekt in Angriff nehmen können», sagte Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann an einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung.

Sanierung dauert mehr als zwanzig Jahre

In einem ersten Schritt wird das Grundwasser gereinigt. Dafür wird Grundwasser unterhalb der Deponie abgepumpt und mithilfe von Aktivkohlefiltern von Schadstoffen befreit. Rund zwanzig Jahre wird diese Grundwasserbehandlung dauern.

Stadtansicht aus der Vogelperspektive mit Gebäuden und Parkplatz, Rauchfang im Hintergrund.
Legende: Die Deponie Feldreben befindet sich mitten im Wohn- und Gewerbegebiet in Muttenz BL. Konsortium Sanierung Deponie Feldreben

Parallel zur Grundwasserbehandlung wird dann der belastete Boden abtransportiert. Unter einem grossen Zelt graben Bagger den Boden um und laden den Schutt auf Lastwagen. Das Zeltdach sei nötig wegen der Schadstoffe, sagt Gesamtprojektleiter Roger Rütti: «Im Boden hat es Chlorkohlenwasserstoff. Dieser setzt Dämpfe frei, die nicht ganz ohne sind. Wir müssen also unsere Angestellten, aber auch die Bevölkerung schützen.»

Chlorkohlenwasserstoff

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Chlorkohlenwasserstoff kann in Lösungsmitteln enthalten sein, die in der Chemieindustrie eingesetzt werden. Er ist gesundheitsschädigend und gilt als krebserregend. Er bleibt lange in der Umwelt enthalten und lagert sich in Organismen an. Deshalb ist Chlorkohlenwasserstoff heute stark reguliert.

Bevor aber die ersten Bagger auffahren, untersuchen die Behörden den Boden noch einmal auf mögliche Schadstoffe. Ein Vorgehen, das Altlasten-Experte Martin Forter begrüsst: «Die Feldreben-Deponie ist grösstenteils mittelmässig bis schlecht untersucht, es macht schon Sinn, noch einmal genauer hinzuschauen.»

Bis das Areal ganz von allen Altlasten befreit ist, dauert es also nochmals Jahre wenn nicht Jahrzehnte. Die Kosten für die Sanierung tragen der Bund, der Kanton Baselland und mehrere Chemiefirmen, deren Vorgänger ihre Abfälle dort deponiert haben.

Regionaljournal Basel, 3.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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